Coburg
Vekehrskontrolle

Coburger legt sich verzweifelt vors Polizeiauto

Ein Coburger geriet in eine Verkehrskontrolle, weil er angeblich am Handy telefonierte. Er bestritt, überhaupt ein Handy dabei gehabt zu haben. Als ihm keiner glaubte, hinderte er die Polizisten am Wegfahren und wurde festgenommen.
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Fühlt sich ungerecht behandelt und erwartet eine Entschuldigung von der Polizei: Amir Alizadeh. Foto: Christiane Lehmann
Fühlt sich ungerecht behandelt und erwartet eine Entschuldigung von der Polizei: Amir Alizadeh. Foto: Christiane Lehmann
Amir Alizadeh ist aufgebracht. Er habe doch nur seine Ohren geputzt und nicht beim Autofahren telefoniert. Jetzt erwartet ihn eine Anzeige wegen Beleidigung und Nötigung.

Was ist passiert? Auf dem Heimweg von seiner Arbeit geriet Amir Alizadeh bei Dörfles-Esbach in eine Verkehrskontrolle. Er musste seinen Führerschein und die Fahrzeugpapiere zeigen. "Das war ja auch alles in Ordnung", sagt er im Nachhinein. Doch dann hätten ihm die Polizisten vorgeworfen, er habe während des Autofahrens mit dem Handy telefoniert. Er müsse ein Bußgeld zahlen und bekomme dafür auch Punkte in Flensburg.

Der Mann war fassungslos. "Ich habe gar kein Handy dabei, wenn ich auf der Arbeit bin", behauptet er. Den Polizisten habe er klarzumachen versucht, dass er nur sein Ohr geputzt hat. Und er bat die Beamten, ihn und sein Fahrzeug zu untersuchen. Doch die antworteten, dass sie das gar nicht dürften. Verzweifelt versuchte Alizadeh, die Verkehrspolizisten zu überzeugen. Zwecklos. "Wenn ich einen Bußgeldbescheid bekomme und Widerspruch einlege, habe ich doch gar keine Chance. Da steht Aussage gegen Aussage und die Polizisten sind in der Mehrzahl", argumentiert er im Gespräch mit dem Tageblatt.

Als die Beamten weiterfahren wollten, handelte er kurz entschlossen: Er legte sich vors Polizeiauto und wollte damit verhindern, dass die Beamten wegfahren. Erst sollten sie doch sein Auto nach dem Handy durchsuchen.

In Handschellen abgeführt

Wie Alizadeh weiter erzählt, sei er schließlich von den Polizisten gepackt und festgenommen worden. In Handschellen habe man ihn auf die Dienststelle gebracht. Seinen Worten zufolge wurde er dort erneut vernommen. Er habe aber einen leitenden Beamten überzeugen können, nochmals zum bei Dörfles-Esbach abgestellten Auto zurückzufahren, um nach dem Handy zu suchen. Gefunden wurde keines. Auch nicht im Umfeld. "Die Polizisten haben sogar die Wiese rund ums Fahrzeug abgesucht!" Amir Alizadeh durfte nach Hause fahren. Mit einem Bußgeld wegen Telefonierens mit dem Handy müsse er angeblich nicht mehr rechnen. Aber ihn erwarte eine Anzeige wegen Beleidigung und Nötigung.

"Ich finde das unglaublich. Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit?", schimpft er und erwartet eine Entschuldigung von dem Polizisten, der ihn beschuldigt hat, ein Handy benutzt zu haben. Pressesprecher Markus Reißenberger bestätigt in groben Zügen, was Amir Alizadeh erzählt. Doch aus der Sicht der Polizeibeamten stelle sich der Vorgang etwas anders dar. "Die Situation während der Kontrolle eskalierte. Der Mann war extrem ungehalten, verwendete Kraftausdrücke gegenüber den Beamten und ließ sich nicht beruhigen, auch nicht, als sie ihn darauf hingewiesen haben, dass er sich jetzt gerade strafbar macht."

Weil Amir Alizadeh das Polizeiauto am Wegfahren hindern wollte, hätten ihn die Beamten schließlich aufgehoben. "Dabei hat er noch andere Personen, die sich in der Nähe befanden, angesprochen." Auf den Hinweis der Polizisten, er könne Beschwerde einlegen oder sich Rechtsbeistand suchen, sei der Mann nicht eingegangen, erläutert Markus Reißenberger. Handfesseln habe man ihm angelegt, weil er extrem aggressiv gewesen sei. Nun wurde der Vorfall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Dort wird Amir Alizadeh noch einmal vernommen. Eins sei aber gewiss, ergänzt Markus Reißenberger: Kein Bürger müsse sich vor ein Polizeiauto werfen, um sein Recht zu bekommen. Amir Alizadeh hätte gegen den Bußgeld-Bescheid Einspruch einlegen können. Nach einer Stellungnahme der Polizei entscheide letztendlich ein Richter. "Und sollte in dem Verfahren der Richter Zweifel hegen, wird das Ganze eingestellt", erläutert der Pressesprecher den rechtlichen Weg.
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