Laden...
Coburg
Start-up

Coburger Studenten als Existenzgründer

Drei angehende Architekten wollen sich selbstständig machen und eine Dienstleistung anbieten, die Architekturbüros derzeit noch in Chile oder Indien suchen. Doch das ist nur die erste Stufe im Erfolgsplan der drei jungen Männer.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kein Foto, sondern ein am Computer erzeugtes Bild vom Foyer eines Hochhauses. Drei Studenten aus Coburg wollen dies als Dienstleistung anderen Architekten anbieten. Diese Idee ist nicht neu - "aber wir sind besser", sagen die drei.
Kein Foto, sondern ein am Computer erzeugtes Bild vom Foyer eines Hochhauses. Drei Studenten aus Coburg wollen dies als Dienstleistung anderen Architekten anbieten. Diese Idee ist nicht neu - "aber wir sind besser", sagen die drei.
+3 Bilder
Am Anfang steht beim Architekten eine Skizze, es folgt der Plan. Doch die Zeichnungen auf dem Papier haben ein Problem: Der Laie kann sich meist nicht so recht vorstellen, wie das fertige Werk am Ende ausschauen soll. Deshalb gibt es inzwischen Computerprogramme, die aus den zweidimensionalen Plänen dreidimensionale Gebäude machen - zumindest auf dem Computerbildschirm. Möglich ist da vieles, und Kevin Gallas-Mayer zeigt es: Durch Räume wandern, die Lichtstimmung zu verschiedenen Tageszeiten darstellen - die Bilder auf Gallas-Mayers Laptop wirken wie Fotos von realen Räumen.

Sind es aber nicht. Gallas-Mayer und seine Studienkollegen Andreas Roppel und Ali Tarek Ali El-Elemi haben das alles nur simuliert, mit Hilfe von Computerprogrammen berechnet und in Bilder umgesetzt.

Immer schon haben Architekten versucht, ein möglichst realitätsnahes Bild zu zeigen von dem, was sie da erst noch bauen wollen.
Früher mit Zeichenfeder und Farbe, heute mit Hilfe von Computerprogrammen. Doch die Programme haben - trotz aller Rechenleistung - noch ihre Grenzen. Damit das Bild der virtuellen Realität am Ende überzeugt, "muss man ein Auge dafür haben", sagt Kevin Gallas-Mayer.

Jeder der drei hat andere Stärken: Gallas-Mayer ist der fürs Künstlerische, El-Elemi ist gut im dreidimensionalen Modellieren. Andreas Roppel ist der Fachmann für Lichtstimmungen und Oberflächen. Deswegen wirken ihre rein am Computer erzeugten Raumbilder so echt: An der Wand sind die Muster der Betonverschalung zu erkennen, die Balken werfen Schatten.

Wenn solche Simulationen gut aussehen sollen, beauftragen viele Architekten externe Büros - meist in Großstädten oder gar im Ausland, wie die drei erzählen. "Aber da ist der Austausch nicht so stark, und die Qualität ist nicht so gut", sagt Ali El-Elemi selbstbewusst. "Wir reden mit den Architekten, kommen auch ins Haus und beraten", ergänzt Kevin Gallas-Mayer. In Oberfranken gebe es noch keine Firma, die solche Dienstleistungen anbietet, und deshalb sehen sie Marktchancen. Immerhin: Zwei Aufträge haben sie schon.

Dass sie das können, was sie versprechen, haben sie schon an anderer Stelle bewiesen: El-Elemi und Gallas-Mayer gehörten zu dem Studententeam, das im Mai 2015 den VDI-Wettbewerb "Energieeffizientes Hochhaus" gewann. Beide stehen kurz vor ihrem Bachelor-Abschluss. Andreas Roppel hat sich ein verlängertes Praxissemester erlaubt und ein Jahr in der Schweiz und ein halbes in Dänemark gearbeitet, bevor er sein Studium in Coburg wiederaufnahm.

Aber die drei denken ja schon über das Studium hinaus. Da ist schon noch der Traum, einmal auch eigene Entwürfe umsetzen zu können. "Raumbild" haben sie ihre gemeinsame Firma einstweilen genannt, es gibt eine Homepage und viele Beispiele ihrer Arbeiten im Internet zu sehen. Nur für ein Büro fehlen ihnen noch die Mittel, obwohl sie sich natürlich auch mit der Frage befassen, ob für sie ein Existenzgründerprogramm in Frage kommt.
Noch sehen sie sich auch durchs Studium an Coburg gebunden. Aber theoretisch könnten sie ihre Dienstleistungen von überall her anbieten - und sprachlich auch. Deutsch und Englisch können sie sowieso. Kevin Gallas-Meyer, gebürtiger Brasilianer, spricht außerdem Portugiesisch, El-Elemi, aufgewachsen in Ägypten, kann Arabisch und Spanisch, der in Kasachstan geborene Andreas Roppel Russisch.

Dass sich die drei in Coburg getroffen haben, ist dem Studium geschuldet: Sie haben sich bewusst für Coburg entschieden, wegen der Qualität des Studiums, wegen der intensiven Betreuung durch die Dozenten. Ali Tarek Ali El-Elemi nennt einen weiteren Grund: "Ich kam 2010 hierher ins Studienkolleg, und die Designtage haben mich voll weggehauen."

Allein aufgrund der technischen Entwicklung wird das Visualisieren von Entwürfen immer mehr an Bedeutung gewinnen, sind die drei überzeugt. Computerspiele zeigen jetzt schon virtuelle Umgebungen, die wie echt wirken. Diese Entwicklung wollen die drei nicht nur abwarten. Was genau sie planen, verraten sie nicht. Nur so viel: Sie wollen vorn dabei sein.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren