Coburg
Rückzug

Das Aus für Spitzen-Volleyball in Coburg

Der Versuch, nach der Insolvenz der VSG Coburg/Grub mit den GreenEnergyVolleys in der 2. Bundesliga zu starten, ist gescheitert.
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Nicht nur er schaut künftig in die Röhre wenn es um Spitzen-Volleyball in Coburg geht. Ein Bundesliga-Team wird es vorerst in der Vestestadt nicht mehr geben.  Foto: CT-Archiv
Nicht nur er schaut künftig in die Röhre wenn es um Spitzen-Volleyball in Coburg geht. Ein Bundesliga-Team wird es vorerst in der Vestestadt nicht mehr geben. Foto: CT-Archiv
"Wir waren so nah dran. Wir hätten es fast geschafft. Es tut enorm weh, diese Entscheidung zu verkünden". Aus der Stimme von Volker Jeziorski klingt Wehmut. Aber auch Entschlossenheit und volle Überzeugung: "Es hätte keinen Sinn gemacht".

Aufgrund von bestehenden Restrisiken haben der bisherige Geschäftsführer der GreenEnergyVolleys und Teammanager Michael Dehler in Absprache mit den Gesellschaftern am Mittwochabend beschlossen die Reißleine zu ziehen. Der Spielbetrieb in der 2. Volleyball-Bundesliga wird nicht wie geplant aufgenommen. Der Lizenzantrag bei der Volleyball-Bundesliga (VBL) zurückgezogen.

"Der patriotische Versuch für den Volleyball ist hier zu Ende. Der Spitzensport Volleyball ist für Coburg tot", bringt es Jeziorski kurz und bündig auf den Punkt.

Nach eigenen Angaben wollte er sein Amt als Geschäftsführer nicht weiter ausüben, wenn festgelegte Grenzen und Vorgehen unsolide überspringen werden müssen. Das Ergebnis könne sich zwar sehen lassen, doch für das Unternehmen 2. Bundesliga habe es letztlich nicht gereicht. Im Klartext: Das Geld reicht nicht aus, eine schlagkräftige Mannschaft steht qualitativ und quantitativ auf wackligen Füßen. Und es fehlt an Man-Power, an qualifizierten Mitstreitern. Wie bereits berichtet haben etwa 30000 Euro gefehlt.


Der Boden auf dem die Funktionäre agieren mussten, sei schwierig gewesen und einige Zeitgenossen hätten ihnen auch das Leben zusätzlich schwer gemacht. Fehlendes Verständnis sowie unzureichende wirtschaftliche Unterstützung würden diese wichtige Entscheidung nicht einfach machen. Der Rückzug vor dem 1. Juli hat zur Folge, dass die Coburger Turnerschaft eine Strafe von rund 8000 Euro an die VBL bezahlen muss. Schon die Strafgelder aus der Vergangenheit haben in der Vereinskasse erhebliche Löcher gerissen, doch Jeziorski ist zuversichtlich, dass dem Klub hier unter die Arme gegriffen wird.


Unehrlichkeit und Scheinheiligkeit

Traurig mache Jeziorski das Verhalten von einigen wirtschaftlich und politisch Handelnden. Man könne natürlich niemanden sein Verhalten im Sponsoring vorwerfen, aber Unehrlichkeit, Scheinheiligkeit und mangelndes gesellschaftliches Engagement haben nach Überzeugung des Geschäftsführers nichts in einer verantwortlichen Geschäftswelt verloren.

Nur durch das Engagement und dem persönlichen Einsatz einiger Enthusiasten wurde mit einem finanziellen Risiko mit der Gründung der GreenEnergyVolleys Gmbh eine Möglichkeit geschaffen, die letzte Chance für den Volleyballsport im Spitzensport für die Region Coburg wahrzunehmen. Dafür sei aber die Zeit - nur zwei Monate - einfach zu knapp gewesen: "Wir haben viel erreicht in diesen acht Wochen. Es konnten auch weggefallene Sponsoren aufgefangen und kompensiert werden. Aber am Ende reicht es einfach nicht".


Jugend bei der Turnerschaft

Die bestehenden Jugendmannschaften finden eine neue Heimat bei der Coburger Turnerschaft. Dort fangen Jungs und Mädchen bei Null an. Geplant ist ein Neuaufbau einer Volleyballabteilung.



Der Kommentar
von Christoph Böger
Niederschmetternd für die Sportstadt Coburg

Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende! Die Entscheidung ist unpopulär, aber sie ist richtig. Die GreenEnergyVolleys geben auf, starten nicht mit einem neuen Team in der 2. Volleyball-Bundesliga. Die beantragte und auch erteilte Lizenz der Coburger Turnerschaft wird ersatzlos zurückgegeben.
Das Risiko, erneut baden zu gehen, war zu groß. Geld stand zur Verfügung. Rund 180000 Euro wurden nach den Worten von GmbH-Geschäftsführer Volker Jeziorski in kürzester Zeit akquiriert - eine stolze Summe. Ein Fußballverein spielt damit in der Bayernliga.
Für Zweitliga-Volleyball war das Budget zu knapp. Apropos Fußball: Es gibt Vereine, die nach einer Insolvenz auch lieber einen Schlussstrich gezogen hätten, anstatt einen Neuanfang zu wagen, um dann erneut Schiffbruch zu erleiden.
Aber zurück zum Volleyball: Nicht nur wegen fehlender Euros scheuten die Verantwortlichen das Abenteuer. Die bittere Erkenntnis, dass Volleyball in und um Coburg längst Out ist und nur noch ein gewisses Klientel hinter dem Ofen vorlockt, führte zur Kapitulation. Die Zuschauerzahlen gingen rapide zurück. Sahen das Eröffnungsspiel der VSG Coburg/Grub in der 1. Bundesliga vor drei Jahren noch weit über 2000 Fans in der Arena, so verloren sich zuletzt noch knapp 500 Enthusiasten bei Heimspielen im Coburger Sporttempel. Und das obwohl auf höchstem nationalen Niveau geschmettert wurde. Die besten deutschen Spieler und internationale Hochkaräter waren zu Gast - interessiert hat's wenige.
Eine Mannschaftssportart ohne Körpereinsatz und immer nach dem gleichen, für viele langweiligen Schema, setzt sich in der Handball-Hochburg Coburg nicht durch. Bei aller Athletik und Power, die dieser Sport eindrucksvoll zu bieten hat, und trotz zu erwartender Prestigeduelle in der 2. Liga - Spitzen-Volleyball hat in der Vestestadt keine Zukunft.
Schuld an der Misere haben aber auch die Macher selbst. Die handelnden Personen verstrickten sich in den letzten Jahren zu oft in Grabenkämpfen. Dadurch blieb viel Energie auf der Strecke und Vertrauen ging verloren - nicht nur bei Fans, auch bei Sponsoren.
Anstatt Kräfte zu bündeln und persönliche Eitelkeiten hinten anzustellen, um Volleyball gemeinsam voranzubringen, kam es intern regelmäßig zu unüberbrückbaren Differenzen. Reihenweise sprangen Funktionäre ab. Pillmann, Köhler, Heumann, Spiller - um nur einige zu nennen. Hinter den Kulissen rumorte es.
Jetzt ist Schluss. "Grün" hat ausgeschmettert - die Ampel steht auf Rot. Das ist niederschmetternd, denn die Sportstadt Coburg ist ab sofort um eine Attraktion ärmer.
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