Coburg
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Coburger Theater-Tauziehen: Plötzlich ist wieder Genf im Spiel

Rolle rückwärts bei vielen Stadträten: Ein "Globe" auf dem Anger wird als zu teuer erachtet. Deshalb soll erneut über andere Lösungen nachgedacht werden.
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Die Oper in Genf hat als Ausweichspielstätte derzeit einen einfachen Holzbau. Eine Coburger Delegation hat ihn auch schon besichtigt. Foto: dpa
Die Oper in Genf hat als Ausweichspielstätte derzeit einen einfachen Holzbau. Eine Coburger Delegation hat ihn auch schon besichtigt. Foto: dpa
In einem Punkt waren sich die acht Stadträte, die am Montag zu einer Pressekonferenz eingeladen hatten, einig: Ein "Globe-Theater" am Anger wäre als Ausweichspielstätte fürs zu sanierende Landestheater zwar schön, ist aber - in der jetzigen Zeit, in der die Stadt überall sparen muss - zu teuer. Zumal sich die selbst gesetzte Obergrenze von 7,5 Millionen Euro wohl kaum einhalten lasse.

Was aber stattdessen geschehen beziehungsweise gebaut oder nicht gebaut werden soll, darüber gingen die Meinungen auseinander. Erst im Verlaufe der Veranstaltung kristallisierten sich zwei Hauptvarianten heraus: Auf dem Anger könnte ein einfacher Holzbau errichtet werden, wie er vor einigen Monaten schon einmal in Genf besichtigt wurde - oder aber das Landestheater wird während des Umbaus zu einem Tournee-Theater und spielt nur noch an anderen Orten. Zu diesen anderen Orten könnte aber auch der eine oder andere in der Stadt und im Landkreis Coburg gehören.


Baumarkt und Hochschul-Aula

Jürgen Heeb (WPC) legte eine Liste mit 16 denkbaren, aber noch nicht geprüften Spielstätten vor; darunter das Kongresshaus, die Hochschul-Aula, die alte Pakethalle am Güterbahnhof, der ehemalige OBI-Baumarkt in der Neustadter Straße, die Domäne Sonnefeld und die Waldbühne Heldritt. Auch seien Gastspiele im Gesellschaftshaus Sonneberg und im Theater Hildburghausen möglich.

Kurzzeitig flammte unter den anwesenden Stadträten auch wieder die Idee auf, die Angersporthalle zu ertüchtigen. Auch deshalb, weil Intendant Bodo Busse betonte, mit dieser Lösung leben zu können; Busse war zur Pressekonferenz eher spontan und überraschend erschienen, verließ sie dann aber frühzeitig und verärgert wieder. Den Gedanken, eine marode Halle für etwa fünf Millionen Euro umzubauen, um sie dann in fünf Jahren doch wieder komplett abzureißen, fanden die meisten aber schließlich doch für zu abwegig. "Ich bin für einen Zweckbau, der für die Dauer der Interimszeit taugt", brachte es Friedrich Herdan (CSU) auf den Punkt. Die Kosten sollten auf fünf Millionen Euro gedeckelt werden. "Ein Globe könnte ich nicht mittragen", betonte Herdan.

Jürgen Oehm, Vorsitzender der CSU/JC-Fraktion, machte deutlich: "Ein Globe ist mit uns nicht zu machen. Wir müssen den Rotstift ansetzen." Gebraucht werde eine "einfache und vernünftige Interimsspielstätte". Zugleich müssten einige Ansprüche zurückgeschraubt werden. Um Kosten zu sparen, könnte etwa auf einen Orchestergraben verzichtet werden. Dem stimmte Hans-Heinrich Eidt (FDP) zu: "So etwas gab es zu Mozarts Zeiten auch nicht."

Die acht versammelten Stadträte stehen (noch) nicht ganz für eine Mehrheit. Die CSU/JC-Fraktion, die laut Oehm geschlossen ist, verfügt über zwölf Sitze in dem 41-köpfigen Gremium. Hinzu kommt die ebenfalls geschlossene Wählergemeinschaft "Pro Coburg" (drei Stadträte), mindestens drei Stadträte von "Sozial und bürgernah für Coburg" sowie FDP-Mann Eidt - macht zusammen 19 Stadträte.


Eilantrag für Donnerstag

Doch es soll nun möglichst schnell Klarheit her: Heeb möchte einen Eilantrag für die Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag stellen. Inhalt: Nein zum Globe und die Suche nach einer neuen Lösung, die höchstens fünf Millionen Euro kostet.

Die acht Stadträte räumten am Montag zwar mehrmals ein, dass die Zeit dränge. Aber ein einfaches "Modell Genf" sei zum Beispiel auch viel schneller zu bauen als ein anspruchsvolles "Globe", gab Friedrich Herdan zu bedenken. Deshalb sei das bis Ende 2018 sehr wohl hinzubekommen. Der Umbau des Landestheaters startet Anfang 2019. Den inoffiziellen Globe-Nachruf sprach Oehm: "Wir hatten alle einen schönen Traum. Aber jetzt liegen die Kosten auf dem Tisch. Der Traum ist geplatzt."
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