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Coburg
Interview

Coburgs einzige Verbindung im CC

Der AHV-Vorsitzende der Franco Borussia spricht über Werte - und über eine Ehre, die der Coburger Landsmannschaft wohl erst in hundert Jahren zuteil wird.
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Steffen Unziker vor der historischen Fahne der Franco Borussia aus dem Jahre 1901. Sie hängt im Verbindungshaus der Coburger Landsmannschaft am Adamiberg. Foto: Oliver Schmidt
Steffen Unziker vor der historischen Fahne der Franco Borussia aus dem Jahre 1901. Sie hängt im Verbindungshaus der Coburger Landsmannschaft am Adamiberg. Foto: Oliver Schmidt
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Wenn sich der heute 36-jährige Steffen Unziker an seine aktive Studentenzeit erinnert, denkt er vor allem an ein Erlebnis sehr gerne: Als Erstchargierter der Turnerschaft Hansea zu Bielefeld durfte er beim Pfingstkongress des Coburger Convents (CC) die Fahne seiner Verbindung beim Festkommers ins Festzelt tragen. "Das war für mich als Coburger natürlich etwas ganz Besonderes!" Aber auch in diesem Jahr ist es für Steffen Unziker kein Pfingstkongress wie jeder andere. Er gehört nämlich auch der in Coburg ansässigen Landsmannschaft Franco-Borussia an und ist inzwischen der Vorsitzende deren Alt-Herren-Verbandes (AHV). Beim Pfingstkongress 2016 wurde vom CC beschlossen, die Franco-Borussia - als erste Coburger Verbindung überhaupt - in den Dachverband aufzunehmen.

Die Franco-Borussia erlebt den Pfingstkongress 2017 erstmals von Anfang an als vollwertiges Mitglied. Was bedeutet das für Sie?
Steffen Unziker: Das ist schon etwas Besonderes. Wir von der Franco-Borussia waren aber auch schon in der Vergangenheit bei den Pfingstkongressen immer ein gerne gesehener Gast und pflegen deshalb bereits viele Freundschaften zu anderen Verbindungen. Die Umstellung ist also nicht zu groß.

Um in den CC aufgenommen werden zu können, mussten Sie einige Bedingungen erfüllen.
Ja, aber die meisten haben wir sowieso schon immer erfüllt. Allen voran, dass wir politisch unabhängig sind und dass wir hinter dem CC-Wahlspruch "Ehre - Freiheit - Freundschaft - Vaterland" stehen.

Wichtigste Bedingung war, das Mensurfechten zur Pflicht zu machen.
Stimmt. Zunächst gab es die einmalige Auflage, neun Mensuren innerhalb eines Jahres zu fechten. Ansonsten sind jetzt für jeden neuen Aktiven zwei Mensuren Pflicht, um aufgenommen zu werden.

Wie kam es zu dieser doch grundlegenden Veränderung bei der Franco-Borussia?
Das ging von unseren Jungen, den aktiven Studenten aus. Sie haben sich für diese akademische Tradition begeistert - und sie fanden die Mischform, die es bei uns gab, nicht gut: Bei der Franco-Borussia konnte ja jeder Mensuren fechten, aber niemand musste dies zwingend tun. Der AH-Convent hat dann einer Satzungsänderung mit sehr großer Mehrheit zugestimmt.

Aber die Alten Herren müssen das Mensurfechten nicht nachholen?
Nein, diese Änderung betrifft nur die Aktiven. Mitglied im CC ist aber automatisch jedes Mitglied der Franco Borussia, auch wenn derjenige nie eine Mensur gefochten hat.

Jetzt mal ganz banal gefragt: Mensurfechten ist doch gefährlich. Wie kann man so etwas in der heutigen Zeit noch gutheißen?
Es gibt ein Risiko, aber es ist ein kalkulierbares Risiko. Zum Beispiel werden immer in etwa gleichwertige Paukanten ausgesucht. Der Sinn und Zweck des Mensurfechtens ist ja nicht, den anderen zu verletzen, sondern sich selbst gut zu verkaufen. Das unterscheidet die Mensur von einem Duell. Hinzu kommt, dass Mensurfechten verbindet - und zwar nicht nur der eigentliche Fechtkampf, sondern auch die Vorbereitung darauf. Das schweißt innerhalb einer Landsmannschaft zusammen. Grundsätzlich sage ich aber auch: Ich habe Verständnis dafür, wenn Außenstehende die Tradition des Mensurfechtens nicht verstehen können.

Wie würden Sie einem Außenstehenden erklären, was es ausmacht, einer Verbindung anzugehören?
Zunächst einmal ist es ein Freundschaftsbund. Wir haben uns lebenslange Freundschaft auf die Fahne geschrieben. Und das fängt schon damit an, dass bei uns der jüngste Fux den Ältesten vom AHV selbstverständlich duzen darf. Der Begriff "Freundschaft" muss aber natürlich auch mit Leben gefüllt werden. Das geschieht zum Beispiel dadurch, dass die Alten Herren den Jungen Tipps geben und jegliche Unterstützung zukommen lassen.

Dieses Beziehungsgeflecht ist einer der vielen Kritikpunkte, die von CC-Gegnern aufgeführt werden.
Natürlich profitieren wir von Bundesbrüdern auf Führungspositionen. Aber es wird doch niemand irgendwo eingestellt, nur weil er dasselbe Farbband trägt, aber eigentlich gar nicht qualifiziert ist. Es geht darum, den Jungen wertvolle Tipps oder einen freundschaftlichen Rat zu geben, ihnen den Weg zu weisen - und, wenn es sein muss, ihnen aber auch mal, salopp gesagt, in den Hintern zu treten.
Warum war es der Franco-Borussia so wichtig, in den CC aufgenommen zu werden?
Der CC ist einer der größten Korporationsverbände mit sehr vielen Möglichkeiten. Es gibt Seminare und Bildungsveranstaltungen. Aber natürlich ist er auch ein großes Netzwerk. Und ich schätze sehr den offenen und toleranten Austausch, den es innerhalb des CC gibt. Man achtet auch stets eine andere Meinung.

Apropos: Ärgern Sie sich über die regelmäßigen Proteste gegen den Coburger Convent?
Es ist das gute Recht in Deutschland, seine Meinung frei zu äußern. Es ist meines Erachtens nur die Frage, wie man das tut. Bei einer Gedenkveranstaltung zu pfeifen finde ich zum Beispiel unpassend. Ich würde mir von unseren Kritikern die Toleranz wünschen, die sie von uns immer einfordern.

Wie sieht es bei der Franco Borussia eigentlich mit dem Nachwuchs aus?
Wir haben keine Nachwuchssorgen. Bei uns gibt es schon seit einigen Jahren - wie bei vielen anderen Verbindungen auch - den Trend eines stetigen Zuwachses.

Woran liegt das?
Bestimmt auch daran, dass wir in einer modernen und sehr technisierten Welt anbieten können, zu einer Gemeinschaft dazu zu gehören, in der bestimmte Traditionen und Werte hochgehalten werden.

Haben Sie auch vor, irgendwann Präsidierende des Pfingstkongresses zu sein?
Präsidierende zu sein ist eine große Ehre. Aber die Reihenfolge, wer in welchem Jahr dran kommt, ist ganz genau festgelegt - und zwar nach dem Eintrittsdatum der Verbindung in den CC. Und da hat erst vor zwei Jahren der Turnus wieder von ganz am Anfang begonnen. Das bedeutet für uns, im Normalfall erst in knapp 100 Jahren an der Reihe zu sein. Und selbst wenn zwei von drei Verbindungen verzichten würden, weil diese Aufgabe natürlich auch mit viel Arbeit verbunden ist, wären wir erst in 33 Jahren dran.

Beim Marktfest werden traditionell befreundete Landsmannschaften und Turnerschaften mit Liedern gegrüßt. Wen würden Sie gerne mit welchem Lied grüßen?
Wir würden den CC grüßen - weil wir uns freuen, jetzt auch richtig dabei zu sein. Und natürlich mit dem Coburger Marsch!


HINTERGRUND

Zur Geschichte Die Landsmannschaft Franco-Borussia wurde 1894 zunächst als Technischer Verein gegründet. Aus ihm entwickelte sich die heutige Verbindung, die aber - anders als früher - nicht nur künftigen Ingenieuren offensteht, sondern allen (männlichen) Studenten der Hochschule Coburg. Schwarz-Grün-Gold, die Farben des Coburger Herzogshauses, sind auch die Farben von Franco-Borussia. Der Leitspruch lautet: "Immerdar treu und wahr". Franco-Borussia legt Wert darauf, "weltoffen und parteipolitisch sowie weltanschaulich neutral" zu sein. Was das Mensurfechten betrifft, gab es vor einigen Jahren eine grundlegende Änderung: Franco-Borussia wechselte von "freischlagend" auf "pflichtschlagend". Das heißt: Während es früher jedem frei stand, eine Mensur zu fechten, so ist es nunmehr die Voraussetzung zur Aufnahme, mindestens zwei Mensuren zu fechten. Durch den Umstand, "pflichtschlagend" zu sein, war auch die letzte Hürde genommen, um in den Coburger Convent aufgenommen zu werden. Die Franco Borussia hat derzeit etwa 15 aktive Studenten sowie rund 100 Mitglieder im Alt-Herren-Verband.

Zum Dachverband Dem Coburger Convent (CC) als akademischer Korporationsverband gehören aktuell 93 pflichtschlagende Studentenverbindungen (Landsmannschaften und Turnerschaften - keine Burschenschaften!) an, die an fast 50 Hochschulorten in Deutschland und Österreich angesiedelt sind. Er zählt nach eigenen Angaben insgesamt rund 10 000 Mitglieder. Der Wahlspruch des CC lautet "Ehre - Freiheit - Freundschaft - Vaterland". Immer an Pfingsten findet in Coburg der "Pfingstkongress des CC" statt, in diesem Jahr bereits zum 149. Mal.
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