Gleußen
Motorroller

Das Blech ist heiß!

2012 waren die Männer dran, der Kalender für 2013 zeigt mutige Mädels auf ihren Maschinen. Für "Miss September" funktionierte Andrea Jahn die Coburger Feuerwache zum Fotostudio um.
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Mit männlichen Models zu arbeiten ist irgendwie leichter. Andrea Jahn lacht. Bei ihren Mädels, die sich für den neuen Roller-Kalender "Heißes Blech" ablichten lassen, grassiert kurz vor dem Foto-Termin immer das Lampenfieber. "Ich bin so blass", "Nassspritzen lass' ich mich fei net!" "Fotografier' mich bitte so, dass ich kein Doppelkinn habe!" - Andrea Jahn hört sich solche Befürchtungen ganz cool an und organisiert - wenn's sein muss - auch schnell mal noch ein Ersatz-Model. "Sicher ist sicher."

Donnerstagnachmittag - Fotoshooting bei der Coburger Feuerwehr. Gepaart mit dem Kalender-Titel "Heißes Blech" mag das die männliche Fantasie anregen, aber Tanja Marr, das Model für den September, bleibt hübsch angezogen. Schließlich soll es kein Pin-up- sondern ein Roller-Kalender werden.

Apropos, hübsch angezogen - mit ihrem blonden Pferdeschwanz, dem schwarz-weißen Tupfen-Kleid und den roten Keil-Peeptoes samt Gürtel, passend zur feuerroten Vespa, ist Tanja ein absoluter Fifties-Traum. Andrea Jahn strahlt vor Begeisterung. Genauso hatte sie sich das vorgestellt.

Die Vespa hat Horst Reschka von der Interessengemeinschaft Franken mitgebracht. "Eine PX 200, Baujahr '83", berichtet er stolz. "Die war früher bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft in der Boxengasse im Einsatz. Deswegen hat sie auch eine Feuerwehrfanfare." Passt - schließlich steht das knallrote Gefährt schräg vor den aufgereihten Feuerwehrautos. Model Tanja hat als Vespa-Fan natürlich auch selbst zwei Roller. In Hellblau und Schwarz hätten sie aber nicht so gut zu den Feuerwehrautos gepasst.

Die 29-Jährige bekommt von Andrea Jahn letzte Instruktionen. "Bleib locker! Spiel' einfach mit dem Roller. Zieh mal einen Schuh aus und lass ihn vom Lenker baumeln..." Zu viele Anweisungen will die Fotografin gar nicht geben, sie setzt auf die Spontanität ihres Models. Doch Tanja kämpft noch ein wenig mit der Nervosität. Schließlich ist nicht nur Andrea Jahns Kamera auf sie gerichtet. Auch die Presse und das Fernsehen sind da. Der Bayerische Rundfunk dreht sogar einen Beitrag über den Roller-Kalender.

Tanja zieht noch einmal den roten Lippenstift nach, dann geht's richtig los. Die 29-Jährige probiert verschiedene Posen aus: im Stehen zwischen Feuerwehrauto und Roller, im Sitzen auf der Vespa mit ausgestreckten Beinen, mit verschränkten Armen aufgestützt auf die rote Leder-Sitzbank... "Schau mal neckisch!", ruft ihr Andrea Jahn zu, die sich auf der Suche nach dem optimalen Kamera-Blickwinkel auch schon mal auf den Boden wirft. "Nimm die Schultern ein bisschen zurück...", "Jetzt darfst Du nochmal richtig stolz schauen..." - die Anweisungen der Fotografin werden genauer. Nach einer Viertelstunde hat sie schon einen ganzen Schwung Fotos im Kasten. "Da ist garantiert was dabei", freut sie sich.

Nervosität verflogen


Positionswechsel. Die Jungs von der Coburger Feuerwehr, die dem Treiben amüsiert zuschauen, darunter auch Stadtbrandrat Ingolf Stökl, fahren eines der Autos vors Depot. Der knallrote Roller wird vor dem Fahrzeug zurechtgerückt. Weiter geht's. Tanjas Nervosität ist verflogen. Nach eineinhalb Stunden sind 220 Fotos im Kasten und Andrea Jahn hat nun die Qual der Wahl, welches Foto das schönste ist. "Ich glaub', ich spiel' einfach Roulette", stöhnt sie und lacht.

Wer die 50-jährige Gleußenerin kennt, weiß, dass manchmal schon ein Stichwort genügt, und aus einer Schnapsidee wächst in Windeseile ein Großprojekt heran. Ähnlich war es mit dem Vorgänger von "Heißes Blech". Für das Jahr 2012 hatte Andrea Jahn zwölf Männer vor die Kamera geholt - mit ihren Vespas versteht sich. "Männer & Blech" wurde der erklärten Vespa-Liebhaberin regelrecht aus der Hand gerissen und das hat wohl niemanden mehr überrascht, als Andrea Jahn selbst.

Schon beim Fotoshooting für den Erstling schlug ihre Kreativität Purzelbäume. Warum beim nächsten Mal nicht nur Frauen ablichten? Gesagt, getan. Seit einigen Wochen ist Andrea Jahn, die aus dem Marketing-Bereich kommt, damit beschäftigt, passende "Locations", attraktive Models und Maschinen zu finden. Die Motive hat sie schon länger im Kopf, aber für spontane Änderungen ist die 50-Jährige immer zu haben.

Über 100 Vorbestellungen


Man darf getrost darauf wetten, dass auch dieser Kalender weggehen wird wie warme Semmeln. 500 Stück hat Andrea Jahn für die Erstauflage angepeilt. Ob die reichen werden, ist fraglich, denn dem Kalender eilt sein Ruf offenbar schon voraus - Jahn: "Wir haben schon über 100 Vorbestellungen - obwohl noch keiner ein Bild gesehen hat."

Und mit frechem Grinsen verrät sie dann doch noch ein kleines Geheimnis: Es wird tatsächlich ein Wet-T-shirt-Foto geben. "Schließlich müssen schmutzige Vespas auch mal in die Waschstraße..."
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