Coburg
Güterbahnhof

Der "Rheingold" schwebte in Coburg ein

Der Panoramawaggon "Rheingold" findet eine neue Heimat an der alten Pakethalle. Der 54 Jahre alte TEE-Aussichtswaggon ist am Sonntag zu besichtigen.
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Zwei Autokräne hieven den Eisenbahnwagen mit der augenfälligen Aussichtskuppel in die Höhe. Foto: Christoph Winter
Zwei Autokräne hieven den Eisenbahnwagen mit der augenfälligen Aussichtskuppel in die Höhe. Foto: Christoph Winter
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Werner Krautheimer und Matthias Bellenberg zeigen am Donnerstagvormittag Fingerspitzengefühl: Die beiden Kranwagenfahrer haben den 50 Tonnen schweren historischen Panoramawaggon der TEE-Züge aus den 60er Jahren am Haken. Es ist 10 Uhr und auf der alten Laderampe haben sich einige Dutzend Schaulustige versammelt - professionelle Fotografen und Kameraleute, aber auch einige Bilderjäger, die vom Virus "Eisenbahn und Modelleisenbahn" infiziert sind. So wie Hans-Jörg Böhm, der aus dem 50 Kilometer entfernten Neuhaus am Rennweg nach Coburg gekommen ist. Daneben sind Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung gekommen, allen voran Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU).

Langsam hieven Matthias Bellenberg und Werner Krautheimer den Eisenbahnwagen mit der augenfälligen Aussichtskuppel in die Höhe. Verbunden sind die beiden Kranführer zwar per Funk, aber die beiden Männer agieren in ihren Autokränen unabhängig von einander. "Da braucht man auch Erfahrung", lassen sie wissen. Unter den beiden Drehgestellen des 26 Meter langen Waggons hindurch führen die schweren Ketten, die wiederum mit Schwerlastbändern an den Kranhaken befestigt sind.


Zuerst schwenkt einer der beiden Autokräne ein und diagonal schwebt der Waggon zwischen den roten Giganten hindurch. Maximal 220 Tonnen kann jeder der Kräne bewältigen.

Eine halbe Stunde später senkt sich der Waggon auf die beiden vorbereiteten Gleisstücke. Anfang der Woche hatte eine Baufirma zwei fünf Meter lange alte Gleisjoche vom Creidlitzer Bahnhof geholt und in ein Schotterbett gesetzt. Der Teufel aber liegt im Detail: Weil das Gleis, von dem der Waggon angehoben wurde, eine leichte Biegung hat, sind nun die beiden Drehgestelle verschwenkt. Nicht groß ist die Drehung, aber doch so, dass die Räder von "Rheingold" auf einer Seite mit dem Radkranz auf der Schiene stehen. Mit einem Kettenzug und Muskelschmalz ist die Ungenauigkeit schnell behoben.

Eine Rangierlok hatte den "Rheingold"-Panoramawagen aus Lichtenfels nach Coburg gezogen. Reichlich vor der angekündigten Ankunft harren die ersten Eisenbahnfans aus. In der Deutschen Korbstadt stand der Waggon ein Jahr lang im Außendepot des Deutschen Bahnmuseums. 2004 kam der Wagen wieder nach Deutschland, zuvor tourte er durch Schweden.

Oberbürgermeister Norbert Tessmer, bekannt für seine mit Zitaten angereicherten Reden, bemühte für diesen Anlass einen Liedtext aus den 60er Jahren. Schlagersängerin Manuela tönte aus dem Smartphone mit dem Song "Monsieur Dupont, Monsieur Dupont, es ist so schön die Welt zu seh'n mit Ihrer Eisenbahn. Monsieur Dupont, und Ihr Waggon, das ist der schönste Eisenbahnwaggon der Welt". Tessmer würdigte das Engagement der Stadtplanung, der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings, diesen nicht alltäglichen Eisenbahn-Wagen zum Informationspunkt im künftigen Kreativviertel der Stadt werden zu lassen. 20 Jahre lang soll "Rheingold" nun an der Itz glänzen.

Bis dahin ist noch viel Arbeit nötig: Der Lack bröselt flächig herunter, Rostflecken sind notdürftig überpinselt worden, die Gläser der Schweinwerfer zersprungen und die Fenster erblindet. Auf den Gummibälgen über den Türen sprießt das Unkraut und Graffitis stören das einstige Design. Die kommende Renovierung werden Mitarbeiter des Bahnmuseums begleiten.


"Rheingold" besichtigen

Der "Rheingold"-Panoramawaggon ist am Sonntag, 14. Mai, auch innen zu besichtigen. Zum "Tag der Städtebauförderung" informiert die Wohnbau der Stadt am Samstag, 13. Mai, ab 10 Uhr im Steinweg 29 über die verschiedenen Projekte. Der Sonntag ist den geplanten Entwicklungen auf dem alten Güterbahnhof gewidmet. Von 12 bis 16 Uhr gibt es Führungen über die Industriebrache und der Panoramawagen ist geöffnet.


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