Regine Bartsch lächelt traurig. "Die Trennung fällt uns unendlich schwer." Nach zehn Jahren kommt im September das Aus für das Sea-Star-Aquarium im Stadtteil Neuses. "Vier Dorn-Welse haben wir nach Nürnberg an die ,Lagune' im Nürnberger Tiergarten verkauft." Auch zwei Pacus (Mühlsteinsalmler) und ein paar andere Bewohner des Sea Star werden die Nürnberger übernehmen. "Die Seepferdchen gehen nach Wien und für unsere Haie haben wir auch schon Abnehmer." Regine Bartsch kräuselt die Stirn und lächelt wieder. Der Geschäftsführerin des Aquariums fällt es sichtlich schwer, über das Ende eines Traums zu reden.
Sie liebt die Tiere, für die sie und ihre Tochter Verena seit einiger Zeit allein die Verantwortung tragen. Sie weiß, dass die Rochen-Dame Noah besonders verfressen ist, dass der kleine Krake, der noch keinen Namen hat, ganz schön raffiniert ist und dass mit der Muräne nicht zu spaßen ist, weil sie schlecht sieht und nach allem schnappt, was für sie nach Futter riecht. Trotzdem muss sie sich von ihnen trennen. "Wir schaffen es finanziell nicht mehr." Das Sea-Star-Aquarium hat einen riesigen Energiebedarf. Die Pumpen, Lampen und Heizungen verbrauchen 100 000 Kilowattstunden im Jahr. In die Wasserbecken fließen zwischen 30 und 130 000 Liter Wasser. "Für Strom, Gas und Wasser zahlen wir jährlich rund 36 000 Euro. Da sind Personalkosten und Miete nicht eingerechnet", sagt Regine Bartsch. Und nur über den Eintritt könne eine solche Einrichtung nicht finanziert werden.
Als Peter Faltermeier, der spätere zoologische Leiter, im Jahr 2001 das Sea-Star-Aquarium einrichtete, war es zunächst als Eingewöhnungs- und Zuchtstation gedacht. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Tierfang für wissenschaftliche Einrichtungen, Zoos und öffentliche Aquarien. Doch das Interesse, aber auch die Unwissenheit der Besucher waren groß, so dass Peter Faltermeier und die frühere Geschäftsführerin, Elfi Kummer, beschlossen, ein Schau- und Lehr-Aquarium einzurichten. Und das Konzept ging auf. Die Einrichtung hat inzwischen eine feste Fangemeinde, Schulklassen und Familien sind immer wieder zu Gast. Es gab besondere Aktionen im Haus. Aber es blieb auch weiterhin Quarantäne-Station, Peter Faltermeier und in den zurückliegenden Jahren auch die heute 23-jährige Verena übernahmen die Tiertransporte. Doch dann wurde der zoologische Leiter krank, musste operiert werden und kann seither keine schwierigen Arbeiten mehr erledigen, auch keine Tiertransporte mehr fahren. "Verena allein schafft das nicht. Es müssen mindestens zwei geschulte Leute die Transporte begleiten." Wo sich früher einmal vier Mitarbeiter um das Wohl der Tiere und den Erhalt der Einrichtung kümmerten, sind heute nur noch Regine und Verena Bartsch übrig. "Eigentlich stemmt meine Tochter das Ganze allein. Das geht auf die Dauer nicht."
Vor ein paar Jahren wurde schon einmal über die Schließung oder die Verlagerung des Sea-Star-Aquariums nach Bad Staffelstein gesprochen worden. "Das hat sich damals zerschlagen, weil die Banken nicht mitgespielt haben." Und dann gab es auch wieder große Pläne. 2010 entstand eine neue Schauanlage, eine Art Amazonas in Kleinformat. Welse, Barsche, Zitteraale und Piranhas fanden dort ein neues Zuhause. Sogenannte Adventure-Tours wurden angeboten und das Sea Star entwickelte sich zu einer der größten Zuchteinrichtungen für Haie aller Art: Bambus-, Katzen- oder Weißspitzenriffhaie. Viele wilderte Peter Faltermeier aus, unter anderem in den Gewässern vor der Insel Elba. Im März des vergangenen Jahres machte sich der zoologische Leiter des Aquariums auf den Weg an die Küste Ägyptens, um dort Korallenriffe mit einem Spezialkleber zu kitten und wieder aufzuforsten. "Wir haben in unserer Arbeit immer auch einen ökologischen Auftrag gesehen", sagt Regine Bartsch. Doch all das ist Vergangenheit. Am 12. September schließen die Türen des Sea-Star-Aquariums für immer. "Es tut mir so leid, wenn ich an die strahlenden Augen der Kinder denke", gesteht die Noch-Geschäftsführerin ein. Und sie hofft, dass alle Tiere in gute Hände kommen und dass sie es bis zum Jahresende schafft, das Gebäude zu räumen. Wer sich für Becken, Technik und Tiere interessiert, kann sich bei Regine Bartsch unter der Telefonnummer 09561/799802
oder unter info@sea-star.de
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