Fechheim
Gemeindefest

"Das Leben ist eine Baustelle"

Die evangelische Kirchengemeinde Fechheim feierte in der Kirchenscheune. Die Michaelskirche ist seit drei Jahren wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die kleine Mira ließ sich von Sabine (links) zeigen, was für schöne Sachen aus buntem Papier gebastelt werden können Foto: Manja von Nida
Die kleine Mira ließ sich von Sabine (links) zeigen, was für schöne Sachen aus buntem Papier gebastelt werden können Foto: Manja von Nida
+24 Bilder
Die große Pfarrfamilie der evangelischen Kirchengemeinde (KG) Fechheim, bestehend aus 14 Ortschaften, feierte am Sonntag in familiärer Atmosphäre ihr Gemeindefest. "Das Leben ist eine Baustelle", ein treffendes Gemeindefestmotto heuer: Nicht nur das Leben ist es, die Fechheimer Michaelskirche auch. Weil seit fast drei Jahren wegen Sanierungsmaßnahmen die Kirchentüren verschlossen sind, besitzt die KG eine ganz besondere Alternative zum Gotteshaus: ihre urige Kirchenscheune, wo sich der Kirchenchor einstimmte.


Gemütlich auf der Bierbank

Beim Familiengottesdienst wurde dort das Gemeindefest eingeleitet. Gemütlich an den Bierzeltgarnituren sitzend, glich der Gottesdienst gleich zu Beginn einem großen Familienfest in vertrauter Gemeinschaft.
"Wir feiern im Namen Gottes Gottesdienst, der uns in seinem Haus Geborgenheit und Sicherheit schenkt, der uns im Namen Jesu die Türen öffnet, wo wir zu Hause sind", sagte Lektorin Anneliese Mann. Manchen würden diese Veränderungen - nicht im vertrauten Gotteshaus"seiner Kirche" zu sein - etwas weh tun. Und von dieser Baustelle war auch niemand begeistert. Das vertraute Gotteshaus mit seiner Stille fehlte einfach allen, und der Gemeindepfarrer auch. Nach dem Tod von Pfarrrer Loris betreut Pfarrer i. R. Horst Seeger derzeit die KG.

Als eines Tages die Kirchendecke zu bröseln anfing und die ersten "Trümmer" zudem gleich die Messnerin beim Verlassen der Kirche an der Schulter verletzten, musste sofort gehandelt werden, berichtete Kirchenvorsteher Martin Truckenbrodt. Ganz nebenbei erlaubte Truckenbrodt einen kleinen Blick ins Kircheninnere. Traurig und verlassen schaute es darin aus. Die barocke Kanzel, die wundervolle Orgel, alles sorgsam umhüllt. Stützbalken tragen die Emporen und Deckenfläche, überall. Die Heiligenbilder an den Emporen wirken so fremd wie auch die Fresken. "Es muss dringend saniert werden. Risse am Mauerwerk, außen und viel mehr innen und der Putz fällt auch von von der Decke. Stützpfeiler und Balken verhindern das Schlimmste", so Truckenbrodt.


"Angefüllt mit den Gebeten der Jahrhunderte"

"Die Kirche ist nicht irgendein Bau. Dieses Gebäude ist angefüllt mit den Gebeten der Jahrhunderte", schreibt Vakanz-Pfarrer Seeger im aktuellen Gemeindebrief. Wie sehr die Gemeinde seit nunmehr drei Jahren leiden würde, in dieser Kirche nicht beten, nicht feiern oder auch nicht trauern zu können, das mache etwas spürbar von den Jahrhunderten der Gebete, die dieses geistliche Gebäude zum Zentrum seiner 14 Dörfer mache, so Pfarrer Seeger. Diese Kirche nur irgendwie herzurichten, dies wäre eine Missachtung des Glaubens all der Generationen. "Es ist der Respekt vor dieser Geschichte, der uns auffordert, sehr sorgsam den besten Weg für die Sanierung zu finden. Wir würden viel für uns selbst verlieren, wenn wir es an diesem Respekt missen lassen", teilte der Pfarrer mit. Er sei sehr froh, dass technische und historische Fachleute einen gangbaren und sorgsamen Weg gefunden hätten. Im Spätsommer sollen die Arbeiten beginnen.


Jesus als fester Fels

Auch das Leben gleiche einer Baustelle von Renovierungen, Einrichtungen, Anbauten, Einreißen tragender Wände oder Neuorientierung. Ein Haus auf einem stabilen Fundament erbaut, gebe den Halt in dem Zuhause, wo man sich geborgen und beschützt fühlen könne. Die Bergpredigt erinnerte daran, ein Haus sollte auf Fels statt auf Sand gebaut werden. Bei diesem lebendigen Gottesdienst bauten die Kinder und die Jugend am Scheunen-Altar zum Vergleich aus Legosteinen und Schaumstoff ein stabiles und ein windiges Haus, was dann einem Sturm und Wasser nicht standhalten konnte. Der Glaube an Jesus gebe dem Leben den Halt. "Jesus ist der feste Felsen für unser Haus. Das Fundament dazu müssen wir allerdings selbst bauen. Gottes Haus, sein Bauwerk ist die Gemeinde. Sie hat viele Steine. Seid lebendige Steine und wer auf Jesus baut, ist nie allein. Gott hat uns eingeladen, Hausgenossen und Mitbewohner zu sein", so die Lektorin. Jeder müsse darauf achten, sorgfältig zu arbeiten. An Gebäuden geschehe das in vielfältige Bauweise, am christlichen Glauben ebenso. Am Ende stehe immer die Bauabnahme, auch bei uns.

Mit Gottes Segen gestärkt, durfte dann gefeiert werden. Der Posaunenchor, unter bewährter Leitung von Wolfgang Zarske, stimmte auf den Frühschoppen ein. Draußen duftete es verräterisch nach Gegrilltem, in der Kirchenscheune hatten sich nahezu alle Festbesucher erstaunlich viel zu erzählen, trafen viele Bekannte, ließen das Kuchenbuffet nicht aus den Augen und wagten nur zum Grill den Schritt durch die Hitze. Selbst die Hüpfburg als Schiff konnte kaum kleine Passagiere auf ihre wackelige Seereise gewinnen. Diese "See" war gut warm. Am FEMA-Stand tauschten FEMA-Mama Heidrun Mücke und ihr FEMA-Team Tombola-Lose gegen schöne Preise, die großzügige Sponsoren für die afrikanische Partnergemeinde Matamba/Tansania aus vollem Herzen lieferten. Im Schatten draußen durfte mit dem Kindergottesdienst-Team gebastelt werden. Diese verzauberten zudem Kindergesichter in wahre Kunstwerke. Während die Senioren-Gymnastikgruppe ihre Fitness beim Sitztanz auf der Bühne präsentierte, fühlte sich die Jugend mehr zur Bar hingezogen. Julian und Julia als Barkeeper boten den Cocktail des Tages: Milkshakes und Eis. In einem Beamervortrag informierte Truckenbrodt kurz über die Arbeiten der Kirchensanierung, die 1,4 Millionen Euro kosten soll, davon sollen ungefähr 65 000 Euro von der KG getragen.


Das meinen Besucher zum Zustand der Kirche:
Margit Wittmann, Birkig:
"Es ist ein trauriger Zustand, dass unsere schöne Kirche geschlossen ist. Wir haben ja noch das Gemeindehaus. Dort findet der Sonntagsgottesdienst im Wechsel mit dem Fürther Gemeindehaus statt. Ein Gottesdienst ist ja überall schön, aber ich finde, Kirche ist doch Kirche, schon allein wegen der ganzen Atmosphäre. Ich singe im Kirchenchor. Wir als Chor würden so gern mal wieder in der Kirche singen. Allein schon die ganze Akustik ist in der Kirche eine ganz andere, die es in der Kirchenscheune nicht gibt".

Klaus Leustenring, Fechheim:
"Ich bin erst seit Oktober wieder zurückgezogen, denn ich war 40 Jahre unterwegs, habe aber Fechheim immer an vielen Wochenenden besucht. Hier bin ich geboren, in dieser Kirche getauft, konfirmiert und getraut worden. Ja, schade, dass meine Kirche zu ist. Das letzte Mal war ich in unserer Michaeliskirche zum Trauergottesdienst vom Seniorchef der Firma Gehrlicher aus Fürth am Berg. Von dem Tag an war die Kirche zu".


Regina Grossmann, Aicha: "Unsere Kirche ist doch schon ein älteres Gebäude. Da muss die Sanierung sehr sorgfältig geplant sein. Bis das alles in die Gänge kommt, das dauert und zieht sich halt doch in die Länge. Die Messnerin ist ja von einem herabfallenden Teil an der Schulter verletzt worden, als sie nach einem Gottesdienst die Kirche abschließen wollte. Das war vielleicht wie ein Zeichen von oben, mit ganz vielen Schutzengeln. Wenn das beim Gottesdienst passiert wäre, wer weiß". mn
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren