Vor dem Coburger Rathaus liegt ein riesiges Banner, darauf sind mit Symbolen und in kurzen Sätzen die Grundrechte aufgedruckt. Drum herum stehen engagierte Mitarbeiter der Stadt Coburg, des Kinderschutzbunds, der Diakonie, der Caritas und anderer Behörden, die die Aktion "Zusammenleben in Coburg - so gelingt ein gutes Miteinander" unterstützen.
"Wir suchen noch einen Platz zum Aufhängen", erklärt Marianne Morchel, die Vorsitzende des AK "Keine sexuelle Gewalt". Am liebsten hätte sie es direkt am Balkon des Rathauses aufgehängt, doch das war leider nicht möglich.
Der Arbeitskreis hat sich in seinem neusten Projekt der Flüchtlingsthematik angenommen und will mit der Aktion zeigen "dass sexuelle Gewalt und Gewalt in allen Facetten bei uns und in den Unterkünften nicht toleriert wird", schreibt Marianne Morchel.


Acht verschiedene Sprachen

Denn jeder Deutscher und jeder Ausländer hat die auf den Plakaten abgebildeten Rechte. Zum Teil suchen auch Flüchtlingsfrauen in den Frauenhäusern Zuflucht, berichtet Andrea Guhlich von der kommunalen Jugendarbeit der Stadt Coburg. Dabei gab es auch von vielen Seiten finanzielle Unterstützung: Das Diakonische Werk Coburg, die Sparkasse Coburg-Lichtenfels, aber auch Einzelspender und weitere Partner stellten insgesamt rund 3000 Euro zur Verfügung. Davon wurden eine Menge an Plakaten in verschiedenen Größen und Postkarten gedruckt, Informationsmappen erstellt und auch das vier Meter lange Banner hergestellt.
Diese werden kostenlos zur Verfügung gestellt und in Schulen, Behörden, Anwaltskanzleien und Flüchtlingsunterkünften ausgehängt. "Die Flüchtlinge sollen das Plakat jeden Tag vor Augen haben", betont die Vorsitzende des Arbeitskreises. Bei den Postkarten gibt es eine Besonderheit: Sie sind nicht nur auf Deutsch, sondern auch in sieben anderen Sprachen verfasst, darunter auch Türkisch, Arabisch und die beiden afghanischen Sprachen Dari und Darsi.
Übersetzt wurden die vereinfachten Grundrechte von hier lebenden Migrantinnen aus verschiedenen Flüchtlingsunterkünften, berichtet Andrea Guhlich vom AK. Doch bevor die Plakatbeschriftung übersetzt werden konnte, musste sie zuerst auf Deutsch formuliert werden. Dabei bekam der Arbeitskreis Unterstützung von einer aus der Ukraine geflüchteten Frau, die in ihrem Heimatland unter anderem Germanistik studiert hatte. Gedruckt wurden die Plakate und Karten von der Coburger Werbeagentur contactdesign. Deren Geschäftsführer Rainer Brabec hatte für das Projekt sogar einen kurzen "Erklärfilm" gedreht, den man auch der Website von contactdesign finden kann.


56 Unterkünfte

Auch der 3. Bürgermeister Thomas Nowak war bei der Vorstellung des Projekts dabei und bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern: "Wenn nachts ein Bus mit Flüchtlingen in der BGS-Halle ankam, waren immer ehrenamtliche Helfer zur Stelle", lobt der Bürgermeister. "Nur so konnte alles bewältigt werden."
Er sieht es kritisch, dass zur Zeit keine Flüchtlinge in Coburg ankommen, da das die in Zukunft ankommende Zahl an Schutz suchenden unberechenbar mache. "Die EU muss insgesamt Verantwortung übernehmen", meint er.
Weiterhin berichtet er, dass es zur Zeit 56 Flüchtlingsunterkünfte in Coburg gibt, die alle dezentral gelegen sind. In Allen soll ein Plakat des Arbeitskreises aufgehängt werden.



Arbeitskreis "Keine sexuelle Gewalt"

Bestehen Der Arbeitskreis "Keine sexuelle Gewalt - Unterstützung für Frauen, Jugendliche und Kinder" wurde vor über 25 Jahren gegründet. Seit damals sind sehr viele Projekte entstanden.

Präventionstheater Seit 2002 wird das selbstgeschriebene Puppenstück "Die Katzen und Mrs. Murr" in verschiedenen Grundschulen aufgeführt.

Runder Tisch Hier tauscht sich der AK unter anderem mit Frauenhäusern, Therapeuten, Hebammen, dem Kinderschutzbund und anderen Institutionen aus und entwickelt gemeinsam Projekte.

Termine Weitere Informationen über Aktionen und aktuelle Termine können im Internet unter keine-sexuelle-gewalt.de gefunden werden.