Egal, wie die Diagnose auch aussieht: Die Ausfalltage wegen Krankheit haben im vergangenen Jahr in der Stadt und im Landkreis Coburg um 0,2 Prozentpunkte zugenommen. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) hervor, den Dieter Weinig, Leiter des Servicezentrums Coburg, zusammen mit Johannes Brachmann, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum, gestern vorgestellt hat.

Zwar beziehen sich die Zahlen nur auf DAK-Versicherte, sie verraten aber eine Tendenz. Im Landesvergleich liegt der Landkreis 0,2 Prozent über dem Bayerndurchschnitt bei den Fehltagen wegen Krankheit. Ein Nord-Süd-Gefälle ist unübersehbar. Woran könnte das liegen? "Vielleicht ist die Angst um den Arbeitsplatz im ländlichen Raum größer als in den Ballungsgebieten um München", mutmaßt Johannes Brachmann. Außerdem konzentrierten sich dort eher die jungen Arbeitnehmer, die weniger anfällig gegen Krankheiten seien.

Psychische Auswirkungen berücksichtigen


Mit 22,6 Prozent liegen Probleme mit dem Muskel-Skelett-System im Landkreis vorn, gefolgt von Erkrankungen der Atemwege und Verletzungen. An vierter Stelle stehen die psychischen Erkrankungen. Dennoch sollte die Auswirkung von psychischen Belastungen auf den Gesundheitszustand der Menschen nicht unterschätzt werden, findet Dieter Weinig. Deshalb heißt das Schwerpunktthema des Gesundheitsreports 2012 "Berufsstress in Bezug auf Herzerkrankungen und Herzinfarkt". "Neben klassischen Risikofaktoren müssen wir heute auch die psychosozialen Faktoren in der Arbeitswelt berücksichtigen", erläutert Dieter Weinig.

2010 verstarben in Bayern 8325 Menschen an einem Herzinfarkt. 55 Prozent waren Männer, 45 Prozent Frauen. "Die Frauen holen auf", stellt Johannes Brachmann fest. Diese Erfahrung macht der Kardiologe in seiner täglichen Arbeit.

Die meisten Herzinfarkte treten ab 65 Jahren auf. Aber schon ab 50 Jahren steige das Risiko. Die koronare Herzkrankheit als Hauptursache für Herzinfarkte entsteht aber bereits in jüngeren Jahren - zu diesem Ergebnis kommt der Gesundheitsreport. Deshalb wurde unter anderem auch der Zusammenhang mit dem Stress am Arbeitsplatz untersucht. Das Ergebnis fasst Dieter Weinig so zusammen: "Leiden Arbeitnehmer an sogenannten Gratifikationskrisen, dann werden sie schnell zu einer Risikogruppe."

Krankmachende Krisen


Gratifikationskrisen entstehen immer dann, wenn unter Zeitdruck gearbeitet werden muss, der Arbeitsablauf häufig gestört wird und die Verantwortung kaum zunimmt. Aber auch Überstunden, körperliche Anstrengung und ein vermehrtes Arbeitsvolumen können zu einer Überlastung von Arbeitnehmern führen. Wenn dann auch noch die Anerkennung durch Vorgesetzte und Kollegen ausbleibt, die Betroffenen sich ungerecht behandelt fühlen, ihnen Aufstiegschancen verwehrt werden, der Arbeitsplatz nicht sicher, das Gehalt nicht angemessen ist, dann ist die Gratifikationskrise voraussehbar. Auch das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport hervor.

Dass die Sterbefälle mit der Ursache Herzinfarkt dennoch zurückgehen, habe zum einen mit dem medizinischen Fortschritt zu tun, der es erlaubt, schnell zu reagieren und Leben zu retten, erläutert Johannes Brachmann. Wesentlichen Anteil habe aber auch die Prävention. Und Dieter Weinig verweist in diesem Zusammenhang auf den Vorteil betrieblicher Prävention, denn: "Arbeitnehmer lassen sich oft keine Zeit für präventive Maßnahmen."

Johannes Brachmann sieht im Ausdauersport eine veritable Form der Vorbeugung von Herzinfarkten. In Coburg gebe es bereits ein großes Unternehmen, das für seine Mitarbeiter unterschiedliche Möglichkeiten der sportlichen Betätigung geschaffen habe. Dieter Weinigs Fazit: "Nur mit gesunden Mitarbeitern ist Produktivität sicherzustellen."