Coburg
Konflikt

Derby-Zwist und kein Ende

Steffen Brandes, der Gesamtleiter Kommunikation und Markenbildung beim HC Erlangen, wirft dem HSC Coburg Verfehlungen vor.
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Vor einer beeindruckenden Kulisse von über 8000 Handballfans haben einige Coburger Spieler in ihrer Karriere auch noch nicht spielen dürfen. Trotz der ärgerlichen 24:26-Niederlage in Nürnberg gegen den HC Erlangen bedankten sich die Vestestädter am Samstag nach der Schluss-Sirene artig bei ihrem treuen Anhang. Am bevorstehenden Samstag wollen die "Gelb-Schwarzen" in der HUK-Arena vor wieder über 3000 Fans den SC Magdeburg besiegen und damit wertvolle Punkte im Abstiegskampf sammeln.  Foto: We...
Vor einer beeindruckenden Kulisse von über 8000 Handballfans haben einige Coburger Spieler in ihrer Karriere auch noch nicht spielen dürfen. Trotz der ärgerlichen 24:26-Niederlage in Nürnberg gegen den HC Erlangen bedankten sich die Vestestädter am Samstag nach der Schluss-Sirene artig bei ihrem treuen Anhang. Am bevorstehenden Samstag wollen die "Gelb-Schwarzen" in der HUK-Arena vor wieder über 3000 Fans den SC Magdeburg besiegen und damit wertvolle Punkte im Abstiegskampf sammeln. Foto: Werner F. Schönberger
Emotionen, Animositäten und gegenseitige Vorwürfe ohne Ende. Der Streit zwischen den beiden fränkischen Handball-Erstligisten HSC 2000 Coburg und HC Erlangen und seinen handelnden Personen geht in die nächste Runde. Vor, während und nach dem Derby am Samstagabend in der mit 8108 Zuschauern gefüllten Nürnberger Arena schlugen die Vorkommnisse hohe Wellen.

Steffen Brandes, der Gesamtleiter Kommunikation und Markenbildung beim HC Erlangen, stellte am Dienstag mit einer umfangreichen Mitteilung die Sicht der Dinge aus Sicht des Gastgebers dar.

Er erklärt darin auch, dass sein Klub an einem guten Verhältnis mit dem HSC Coburg interessiert sei. Doch "die erlebte Nähe der neuen Geschäftsführung des HSC Coburg zu der gewaltbereiten Ultra-Fangruppierung des HSC Coburg und die Ankündigung von Racheakten im Rückspiel", erschweren seiner Überzeugung nach die Umsetzung dieses Wunsches.

Trotzdem habe der HC Erlangen am Montag mit den Verantwortlichen des HSC Coburg Kontakt aufgenommen. Dabei, so Brandes, habe der HCE vorgeschlagen, das Geschehene in Ruhe aufzuarbeiten und künftig einen gemeinsamen Weg des vernünftigen Umgangs miteinander zu finden. Die Verantwortlichen des HSC Coburg hätten solche Gespräche jedoch abgelehnt.

Dem widersprechen HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel und Geschäftsführer Steffen Ramer auf das Schärfste: "Mit mir, Steffen Ramer oder Florian Dotterweich hat von Erlanger Seite bisher noch niemand Kontakt aufgenommen. Aber selbstverständlich sind wir zu solchen Gesprächen bereit", erklärte Apfel gestern Nachmittag gegenüber dem Tageblatt.

Generell wolle er zu den ganzen Vorwürfen und angeblichen Ausschreitungen eigentlich gar nichts mehr sagen. Nur so viel: "Ich war am Samstag im Zug dabei, habe das Spiel in der Halle verfolgt und war heimwärts auch wieder im Bus. Während der ganzen Zeit ist nichts passiert. Alles war friedlich", versteht der Vorstandssprecher den Hype um das Derby nicht. Steffen Ramer liegt ebenso wie Apfel die vorwurfsvolle Stellungnahme aus Erlangen seit gestern vor.

Auch er ist für klärende Gespräche zwischen den Vereinen offen, erhofft sich solche sogar. Zu den Vorwürfen möchte auch er sich nicht mehr äußern, legt aber besonderen Wert auf die Feststellung, dass er von dem in der Pressemitteilung geschilderten Vorfall, dass gewaltbereite Coburger Fans Zuschauer bespuckt und mit Bier übergossen haben sollen und einen Zuschauer sogar verletzt hätten, nichts weiß. Die Behauptung Brandes, dass der HSC Coburg diesen Vorfall wohlweislich nicht erwähnt oder gar verurteilt, sei deshalb völlig haltlos.


Die Presseerklärung des HC im Wortlaut:

Die Presseberichterstattung zum Spiel der DKB Handball-Bundesliga zwischen dem HC Erlangen und dem HSC Coburg am 10.12.2016 in Nürnberg veranlasst den HC Erlangen zu folgender Stellungnahme:


1. Tickets

Der HSC Coburg fragte am 29. September 2016 per E-Mail beim HC Erlangen an, ob er 500 Tickets für das Spiel des HSC Coburg in Nürnberg kaufen könne. Die Bestimmungen der Deutschen Handballliga (HBL) hätten den HC Erlangen nicht verpflichtet, ein solches Ticketkontingent zur Verfügung zu stellen. Der HC Erlangen bot dennoch dem HSC Coburg statt den HBL-konformen 200 die angefragten 500 Tickets zum Kauf an und räumte zugleich aus lokaler Verbundenheit dem HSC Coburg Sonderkonditionen ein. Der HSC Coburg bestätigte per E-Mail, dass man das Angebot annehme und im Gegenzug dem HC Erlangen für das Rückspiel in Coburg 500 Tickets zur Verfügung stellen würde. Mit E-Mail vom 08. November 2016 bat der HSC Coburg den HC Erlangen um Zusendung der 500 gekauften Tickets per Post. Von einer Reservierung oder gar dem Vorbehalt der Rücknahme war nicht die Rede. Der HC Erlangen sandte daraufhin dem HSC Coburg die gekauften 500 Tickets per Post zu. Auf die sonst in der HBL nicht unübliche Zug um Zug-Bezahlung von Tickets verzichtete der HC Erlangen. Die ebenfalls am 08. November 2016 gestellte Rechnung wurde vom HSC Coburg weder beanstandet, noch bis heute - auch nicht teilweise - bezahlt. Unmittelbar vor dem Spieltag wollte der HSC Coburg urplötzlich 120 kaufte Tickets "zurückgeben".

Es trifft nicht zu, dass Tickets, die gekauft und deren Zusendung eingefordert wird, im üblichen Verkehr zwischen den Vereinen der DKB-Handballbundesliga beliebig zurückgegeben werden können. Dies ist nur gelegentlich bei vereinbarten Reservierungen oder Vorbehalten der Fall. Solches würde im Übrigen schon den Bestimmungen der HBL widersprechen, die bei Reservierungen eine 10-Tages-Frist vor Spieltagen vorsieht. Die Rücksendung von erhaltenen Karten konnte und kann zudem dem HC Erlangen nicht zugemutet werden. Die Plätze inmitten des Fanblocks des HSC Coburg wären in der Kürze der Zeit am Markt nicht mehr verkäuflich gewesen.

Dennoch hat der HC Erlangen dem HSC Coburg verschiedene Kompromisslösungen angeboten. Der HSC Coburg hat all diese Vorschläge abgelehnt und auf die Rückgabe der Tickets unter Drohung "mit der Presse" bestanden. Der HC Erlangen bestand auf den geschlossenen Vertrag und lehnte die Rücknahme von gekauften Tickets in letzter Konsequenz ab.

Der HC Erlangen ist verwundert über die Äußerung des HSC Coburg auf dessen Facebook-Seite am gestrigen Montag, wo der HSC Coburg auf eine Fananfrage antwortet: "Dass noch "am Montag (...) zahlreiche Reservierungen/Gruppenreservierungen vorlagen, die letztlich leider nicht abgeholt bzw. nicht in Anspruch genommen wurden (ist bedauerlich). Dienstagnachmittag klärte sich das auf, daraufhin hatten wir Kontakt mit unseren Kollegen aus Erlangen aufgenommen. Im Nachhinein natürlich mehr als unglücklich, daher bitten wir um Verständnis."


2. Sicherheitsvorkehrungen

Der HC Erlangen stellt nochmals fest, dass es im Spiel der 2. Handballbundes-Liga am 17.10.2015 zwischen dem HC Erlangen und dem HSC Coburg in Nürnberg zu gewalttätigen Ausschreitungen einer gewaltbereiten Ultrafangruppe des HSC Coburg kam. Bei einem Wurf von pyrotechnischen Gegenständen in eine mit Kindern und Jugendlichen besetzte Fangruppe wurde ein Fan des HC Erlangen verletzt. Der Vorfall vom 17.10.2015 und angekündigte weitere "Maßnahmen" einer gewaltbereiten Ultrafangruppe des HSC Coburg haben die Sicherheitsbehörden und Sicherheitsbedienstete in Nürnberg veranlasst, besondere Maßnahmen zu ergreifen. Diese
Maßnahmen sind und waren richtig, wichtig und nicht zu beanstanden. Dazu gehörte, dass Gegenstände, die Verletzungen herbeiführen können, nicht in die Arena mitgeführt werden können. Diese Regelung galt und gilt für jedermann, nicht nur für eine gewaltbereite Ultrafangruppe des HSC Coburg. Unmutsäußerungen von "normalen" Besuchern des Handballspiels am vergangenen Samstag auf der Facebook-Seite des HC Erlangen, sie hätten nahezu eine Stunde an den Eingangstüren wegen der Sicherheitsvorkehrungen anstehen müssen und wären zu gründlich untersucht worden, geben davon Zeugnis. Die gewaltbereite Ultrafangruppe des HSC Coburg versuchte dennoch, etwa 70 cm lange Hartplastikstangen, die vom HSC Coburg als "Fähnchen" bezeichnet wurden, in die Arena Nürnberger Versicherung mitzunehmen. Das Sicherheitspersonal der Arena Nürnberger Versicherung hat vor Ort entschieden, die Mitnahme dieser Stangen in die Arena zu untersagen. Auch diese Entscheidung ist nicht zu beanstanden. Die Fans des HC Erlangen haben solche Stangen nicht mitgeführt. Sie
wären jedem Besucher abgenommen worden.

Der HC Erlangen merkt an, das trotz dieser Sicherheitsmaßnahmen die gewaltbereite Ultrafangruppierung des HSC Coburg nicht nur Zuschauer bespuckt und mit Bier übergossen, sondern einen Zuschauer des Handballspiels am vergangenen Samstag nach Spielende sogar verletzt hat. Strafanzeige gegen Unbekannt wurde gestellt. Der HSC Coburg hat diesen Vorfall wohlweislich nicht erwähnt oder gar verurteilt.


3. Stromversorgung

Der HSC Coburg beklagt, der HC Erlangen habe ihm die für den sogenannten "Liveticker" erforderliche Stromquelle nicht zur Verfügung gestellt. Diese Behauptung ist falsch. Die Arena Nürnberger Versicherung bietet unter jedem Presseplatz einen Stromanschluss an. Alle Journalisten haben bisher nach Kenntnis des HC Erlangen diesen Stromanschluss gefunden. Leider nicht die Mitarbeiterin des HSC Coburg, die den Liveticker bedienen sollte.


4. Verhältnis zwischen den Vereinen

Dem HC Erlangen war und ist an einem guten Verhältnis mit dem HSC Coburg interessiert. Die erlebte Nähe der "neuen" Geschäftsführung des HSC Coburg zu der gewaltbereiten Ultrafangruppierung des HSC Coburg und die Ankündigung von "Racheakten" im Rückspiel erschweren die Umsetzung dieses Wunsches. Der HC Erlangen hat dennoch am gestrigen Montag mit den Verantwortlichen des HSC Coburg Kontakt aufgenommen. Der HC hat vorgeschlagen, das Geschehene in Ruhe aufzuarbeiten und künftig einen gemeinsamen Weg des vernünftigen Umgangs miteinander zu finden. Die Verantwortlichen des HSC Coburg haben solche Gespräche
abgelehnt.

Steffen Brandes
Gesamtleiter Kommunikation und Markenbildung
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