Neustadt bei Coburg

Der ASV Neustadt ehrt seine "Dritte Mannschaft" aus Italien

Als Integration noch ein Fremdwort war, schrieb sich der Arbeitersportverein 06 Neustadt die Einbindung italienischer Gastarbeiter auf die Fahnen.
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Den Machern der "Dritten Mannschaft", Enzo Albanes (links) und Klaus Bauer (rechts), wurde die Ehre zuteil, den Anstoß zum Traditionsspiel auszuführen. Foto: Martin Rebhan
Den Machern der "Dritten Mannschaft", Enzo Albanes (links) und Klaus Bauer (rechts), wurde die Ehre zuteil, den Anstoß zum Traditionsspiel auszuführen. Foto: Martin Rebhan
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Im Jahr 1976 ging erstmals eine rein aus italienischen Staatsbürgern bestehende Mannschaft für den Arbeitersportverein 06 Neustadt (ASV) auf Punktejagd, die über die Grenzen Neustadts hinaus bekannte "Dritte Mannschaft". Im kommenden Jahr feiert der ASV sein 110-jähriges Bestehen. Das wahrlich nicht alltägliche Ereignis aus dem Jahr 1976 jährt sich dann zum 30. Mal.

"Wir wollen im kommenden Jahr beide Ereignisse gebührend würdigen", war vom Vorsitzenden Philipp Greiner zu erfahren. Als Probe aufs Exempel sollte ein Traditionsspiel zwischen der besagten "Dritten Mannschaft" und einem ASV-All-Star-Team dienen, das am vergangenen Wochenende auf dem Platz des ASV ausgetragen wurde.
"Klar, dass nicht mehr alle, die damals dabei waren, heute mitspielen", stellte Philipp Greiner fest, fügte aber hinzu, dass doch der eine oder andere Sohn der Protagonisten von damals die Fußballstiefel geschnürt habe.
Ziel ist es für den Vorsitzenden, dieses Traditionsspiel fest in den Terminkalender des ASV aufzunehmen.

Durchaus erfolgreich

Nicht unerwähnt ließ Greiner, dass die "Dritte Mannschaft" große Erfolge erzielen konnte. Von allein kam der Erfolg jedoch nicht. Dass das Projekt überhaupt umgesetzt werden konnte, ist Fernando Albertazzi, Enzo Albanese und Klaus Bauer zu verdanken. Klaus Bauer, der als Spieltrainer fungierte, erinnert sich, dass er der einzige Deutsche in dem 15-köpfigen Kader war. "Einmal in der Woche wurde trainiert, am Samstag ging es dann um Punkte", war von Klaus Bauer zu hören, der mit Wehmut an die Ereignisse zurückdenkt. "Es war eine tolle Zeit", betonte Bauer weiter. Enzo Albanese stellte klar: "Wir waren nicht die Holzer, einmal haben wir sogar einen Fairnesspokal erhalten."

An die Gründerzeit erinnert sich Albanese, der sich über Jahrzehnte für die sozialen Belange seiner italienischen Mitbürger einsetzt, gerne. "Es gab viele Stammtischmannschaften, bei denen Italiener spielten, aber das waren keine richtigen Mannschaften." So kam es, dass er bei seinen Landsleuten für die Idee einer italienischen Fußballmannschaft warb und seine Bemühungen auf fruchtbaren Boden fielen. Dass Enzo Albanese etwas Besonderes vollbracht hat, war am Wochenende auch auf dem Sportgelände des ASV zu spüren. Als Spieler von früher ihm zur Begrüßung die Hand gaben, wurde nicht nur der Respekt und die Anerkennung, die Enzo Albanese heute noch genießt, deutlich, es war auch eine gewisse Ehrfrucht zu spüren. So sah es auch Phillip Greiner, der von einem "Gänsehautfeeling" sprach.

Heilfroh, gleichgesinnte Landsleute zu treffen

Einer von den damaligen Aktiven ist Massimo Steffanizzi. Der aus Apulien stammende Fußballer, kam 1981 nach Neustadt. "Die deutsche Sprache habe ich nicht beherrscht, war auch bei meiner Tätigkeit nicht notwendig", erzählte Steffanizzi und fügte hinzu: Bei Sauer Plastik wurde ich an eine Maschine gestellt und dann ging es los." Er war dann heilfroh, dass er über einen Freund zum ASV kam und dort gleichgesinnte Landsleute traf. Dass das Traditionsspiel ins Leben gerufen wurde, ist für ihn eine tolle Sache. "Man trifft alte Freunde wieder", stellte er zufrieden fest. Genauso sieht es Ferdinando Gallella, der "Römer" kam 1985 nach Neustadt und fand bei Siecor Arbeit. "Es war schon toll, dass wir hier eine eigene Mannschaft hatten", unterstrich Gallella. Von Anfang an war Salvatore Laporta dabei. "Die Zeit möchte ich nicht missen", war von ihm zu hören. Bis ins Jahr 1994 bestand diese dritte Mannschaft. "Im Laufe der Zeit spielten dann immer mehr italienische Freunde in der ersten Mannschaft, so dass die Notwendigkeit einer ,Dritten Mannschaft‘ nicht mehr gegeben war", stellte der Vorsitzende fest.

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