Coburg
Wohnmobile

"Dem Platz eine Chance geben!"

Bau-Bürgermeisterin Birgit Weber hörte sich an, welche Sorgen die Anwohner des künftigen Stellplatzes auf dem Aquaria-Gelände plagen.
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Grünflächenamtsleiter Bernhard Ledermann (vorn) erläuterte den Besuchern des Infoabends den Entwurf für den Stellplatz. Foto: Ulrike Nauer
Grünflächenamtsleiter Bernhard Ledermann (vorn) erläuterte den Besuchern des Infoabends den Entwurf für den Stellplatz. Foto: Ulrike Nauer
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Die SÜC und die Stadt Coburg wollen auf dem Gelände des Aquaria-Freibades einen Wohnmobilstellplatz für 24 Fahrzeuge anlegen. Ein Teil der Anwohner ist skeptisch, die Coburger Wohnmobilisten dagegen begeistert vom Entwurf. Bei einer Bürgerinformation am Donnerstagabend konnten Argumente ausgetauscht, aber auch das eine oder andere Missverständnis ausgeräumt werden.
Bau-Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) hatte zu dem Termin in das Grünflächenamt eingeladen. Zunächst erläuterte dessen Amtsleiter, Bernhard Ledermann, im gut besetzten Aufenthaltsraum noch einmal den Entwurf, dem Bau- und Finanzsenat bereits zugestimmt hatten.
In den Wortbeiträgen der Besucher wurde deutlich, wo die Sorgen liegen: Belastung durch Lärm, Licht und unangenehme Gerüche, die beispielsweise durch den zurückgelassenen Müll entstehen könnten. Bisher sei um 20 Uhr Badeschluss, bemerkte ein Anwohner, dessen Balkon am Badweg in Richtung Freibad beziehungsweise später in Richtung Wohnmobilstellplatz geht. "Nach Badeschluss wird's ruhig. Aber dann sitzen die Wohnmobilisten dort. Wie fühlt sich das dann für die Anwohner an?"
Ledermann stellte klar, dass es sich um einen "Service-Stellplatz" handle und nicht um einen Campingplatz, wo die Benutzer ständig Tische, Stühle und den Grill aufstellen würden. Solche Details seien dann auch in der Stellplatzordnung des Betreibers geregelt, betonte Ledermann. Zudem sei der ganze Platz von einer Hecke umgeben, die man - falls notwendig - auch etwas höher wachsen lassen könnte. "Die dünne Hecke hält doch nichts ab", fürchteten jedoch gleich mehrere Anwohner.
Eine direkte Nachbarin aus dem Hahnweg hatte vorab eine ganze Liste von Fragen an den Grünflächenamtschef geschickt. Ihre Sorge, die Beleuchtung des Platzes werde nachts in ihr Schlafzimmer scheinen, konnte Ledermann zumindest ausräumen. "Die Beleuchtung kann man mit der heutigen Technik so einstellen, dass sie niemanden stört", erklärte er. Eine Möglichkeit seien in diesem Fall halbhohe Leuchten, deren Licht nach unten gerichtet sei.


Einfahrt besteht bereits

Den Wunsch, die Einfahrt in die Mitte des Platzes oder in die Einmündung Rosenauer Straße/Badweg zu legen, können die Bauherren allerdings nicht erfüllen. Für den Stellplatz soll nämlich die bestehende Aquaria-Einfahrt ausgebaut werden, über die (auch weiterhin) die Betriebsgebäude im rückwärtigen Teil des Freibades zu erreichen sind. Diese könne man nicht verlegen, betonte Ledermann, versuchte aber gleichzeitig Bedenken zu zerstreuen: Die Wohnmobilfahrer stecken in der Einfahrt nur kurz die Parkkarte ins Schrankenhäuschen, halten sich dort also nicht lange auf.
Mehrfach äußerten Teilnehmer auch Kritik am Umgang mit dem Aquaria selbst. "Der Stellenwert des Freibades wird immer kleiner. Vorn wurde schon durch die neue Sauna Liegefläche weggenommen, nun hinten auch noch", hieß es. Da der Bolzplatz zu Gunsten des Wohnmobilplatzes wegfallen wird, gab es auch die Sorge, dass für spielende Kinder im Freibad bald kein Platz mehr sei.
Aquaria-Betriebsleiter Jörn Pakoßnick-Kirchner wies darauf hin, dass die 19 000 Quadratmeter Fläche, auf denen das Aquaria steht, für "Spitzenzeiten ausgelegt" gewesen sei. "Vor 30 Jahren hatten wir da 5000 bis 6000 Besucher am Tag. Heute kommen wir nur noch auf etwa 3000 Besucher. Deshalb haben wir Flächen übrig. Der Bolzplatz wird wenig genutzt und wir haben Alternativen."


Ordentliche Klientel

Neben den Anwohnern nahmen auch zahlreiche Coburger Wohnmobilisten die Gelegenheit wahr, sich zu informieren - aber auch, eine Lanze für Touristen zu brechen, die Coburg mit dem Wohnmobil besuchen wollen. "Wohnmobilfahrer sind in der Regel ordentliche Leute im gesetzteren Alter - so wie ich", sagte ein älterer Reisemobilfahrer schmunzelnd. Städtetouristen mit Wohnmobil gehörten schon allein wegen der hohen Kosten für ein solches Gefährt meist zur gehobenen Mittelschicht. "Die wollen kein Rambazamba machen ."
Eine andere Coburger Reisemobilfahrerin berichtete, sie höre unterwegs oft von Gleichgesinnten, dass diese gerne einmal nach Coburg kommen würden, es hier aber keinen geeigneten Stellplatz gebe. Die geplante Anlage sei ideal - auch, weil sie innenstadtnah liege. Denn an den Stadtrand, wie ein Anwohner vorgeschlagen hatte, werde man wegen der fehlenden Infrastruktur kaum einen Wohnmobilreisenden locken.
Bürgermeisterin Weber bat darum, dem Entwurf, der doch auf einer demokratischen Entscheidung beruhe, eine Chance zu geben. Sie lud zur Bausenatssitzung am 15. Februar (8 Uhr im Ämtergebäude) ein, wo es erneut um den Wohnmobilstellplatz gehen werde.


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