Coburg
Auslandsaufenthalt

Coburger Volontär bleibt an Weihnachten in der heiligen Stadt

Der Coburger Paul Maier absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in Jerusalem. Er hat Straßenkämpfe erlebt, aber auch die Schönheit der Stadt und des Landes erfahren und wird die Festtage dort verbringen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Grafik: Micho Haller
Grafik: Micho Haller
+1 Bild
Dass es Jerusalem werden würde, wusste Paul Maier nicht. Seit September absolviert er in der Stadt sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), für das er sich beim Freiwilligendienst "kulturweit" der Deutschen Unesco-Kommission beworben hatte.

Auf die Bewerbungsphase, die etwa einen Monat dauerte, folgten die Vorauswahl und die finale Auswahl durch die Partnerorganisationen. Das gesamte Prozedere dauerte etwa ein Jahr. Dann stand für Paul Maier fest: Er würde sein FSJ an der Schmidtschule, einer christlichen Mädchenschule, in Ost-Jerusalem verbringen. Seit dem 13. September ist er dort. "Die Schülerinnen sind Christinnen und Muslimas, aber alles Palästinenserinnen", erzählt der 20-Jährige. Denn in Ostjerusalem leben vor allem Araber, also sehr viele Palästinenser.

Die Schule, in der Paul Maier arbeitet, befindet sich nicht weit vom Damaskus-Tor, dem größten der Stadt an der Grenze zwischen dem Ost- und Westteil Jerusalems. Er lebt auch auf dem Gelände, das bewacht wird. Wie nötig das ist, hat der Coburger im Oktober erleben müssen, als es zum Streit um die Nutzungsrechte des Tempelbergs ging.

Junge Palästinenser lieferten sich blutige Straßenschlachten mit der Polizei. "Auch vor unserer Schule gab es eine längere Auseinandersetzung. Es gab Tote. Das war alles sehr schwierig", erzählt Paul Maier. Aber das Schulgelände sei sicher.


Nicht ständig daran denken

Wie aber geht man als junger Mensch, weit weg von zu Hause, mit einer solchen Situation um? "Ich habe mich nicht ständig damit beschäftigt, das hat es mir leichter gemacht. Wenn man immerzu darüber nachdenkt, was da gerade passiert und sich immer wieder die neuesten Informationen holt, wird man verrückt", sagt der 20-Jährige. Inzwischen sei die Lage wieder normal, ergänzt er. Vielleicht habe das auch mit den winterlichen Temperaturen zu tun.

An der Schmidtschule arbeiten außer Paul Maier noch drei weitere deutsche Volontäre. Und Kontakt zu anderen jungen Leuten, die ihr FSJ in Israel absolvieren, gibt es auch. "Wir verbringen die Freizeit miteinander und sehen uns das Land an." Sie waren in der Westbank, also im Westjordanland, das als Palästinensergebiet gilt, aber auch am Toten Meer. "Die Landschaft ist wunderschön hier."

Die deutschen Volontäre treffen sich auch gern im Willy-Brandt-Center. "Dort können wir miteinander reden, an Gesprächsrunden und Workshops teilnehmen." An einem Adventswochenende waren sie am See Genezareth - nach dem Neuen Testament das Zentrum des Wirkens Jesu. Für Paul Maier war das ein besonderes Erlebnis, wie er sagt.

Auch das Weihnachtsfest wird er in Israel und nicht in Coburg verbringen. "Wir bekommen nur ein Visum mit einer Ausreise. Und die habe ich für ein Zwischenseminar in der Türkei genutzt." Probleme hat Paul Maier nicht damit, dass er an Weihnachten über 4000 Kilometer von zu Hause entfernt ist, denn er empfindet seinen Aufenthalt in Jerusalem als Chance und sehr bereichernd.


"Paul ist so besonnen"

So sieht das auch seine Mutter, Rita Röhlich. "Anfangs habe ich geschluckt, als ich erfahren habe, dass Paul dorthin soll", sagt sie. Sie habe an die Terroranschläge in London und Madrid denken müssen. Und dann auch noch Paris. Schließlich habe sie aber Vertrauen in die Entscheidung des Auswärtigen Amtes gehabt, Jerusalem für das FSJ freizugeben.

Außerdem: "Es ist sowieso nirgends hundertprozentig sicher." Sie kenne ja auch ihren Sohn. "Paul ist so besonnen." Zudem habe das Auswärtige Amt sich um die jungen Leute gekümmert und ihnen gesagt, wie sie sich verhalten sollen. "Jerusalem ist eine so tolle Stadt, und er lernt dort viel", stellt Rita Röhlich schließlich fest. Da könne sie es auch verkraften, dass ihr Sohn das Weihnachtsfest nicht zu Hause verbringt.





Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren