Muggenbach
Natur

Das Wunder der Muggenbacher Tongruben

Reststoffdeponie sollten sie werden, ein europaweit geschätztes Naturschutzgebiet sind sie geworden: die Tongruben bei Muggenbach (Landkreis Coburg).
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Der "Star"der Muggenbacher Tongruben: die Gelbbauchunke. Foto: Stephan Neumann
Der "Star"der Muggenbacher Tongruben: die Gelbbauchunke. Foto: Stephan Neumann
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Hendrik Dressel kann sich noch genau an diesen Tag erinnern, schließlich ist er im Rückblick "eine Sternstunde meiner Zeit als Bürgermeister": Am 1. Mai 2000 sind die Muggenbacher Tongruben unter Naturschutz gestellt worden. Jetzt hat der Wandel der Tongruben von der geplanten Reststoffdeponie zum europaweit bedeutenden Schutzgebiet ein Ende gefunden. Die Regierung von Oberfranken hat den Managementplan für die Tongruben als "Natura 2000-Gebiet" fertig gestellt und an Landrat Michael Busch (SPD) sowie zahlreiche weitere Akteure aus dem Naturschutz in der Region überreicht.
Die Qualität ist es, die bei der nur 28 Hektar großen Schutzfläche der Tongruben heraus sticht. Das betonte Herbert Rebhan, Sachgebietsleiter Naturschutz bei der Regierung, und zählte die bedeutenden Tier- und Pflanzenarten auf, die dort leben: das Mittlere Wintergrün als Pflanze, die Heidelerche und natürlich die Gelbbauchunke. Mit der Amphibie sind die Muggenbacher Tongruben, in die einst Reststoffe aus der Müllverbrennung gebracht werden sollten, auf einen Schlag bekannt geworden. Stephan Neumann, Biologe bei der Regierung, berichtete: "Wir können im Umfeld mit bis zu 1000 Exemplaren rechnen." Damit gebe es in den Tümpeln auf den Gemarkungen Lechenroth und Gemünda das größte Gelbbauchunken-Vorkommen in ganz Oberfranken.


Mandery: Achtung, Deckung!

"Heiße Diskussionen", daran erinnerte sich Landrat Michael Busch (SPD) noch gut, gab es um die Tongruben in den 90-er Jahren. Denn Hendrik Dressel (damals Seßlacher Bürgermeister) und seine Mitstreiter mussten bei der Regierung erst Überzeugungsarbeit leisten. Eine wichtige Rolle spielte dabei Klaus Mandery. Der kennt sich mit der Tier- und Pflanzenwelt aus und erstellte das für den Schutzstatus entscheidende Gutachten. Dies geschah unter schwierigen Bedingungen, erinnerte sich Mandery gestern bei der Übergabe der Management-Pläne im Cafe "Mohnbiene" der Familie Jöchner: "Wenn Bauern oder Jäger vorbei kamen, musste ich mich in Kuhlen am Boden verstecken." Aber die Arbeit habe sich in jeder Hinsicht gelohnt, freute sich Mandery. "Hier sieht man, dass man im Naturschutz Erfolge feiern kann", sagte" der engagierte Naturschützer.
Da stimmte ihm auch der Landrat zu. Ein "wichtiger und guter Schritt" sei es gewesen, die Tongruben unter strengen Schutz zu stellen. Seitens des Landratsamtes werde man nun mit dem Managementplan alles versuchen, um den Zustand der Flächen zu verhalten und vielleicht sogar zu verbessern. Wie Frank Reißenweber, fachlicher Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes, erklärte, liegen die Tongruben im Kerngebiet des Naturschutz-Großprojektes "Grünes Band". Das heißt: Dort können Maßnahmen auch über Bundesmittel finanziert werden." Die regelmäßigen Pflegearbeiten werden schon seit Jahren über den Coburger Landschaftspflegeverband abgewickelt. Und das muss auch die bleiben, sagte Herbert Rebhan und erklärte, dass die Tongruben auf keinen Fall zuwachsen oder verbuschen dürfen: "Diese Flächen sind und bleiben ein Pflegefall."
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