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Coburg
Streit

DSZ-Projekt in Coburg: Anwohner protestieren

Die Bürgerinitiative, die von Stadträten unterstützt wird, befürchtet durch die geplante Bebauung eine "Zerstörung des Viertels".
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Zahlreiche Anwohner waren zum Infotreffen der "Bürgerinitiative Leopoldstraße" gekommen. In dieser engagieren sich auch die Stadträte Wolf-Rüdiger Benzel (links am Transparent) und Mathias Zimmer (hinter dem Transparent). Foto: Oliver Schmidt
Zahlreiche Anwohner waren zum Infotreffen der "Bürgerinitiative Leopoldstraße" gekommen. In dieser engagieren sich auch die Stadträte Wolf-Rüdiger Benzel (links am Transparent) und Mathias Zimmer (hinter dem Transparent). Foto: Oliver Schmidt
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Zahlreiche Transparente an den Häusern und eine gehörige Portion Wut im Bauch: In der Leopoldstraße formiert sich Widerstand gegen die auf und neben dem DSZ-Gelände geplante Wohnbebauung. Zu einem Informationstreffen, zu dem die "Bürgerinitiative Leopoldstraße" (BI) geladen hatte, kamen jetzt fast 50 Anwohner.


Einspruch eingelegt

Aber kommt der Protest nicht viel zu spät, denn das Projekt ist von der Stadt längst genehmigt worden? Angelika Hartwich, der ein Haus direkt neben dem neu zu bebauenden Gelände gehört, hat noch zwei Hoffnungsschimmer: bei der Stadt habe man namens der BI Einspruch eingelegt, und an die Regierung habe man einen Brief geschrieben und auf den in der Leopoldstraße geltenden Ensembleschutz hingewiesen. Zwar steht in beiden Fällen eine Antwort noch aus, doch vor allem die Sache mit dem Ensembleschutz spricht nach Meinung der BI ganz klar gegen das Projekt: "Uns wird alles ganz genau vorgeschrieben, sobald wir ein Fenster austauschen wollen - und hier wird so ein riesiger Bauriegel erlaubt!"

Es ist aber nicht nur das Gebäude, das unterhalb des DSZ auf dem ehemaligen Gefängnisgelände entstehen soll, an dem sich die BI stört. Angelika Hartwich sieht mit Sorge, dass unter dem zweigeschossigen Komplex auch noch eine zweigeschossige Tiefgarage gebaut werden soll: "Wer sagt mir, dass durch eine solche Maßnahme mein Haus nicht Schaden nimmt und zum Beispiel Risse bekommt?" Hinzu komme, dass durch die insgesamt rund hundert neuen Wohnungen noch mehr Verkehr in die enge Leopoldstraße gezogen werde. CSU-Stadtrat Mathias Zimmer, der sich ebenfalls in der BI engagiert, sagt: "Der Charakter des Viertels wird zerstört, das Viertel verliert an Lebensqualität."


"Pro Coburg" ist dafür

Während das Infotreffen der BI stattfand, kam zufällig Stadtrat Horst Geuter (Pro Coburg) vorbeigelaufen. Im Gespräch mit dem Tageblatt machte er deutlich, warum seine Fraktion für das Projekt sei: "Es wird immer geklagt, dass es zu wenig Wohnraum in der Stadt gibt. Und hier will ein Investor etwas machen, und dann ist es auch wieder nicht recht?" Außerdem müsse man froh sein, jemanden gefunden zu haben, der den "Betonklotz DSZ" kauft und umbaut.

Doch genau hier setzt noch eine Sorge der BI an. Denn der Investor will zunächst den Neubau auf dem ehemaligen Gefängnisgelände errichten und erst dann das DSZ sanieren. Beim Treffen wurde gemunkelt, der Investor könnte nach dem deutlich einfacheren und auch lukrativeren Neubau erstmal Pause machen - "und dann haben wir mit dem DSZ eine Bauruine".

Ein weiterer Stadtrat, der in der BI mitarbeitet, ist Wolf-Rüdiger Benzel von den Grünen. "Wir sind grundsätzlich für Wohnbebauung", stellt er klar, "aber doch nicht so etwas Wuchtiges." Außerdem kritisiert er die "mangelnde Transparenz", die es bei dem Genehmigungsverfahren gegeben habe. "Man kann den Bürgern nicht einfach so ein Großprojekt vor den Kopf Knallen!" Schuld, dass nur in nicht-öffentlichen Sitzungen über das Projekt beraten wurde, seien OB Norbert Tessmer (SPD) und Bau-Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU).

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