Coburg
Info-Truck

Den Wert der Pflege anerkennen

Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände werben um Nachwuchs und für verbesserte Bedingungen in der Pflege. Die freilich werden Geld kosten - und die Gesellschaft muss bereit sein, es aufzubringen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Pflegerkräfte demonstrieren für eine bessere Pflege. Foto: Simone Bastian
Pflegerkräfte demonstrieren für eine bessere Pflege. Foto: Simone Bastian
+16 Bilder
Die Wertschätzung von Jonas Bilek ist den Pflegekräften also schon mal sicher. "Im Praktikum habe ich mitbekommen, was für ein harter Job die Pflege ist. Ich hab richtig Respekt vor den Leuten!" Der Schüler der 11. Klasse der Fachoberschule besuchte am Montag mit seinen Klassenkameraden den Pflegetruck am Marktplatz. Der Info-Truck will den Blick für die Bedeutung der Pflege schärfen - und das aus verschiedenen Perspektiven.

Die Wertschätzung für die Pflegekräfte und die Leistung, die sie bringen, ist das eine. Politischen Druck erzeugen, das andere. Denn die Pflege an sich müsse besser mit Personal und Geld ausgestattet werden, fordert Richard Reich, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes Coburg.
Caritas und Diakonie haben den Pflegetruck gemeinsam auf die Reise durch Bayern geschickt, bis einschließlich heute macht er Station auf dem Coburger Marktplatz.

Besucher können dort unter anderem erfahren, wie es sich anfühlt, alt zu sein: Die Beine sind schwer, die Knie und Ellenbogen steif, auf Brust und Schultern lastet ein Gewicht. "Hören und Sehen waren nur noch verschwommen, auf der Treppe war es schwierig, das Gleichgewicht zu halten", schildert Jonas Bilek seine Erfahrungen. Er war gestern einer der ersten, der den geriatrischen Testanzug, genannt "Gert", ausprobieren durfte. Thomas Wohlleben, selbst Altenpfleger bei der Caritas, assistierte beim Anziehen und begleitete Jonas Bilek dann durch den Infostand. "Ich fühle mich 60 Jahre jünger", scherzte der Schüler, nachdem er die Brille, die Gewichtsmanschetten und die Kopfhörer wieder abgelegt hatte.

"Unsere Pflegekräfte sind ein Leistungsfaktor, kein Kostenfaktor!" Richard Reich prangerte aber nicht nur die mangelnde Wertschätzung an, die Politik und Gesellschaft seiner Ansicht nach der Pflege entgegenbringen. Auch die Pflege selbst müsse reformiert werden - "sie darf nicht von der Menschenpflege zur Papierpflege gemacht werden". Auch Nicole Kolb, Altenpflegerin im Caritas-Seniorenheim St. Josef, kritisierte die Rahmenbedingungen: Die Mitarbeiter in den Einrichtungen wollen alten Menschen ein Zuhause geben, sagte sie. "Das wollen und tun wir auch, aber wir schaffen es nicht!" Zur Bürokratie geselle sich der Personalmangel - der Pflegeberuf gilt als nicht sehr attraktiv, auch wegen der damit verbundenen Belastungen. Dabei zahlen Organisationen wie die Caritas schon fast 990 Euro Gehalt im ersten Ausbildungsjahr.

Wie wichtig ein gutes pflegerisches Zuhause ist, unterstrich Hans-Joachim Kortstock, der lange in Ahorn wohnte und nun, als Witwer, in St. Josef lebt: "Wir sind dort eine Familie."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren