Coburg
Flashmob

Coburger Studentinnen tanzen gegen Gewalt

Warum auf der ganzen Welt am Valentinstag Frauen auf Straßen und Plätzen tanzen und demonstrieren - und wie diese Aktion auch nach Coburg kam.
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Beim Tanzen hatten die Teilnehmerinnen des "One Billion Rising" Flashmobs auf dem Albertsplatz sehr viel Spaß. Foto: Simone Bastian
Beim Tanzen hatten die Teilnehmerinnen des "One Billion Rising" Flashmobs auf dem Albertsplatz sehr viel Spaß. Foto: Simone Bastian
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Die rhythmischen Trommelschläge der Coburger Sambagruppe "Aweng Samba" sind am Sonntagnachmittag durch die ganze Innenstadt zu hören. Danach füllt sich der Albertsplatz mit Tänzerinnen, die zum Lied "Break the Chain" eine in Tanzworkshops einstudierte Choreografie darbieten.

Das gehört alles zur Aktion "One Billion Rising" (eine Milliarde steht auf), die jedes Jahr wieder am Valentinstag in über 200 Ländern weltweit stattfindet. Ihre Botschaft ist eindeutig: Lautstark gegen häusliche Gewalt an Frauen und Kindern zu demonstrieren. Die Rechnung geht so: Jede dritte Frau auf der Welt ist mindestens einmal im Leben von Gewalt betroffen, weil sie eine Frau ist. Das sind eine Millarde Menschen - und die stehen auf.

Zu den Tänzerinnen gehört Sandrin Fenzel. Die Workshops seien sehr schön gewesen. "Mir hat einfach alles gefallen. Die Atmosphäre war locker und entspannt", erzählt sie.
Sie selbst sei zwar noch nicht Opfer von Gewalt geworden, aber sie habe immer auch ein bisschen Angst davor, dass ihr etwas passieren könnte. "Ich habe vor allen Dingen Respekt davor, wenn ich ganz alleine durch dunkle Gassen gehen muss", erklärt sie. Alexandra Müller, die sich den Flashmob interessiert angesehen hat, gibt sich hingegen entspannt. "Ich gehe einfach nicht mehr alleine fort, dann passiert mir auch nichts", sagt sie.


Erster Schritt ist schwierig

Susanne Müller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Coburg, wird in ihrem Beruf oft mit Gewalt an Frauen konfrontiert. "Ich bekomme häufig Anfragen von Betroffenen oder aus deren Umfeld, die um Hilfe bitten", erzählt sie. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass der erste Schritt der schwierigste sei. "Viele Frauen trauen sich gar nicht, ihre Probleme offen zu legen , weil sie sich schämen oder sich selbst die Schuld geben", sagt Susanne Müller. Deshalb sei die Dunkelziffer auch unheimlich hoch. "Doch wenn man sich erst einmal überwunden hat, wird man hier in Coburg gut betreut", erklärt sie.

Sie habe beobachtet, dass nach den Übergriffen in Köln vermehrt Frauen an Selbstbehauptungskursen teilnehmen. "Einerseits finde ich das gut, andererseits gehört noch viel mehr dazu, damit man sich vor Gewalt schützen kann", sagt sie. Vor allen Dingen müssten Frauen an der Körperhaltung und Sprache arbeiten. "Ein selbstsicheres Auftreten und Schlagfertigkeit schreckt Täter oftmals ab", sagt sie. Um häuslicher Gewalt vorzubeugen, sei es besonders wichtig, dass beide Partner lernen, mit Konflikten umzugehen. "Eine Paartherapie kann dabei helfen, dass Streitigkeiten nicht so leicht eskalieren", sagt sie.

Organisiert wurde der Flashmob von Studentinnen der Hochschule Coburg. "Wir haben im März erfahren, dass wir den Flashmob planen sollen", sagt Linda Hampel, eine der Organisatorinnen. Danach habe man ihr an der Hochschule erst theoretische Grundlagen nahe gebracht, auf die sie sich bei der Organisation stützen konnte. "Erst im September haben wir uns dann mit der Planung des Flashmobs selbst befasst", erklärt sie. Dabei sei alles nahezu reibungslos abgelaufen. "Letztendlich hat die Gestaltung der Flyer am längsten gedauert und am meisten Schwierigkeiten bereitet", sagt Linda Hampel.

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