Coburg
Aufzucht

Coburger Tierheimleiterin hilft kleinen Eichhörnchen in Not

Wenn Eichhörnchen Hilfe brauchen und ums Überleben kämpfen, ist Sandra Bauer zur Stelle. Die Coburger Tierheimleiterin kümmert sich daheim um all die Flaschenkinder.
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Die Aufzucht mit der Pipette ist notwendig, wenn die kleinen Eichhörnchen erst wenige Tage alt sind. Die Umstellung auf die "andere" Milch und den fremden Sauger ist oft schwierig. Fotos: Christiane Lehmann
Die Aufzucht mit der Pipette ist notwendig, wenn die kleinen Eichhörnchen erst wenige Tage alt sind. Die Umstellung auf die "andere" Milch und den fremden Sauger ist oft schwierig. Fotos: Christiane Lehmann
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Trixi ist beim letzten Sturm vom Dach gefallen und hat sich ihr kleines Gesicht blutig aufgerissen. "Es sah schlimmer aus, als es letztlich war. Gott sei Dank kein Bruch!", sagt Sandra Bauer, die das nur ein paar Wochen alte Eichhörnchen im Tierheim aufgenommen hat. Eine Frau hatte es gefunden und dort abgegeben. Genau bei der richtigen. Denn Sandra Bauer ist nicht nur die Leiterin des Coburger Tierheims, sie pflegt und betreut auch alle Jungtiere, die verletzt oder ganz besonders umsorgt werden müssen bei sich zu Hause in Wohlbach - wenn es sein muss rund um die Uhr.

"Bei so winzigen Eichhörnchen ist es schon notwendig, alle zwei Stunden zu füttern." Seit neun Jahren nimmt Sandra Bauer alle "Flaschenkinder" mit heim. In diesem Jahr waren es schon 23 kleine Eichhörnchen, die sie aufgezogen und wieder ausgewildert hat. Was meist in einem Handtuch oder einer Decke mit der Pipette beginnt, endet schließlich in der Voliere, in der die lebenslustigen Nager erste Nüsse vergraben.


Dem Bauchgefühl vertrauen

Sandra Bauer vertraut auf ihr Bauchgefühl, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um die Tiere wieder in die Freiheit zu entlassen. "Spätestens, wenn sie rebellieren", lacht die erfahrene "Eichhörnchen-Mama". Die Waldtiere sollten sich nicht zu sehr an die Menschen gewöhnen, denn nicht jeder mag es, wenn ein Eichhörnchen auf sie zukommt, weiß Sandra Bauer. Ihr Klopfen an dem Kobel in der Voliere führt dazu, dass "Waldemar" sofort neugierig herauslugt. Ist die Tür erst offen, springt er Sandra Bauer entgegen und zwickt in die Finger. "Sein Instinkt weiß, wie man Nüsse knackt und vergräbt", erzählt die 43-Jährige. Auch Waldemar ist als Baby abgestürzt und musste aufgepäppelt werden. Zusammen mit Trixi wird er in Wohlbach überwintern. "Aber im Frühjahr geht's wieder in den Wald." Das Loslassen hat Sandra Bauer gelernt - schließlich kommt meist sofort was nach. Vier Hunde, vier Katzen, 13 Hühner, zwei Enten, ein Papagei, eine Wüstenspringmaus, Zebrafinken, Wellensittiche, Tauben und Rebhühner gehören zu ihrem Privatzoo - nicht zu vergessen, die 30-jährige Gans Frida, in die sie sich "sofort verliebt" hat und ihr einen ehrwürdigen Altensitz ermöglichte.


Augen auf beim Spaziergang

Zurück zu den Eichhörnchen: Besonders zur Herbstzeit kann es vorkommen, dass man von einem jungen Eichhörnchen "verfolgt" wird. Wenn es kälter wird, sind vor allem die ganz Kleinen immer wieder gefährdet. "Eichhörnchen, die Menschen hinterherlaufen oder gar versuchen an ihnen hoch zu klettern, sind Jungtiere, die schon längere Zeit unversorgt sind und deshalb starken Hunger und Durst haben", erklärt Markus Erlwein, Pressesprecher beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Man müsse keine Angst haben, diese Tiere in die Hand zu nehmen. "Eichhörnchen haben keine Tollwut." Und: Die Mutter nimmt den Nachwuchs danach wieder an.


Sie mögen 's warm

Hilfsbedürftige Eichhörnchen solle man warm (z.B. in einem Handtuch) einhüllen und in einem geschlossenen Behälter unterbringen. "Darin kann man Haselnüsse und Zwieback geben, als Flüssigkeitsersatz Apfel- und Gurkenstücke", meint Erlwein. Anschließend sollte der Finder aber sofort Kontakt mit einer Eichhörnchen-Station aufnehmen.

Dass einem bei einem Herbstspaziertgang ein so genanntes Grauhörnchen hinterherläuft, ist eher unwahrscheinlich. Das aus Amerika eingewandertes Tier hatte zuletzt immer wieder Schlagzeilen gemacht, da es viel aggressiver ist und in Großbritannien das Eichhörnchen schon nahezu vollständig verdrängt hat. Auch in Norditalien ist es längst fest etabliert. In Deutschland gibt es jedoch noch keine Grauhörnchen. "Immer wieder gibt es Meldungen, dass Grauhörnchen in Deutschland gesichtet worden sind. Das sind aber alles definitiv keine Grauhörnchen, sondern Europäische Eichhörnchen mit grauer Fellfärbung", erklärt Erlwein.


Kontakt Sandra Bauer, Leiterin des Tierheims Coburg, Telefon: 09561/30330
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