Coburg

Der Schrankenwärter bleibt in Coburg-Creidlitz

Seit zwei Wochen rollen auf der Strecke Coburg-Ebersdorf keine Züge, damit in Creidlitz neue Gleise verlegt werden können.
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Auf 400 Metern Länge werden bis zum Bahnhof Creidlitz neue Gleise verlegt - Grund für die derzeitige Vollsperrung bis Ebersdorf, die am 29. Januar endet. Foto: Simone Bastian
Auf 400 Metern Länge werden bis zum Bahnhof Creidlitz neue Gleise verlegt - Grund für die derzeitige Vollsperrung bis Ebersdorf, die am 29. Januar endet. Foto: Simone Bastian
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Das neue Creidlitzer Stellwerk steht schon. Ganz unauffällig neben der B 303 bei Niederfüllbach, wo die Gleise in die Kurve zum Creidlitzer Bahnhof biegen. Menschen werden in den drei garagengroßen Gebäuden nicht mehr arbeiten; das Stellwerk wird vom Elektronischen Stellwerk am ehemaligen Güterbahnhof in Coburg mitgesteuert. Trotzdem wird die Bahn noch geraume Zeit Menschen im historischen Creidlitzer Bahnhofsgebäude beschäftigen: Sie müssen die Schranken an den beiden Übergängen bedienen.


Neues Genehmigungsverfahren

Es ist nicht gelungen, rechtzeitig zum Start des ICE-Fahrplans auf der Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt eine Unterführung in Creidlitz zu bauen. Der entsprechende Bebauungsplan der Stadt wird beklagt; das Verfahren sei noch nicht einmal terminiert, sagt Stefanie Grundmann vom Rechtsamt der Stadt Coburg. "So lange es keinen Fortschritt mit der Bahn gibt, hat es wenig Sinn, beim Verwaltungsgerichtshof auf einen Termin zu drängen."
Dieter Thormann, Projektleiter des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit 8.1 und damit Bau-Chef der Neubaustrecke, kann indes am Donnerstag berichten, dass bis Ende März die Unterlagen für ein Planfeststellungsverfahren eingereicht werden sollen.

Denn der Bebauungsplan reicht als Rechtsgrundlage für den Bau der Unterführung nicht aus. Das Planfeststellungsverfahren wird erfahrungsgemäß einige Zeit dauern, so dass die Bahnübergänge in Creidlitz erst mal bleiben, wie sie sind. Die Schranken am Bahnhof und am Übergang Hahnwiese müssen von Hand runter und wieder hoch gekurbelt werden. Motoren anzubauen sei nicht möglich, weil es dafür keine Zulassung gebe, sagt Thormann.

Anlass für den Besuch sind aber nicht die Schranken, sondern die Gleise: Vom Weichengereuth in Coburg bis zur Einschleifung der ICE-Strecke bei Niederfüllbach führen künftig zwei Gleise. Bislang war die Strecke nach Lichtenfels ab Creidlitz eingleisig. Es genügte aber nicht, ein zweites Gleis neben das vorhandene zu legen. Wegen der Kurvenradien mussten beide Stränge neu gemacht werden - die Ursache für die derzeit geltende Totalsperre der Strecke Coburg-Ebersdorf. "Wir können dann jedes Gleis in jede Richtung befahren", erläutert Thormann.


Bayern müsste bauen

Ab dem Weichengereuth wird die Strecke allerdings eingleisig. Ein zweites Gleis bis zum Hauptbahnhof sei da nicht vorgesehen, zumindest nicht im Rahmen des VDE 8.1, sagt Thormann. Wenn, müsse der Freistaat Bayern diesen Engpass beseitigen, weil er für den Nahverkehr zuständig sei. "Für den ICE reicht uns das eine Gleis." Am Donnerstag war in Creidlitz die Gleisstopfmaschine im Einsatz zu sehen, die die rund 1200 Tonnen Schotter ordentlich unter die Schienen bringt. Thormann geht davon aus, dass die Strecke planmäßig zum 29. Januar wieder freigegeben werden kann. Die Tiefbauarbeiten liefen schon seit vergangenem Frühjahr und waren vor Weihnachten, also vor dem Frost, beendet.


Bahnsteige werden länger, das Dach nicht

Es gab schon mal Aufzüge zu den Bahnsteigen am Coburger Bahnhof. Aber die waren nur für Expressgut gedacht, nicht für Passagiere. Deshalb nützen die alten Schächte nichts, wenn es nun darum geht, alle drei Bahnsteige mit Personenaufzügen zu erschließen, erläutert Dieter Thormann, Projektleiter VDE 8.1. Die Lifte müssen nämlich vom Fußgängertunnel her erreichbar sein, und der alte Expressguttunnel ist nicht mehr vorhanden.

Die Aufzüge sind das eine, der Um- und Ausbau der Bahnsteige 2 und 3 das andere. Sie werden erhöht und auf 405 Meter verlängert, passend für die ICE-Züge. Die Bahnsteigdächer bleiben indes, wie sie sind. Es würden lediglich ein paar zusätzliche Wetterschutzhäuschen aufgestellt, sagt Thormann. Bis August sollen die Bahnsteige 2 und 3 ICE-tauglich sein; die übrigen Bahnsteige, die ebenfalls erneuert werden, folgen danach. Im Lauf des Jahres 2018 soll der Bahnhofausbau abgeschlossen sein.

In der Halle wird sich Thormann zufolge nichts ändern; Fahrkartenschalter gibt es hier schon lange nicht mehr, nur Automaten. Der Bau von Parkplätzen am Bahnhof ist Aufgabe der Stadt.

Geplant ist, eine Fläche der Bahn an der B4 direkt am Bahnhof dafür zu verwenden. Ein alter Treppentunnel, der mal zu einem nicht mehr vorhandenen Bahnsteig führte, soll die Verbindung in den Bahnhof herstellen. Im Investitionsplan sei der Parkplatzbau vorgesehen, sagte Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber am Dienstag. Derzeit warte die Stadt noch auf eine Kostenschätzung.
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