Bad Rodach
Auftakt

Der neue Bad Rodacher Nachtwächter: Jetzt bläst der Wirt selbst ins Horn

In der neuen Nachtwächtersaison nimmt der Gastronom Karl Fadler neben "Urgestein" Karl-Heinz Engelhardt das Geschehen in der Kurstadt aufs Korn.
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In Bad Rodach sind ab sofort wieder die Nachtwächter unterwegs. Zum traditionellen Auftakt am historischen Pulverturm präsentierte der dienstälteste Nachwächter Karl-Heinz Engelhardt (rechts) mit Karl Fadler und dem siebenjährigen José Ramón Kienel am Donnerstagabend zwei Neue an seiner Seite. Foto: Bettina Knauth
In Bad Rodach sind ab sofort wieder die Nachtwächter unterwegs. Zum traditionellen Auftakt am historischen Pulverturm präsentierte der dienstälteste Nachwächter Karl-Heinz Engelhardt (rechts) mit Karl Fadler und dem siebenjährigen José Ramón Kienel am Donnerstagabend zwei Neue an seiner Seite. Foto: Bettina Knauth
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"Manchen hat die Neugier hergetrieben, was unser Karl hat aufgeschrieben." Beim Dichten dieses Verses ahnte Bad Rodachs dienstältester Nachtwächter Karl-Heinz Engelhardt offensichtlich bereits, dass der diesjährige Auftakt vor dem Pulverturm am Donnerstag viele einheimische Zuschauer anlocken würde. Kein Wunder, konnte der 71-Jährige doch mit dem stadtbekannten Wirt Karl Fadler einen neuen Mitstreiter präsentieren. Und auch mit Nachwuchs konnte er aufwarten, dank des erst siebenjährigen José Ramón Kienel.

"So eine schöne Tradition sollte man aufrecht erhalten", sprach die Bad Rodacherin Helga Herfert vielen Anwesenden aus dem Herzen. José Ramón, Enkel des ehemaligen Zunftmeisters Walter Kienel, der einer der ersten Nachtwächter nach Wiederbelebung der Tradition im Jahr 1982 war, zeigte ein wenig Scheu vor dem Vortragen seiner ersten Stundenverse. "Das Reimen übe ich schon fleißig", berichtete er. Auch seinem Horn entlockte der Youngster teilweise ordentliche Töne, zum Entzücken der Zuschauer. "Ist der goldig!", kommentierte wenig später ein weiblicher Gast.


Der Junge kennt sich in der "Szene" aus

Von klein auf hatte der Junge an den Treffen der Zunft teilgenommen. Nachdem er im Oktober 2014 das Kindernachtwächter-Seminar besucht hatte, machte er bereits mit kleinen Auftritten auf sich aufmerksam.
Bei Fadler hielt sich das Lampenfieber ebenfalls in Grenzen. "Wenn alles zu 100 Prozent passt, wirkt es doch gestellt", baute der Neuling vor. Mit seinem Engagement als Nachtwächter möchte der 53-Jährige den Tourismus in seiner Heimatstadt unterstützen.

Nachdem sich der Kur- und Tourismusverein Bad Rodach aufgelöst hat, zeichnet sich neu das Netzwerk "Bad Rodach begeistert" zuständig für die Nachtwächter-Veranstaltungen. Dessen Vorsitzender Lars-Jörg Otto hatte die auswärtigen Besucher zuvor im Stadtturm darüber informiert, wie sich die Idee von der europäischen Nachtwächter- und Türmerzunft entwickelte. Wie Otto warteten Thomas Scholz aus Leipzig und Ingrid Parusel aus Heilbronn nun gespannt auf den Auftritt des neuen Trios. Während der Kurgast in Bad Colberg noch nie an einer Nachtwächterführung teilgenommen hatte, kannte die Urlauberin aus Württemberg solche Events aus Bad Wimpfen und dem Elsass.


Bürgermeister zündet die Laterne an

Um halb neun Uhr betraten die drei Akteure, begleitet von den Klängen des Coburger "Prinz-Josias-Marschs", die "Bühne". Bad Rodachs Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) war es vorbehalten, zum Saisonstart die große Laterne an der alten Stadtmauer zu entzünden. Nach einer kurzen Einleitung und zwei von José Ramón noch schüchtern vorgetragenen Stundenversen kündigte Engelhardt dann den mit Spannung erwarteten Auftritt des "Neuen" an. Und Gastronom Fadler legte auch gleich los. Er prangerte die mangelnde Ausschilderung der Kurstadt an und beklagte die Parkplatzsituation: "Kommt der Besucher endlich in den Ort, findet er keinen Parkplatz dort." "Unser Bestreben muss es sein, die Nachtwächterei in Bad Rodach nicht sterben zu lassen", sagte Christiane Ulmann-Puff vom Vorstand des Netzwerks, "schließlich hat sie hier angefangen." Doch habe es zuletzt - wie überall - an Nachwuchs gefehlt.

Mit "Hört, hört Ihr Leut und lasst Euch sagen ..." beginnen die Nachwächter um 20 Uhr am Schlossplatz ihren Rundgang durch die Kurstadt, bis zum Saisonende im September. Nur an jedem ersten Donnerstag im Monat wiederholt sich die feierliche Inszenierung am Pulverturm. Ausklingen wird jede Veranstaltung, wie in den Jahren zuvor, im Café Fadler. Dann muss sich der Neue entscheiden: Steht er mit Mantel, Hut, Laterne, Horn und Hellebarde als Nachtwächter vor oder mit Schürze als Hausherr hinter der Theke?


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