Coburg
Neuordnung

Coburger wollen Franken bleiben

Thüringens Innenminister hat Vertreter der Region Coburg zu Gesprächen über einen Wechsel nach Thüringen eingeladen.
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Nach Ansicht der Coburger soll das auch in Zukunft so bleiben: Coburg gehört zum Freistaat Bayern. Dem Vorschlag des Thüringer Innenministers Holger Poppenhäger zu einem Wechsel Coburgs nach Thüringen erteilen die Coburger eine klar Absage. Foto: Jochen Berger
Nach Ansicht der Coburger soll das auch in Zukunft so bleiben: Coburg gehört zum Freistaat Bayern. Dem Vorschlag des Thüringer Innenministers Holger Poppenhäger zu einem Wechsel Coburgs nach Thüringen erteilen die Coburger eine klar Absage. Foto: Jochen Berger
Sollen die Wahl-Franken aus Coburg vielleicht doch wieder Thüringer werden? Zumindest brachte Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) diesen Vorschlag ins Gespräch. Der Auslöser ist klar: Der Vorschlag aus Erfurt ist eine prompte Reaktion auf Wechselambitionen der Landkreise Sonneberg und Hildburghausen Richtung Freistaat Bayern.


Bayern Innenminister Joachim Herrmann hatte sich vor wenigen Tagen diesem Ansinnen gegenüber durchaus aufgeschlossen gezeigt.


Lieber bei Bayern bleiben


Neustadts Oberbürger Frank Rebhan (SPD) reagiert gelassen auf die Retourkutsche aus Thüringen: "Das ist ein charmanter Vorschlag. Wir bedanken uns sehr für das freundliche Angebot, wollen aber doch lieber bei Bayern bleiben, wie wir schon 1919 per Volksentscheid beschlossen haben."


"Die haben einen Knall"


Unwirsch reagiert Coburgs Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach (CSU): "Die haben einen Knall. Das ist absurd. Die sollten lieber mal mit den Landkreisen Sonneberg und Hildburghausen reden, was man dort von der Regierung in Erfurt hält."


Neustadts CSU-Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike formuliert seine Ansicht zum Vorschlag aus Erfurt diplomatischer: "Ich persönlich kenne niemanden aus der Region, der je diesen Wunsch geäußert hätte. Für mich ist das eine recht durchsichtige Aktion, um davon abzulenken, dass die Bürger im Süden und Südosten Thüringens nicht einverstanden sind mit ihrer Landesregierung."


Der Raum Coburg aber habe einen Staatsvertrag mit Bayern geschlossen, "der uns hervorragend alimentiert." Der Vorschlag aus Erfurt wird für Heike gar zum Anlass, das Thema Neuordnung der Bundesländer grundsätzlich zur Debatte stellen. Thüringen habe Angst, wenn Sonneberg und Hildburghausen zu Bayern kämen, würde das Eichsfeld vermutlich Richtung Hessen drängen. Damit aber würde Thüringen Gefahr laufen, zu zerfleddern.
"Für das Coburger Land würde ich einen Wechsel nach Thüringen nicht empfehlen", warnt Rödentals Alt-Bürgermeister Gerhard Preß: "Allein der Finanzausgleich ist in Bayern ein Vielfaches dessen, was Thüringen leisten." Zudem gibt Preß zu bedenken, dass sich schon kurz nach der Grenzöffnung Thüringer Gemeinden Richtung Bayern orientieren.


Einer, der sich über viele Jahre hinweg in der Zusammenarbeit zwischen Franken und Thüringers engagiert hat, ist Hendrik Dressel (Gemünda). Der ehemalige Vorsitzende der Initiative Rodachtal weiß, dass sich die Menschen aus der Region südlich des Thüringer Waldes "ein bisschen verloren" fühlen. Da könne er deren Interesse am Frankenland schon verstehen.

Dennoch hält der langjährige Seßlacher Bürgermeister von der gesamten Diskussion um den Bundesländer-Wechsel - egal, in welche Richtung - nicht besonders viel: "So etwas würde es doch nur im Extremfall geben." Letztlich, da empfiehlt Dressel den Landespolitikern den Blick auf die Arbeit der Initiative Rodachtal, wäre es doch viel schlauer, auf praktische Projekte bezogen die Zusammenarbeit zu suchen. "Dann kann die Landesgrenze auch bleiben, wo sie ist", sagt Hendrik Dressel.


"Auf keinen Fall!"

Auch im Netz finden sich viele Kommentare zu Poppenhägers Vorstoß. Auf der Tageblatt-Facebook-Seite fanden sich jedenfalls in kürzester Zeit viele Anmerkungen zu diesem Thema mit einer unmissverständlichen Tendenz: Die Coburger, die einst erst nach dem Ende des Ersten Weltkrieges per Volksabstimmung für Bayern votierten, wollen Franken bleiben.


"Auf keinen Fall!" kommentierten User den Vorschlag aus Erfurt: "Coburg ist und bleibt fränkisch und die Franken gehören nun mal zu Bayern." Mancher beließ es einfach bei einem Aufschrei: "Neeeeiiiiiiin!!!!!"
Allerdings gab es durchaus auch einzelne Stimmen, die Verständnis für den Vorschlag aus Thüringen äußerten. Viele Schüler aus dem Landkreise Coburg, so die Argumentation, fahren in den Landkreis Sonneberg, um Schulen zu besuchen, beispielsweise die freie Schule in Haubinda. Zudem sei Erfurt aus Coburger Sicht auch ein beliebtes Ziel zum Einkaufen: "Und der Zoo ist auch schöner als der Nürnberger."
Hintergrund für die Überlegungen in Hildburghausen und Sonneberg zum Wechsel Richtung Freistaat Bayern ist der Widerstand gegen eine Fusion zu einem neuen Großkreis mit Suhl als Kreisstadt.

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