LKR Coburg
Spielwarenmesse

Coburger Spielwarenbranche hat gut lachen

Die Hersteller aus dem Coburger Land profitieren zunehmend von der verbesserten Infrastruktur. Beim Plüsch-Spezialisten Heunec in Neustadt bei Coburg denkt man deshalb sogar darüber nach, im Firmen-Stammsitz wieder mehr Platz für ein Musterzimmer zu schaffen.
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Rainer Knauer von "rolly toys" und sein Verkaufsschlager in Nordeuropa: "Little Grey Fergie". Foto: Berthold Köhler
Rainer Knauer von "rolly toys" und sein Verkaufsschlager in Nordeuropa: "Little Grey Fergie". Foto: Berthold Köhler
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Schritt für Schritt scheint sich die verbesserte Verkehrsanbindung durch die Autobahn für die Spielzeughersteller aus dem Coburger Land auszuzahlen. Dies war eine Erkenntnis, die Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmidt von seinem Besuch auf der internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg mitgebracht hat.
Heinz Dransfeld (Geschäftsführer des Plüschartikelherstellers Heunec Neustadt) war es, der bei der Messe von einer selbst für ihn überraschenden Entwicklung berichtete: "Vier, fünf große Kunden waren im vergangenen Jahr zu Gesprächen bei uns in Neustadt", berichtete der Heunec-Chef. Das habe es schon lange nicht mehr gegeben. Als "spannend" stufte Dransfeld diesen Trend ein, erfreulich war für ihn zudem die Erkenntnis, dass auswärtige Gäste von der Verkehrsanbindung, der landschaftlichen Schönheit und Lebensqualität des Coburger Landes angetan waren. Die Tatsache, dass die Kunden die Spielzeug-Region Coburg neu schätzen lernen, lässt Heunec schon über eine Erweiterung des Show-Rooms in Neustadt nachdenken.
Derzeit befindet sich ein Heunec-Showroom noch als eine Art Dauerausstellung auf dem Nürnberger Messegelände. Aber was heißt "Showroom"? Die Neustadter Traditionsmarke hat einen Platz auf der "Königsallee" der Messe - in der Halle 12. "Diese Halle ist das Maß aller Dinge", sagte Dransfeld, dessen Nachbarn bei der Spielwarenmesse Weltfirmen wie Mattel, Revell, Playmobil und Lego sind. "Bis zu 60 Prozent des Jahresumsatzes", berichtete der Heunec-Geschäftsführer mache manch Unternehmen während der Messe in der repräsentativen 12er-Halle.


Eduplay: Langsam wachsen ist gut

In einer ganz anderen Sparte als die Traditionsmarke Heunec ist der Lautertaler Fachhändler Eduplay unterwegs. Die Firma von Geschäftsführer Holger Durst beliefert Fachhändler und Ausstatter für Kindergärten. 1800 Artikel hat die Firma in ihrem 340 Seiten dicken Katalog stehen, das meiste davon - da druckste Durst gar nicht groß herum - ist Importware aus dem Ausland. 2008 wurde die Firma gegründet, seitdem ist sie auf der Spielwarenmesse vertreten. Derzeit hat Eduplay rund 20 Mitarbeiter und setzt, erklärte Durst, auf "gesundes Wachstum". Dies sei der richtige Weg, meinte Wirtschaftsförderer Schmitz und verwies auf die Schwierigkeiten der schwer kalkulierbaren Spielzeugbranche: "Da ist es wichtig, sich Schritt für Schritt zu entwickeln."
Der nächste Schritt scheint bei Eduplay aber schon bald zu kommen. Durst - nach eigenem Bekunden ein "bekennender Lautertaler" - überlegt, ob seiner Firma vielleicht nicht ein bisschen mehr Platz gut tun würde. 4500 Quadratmeter Lagerfläche steht Eduplay derzeit in der "alten Papierfabrik" in Lautertal zur Verfügung. "Da könnte es bald knapp werden", verriet Durst.


rolly toys: Kein "Made in China"

In China produzieren zu lassen - das ist für "rolly toys" aus Neustadt zum Beispiel "völlig vom Tisch". Das sagte Exportleiter Rainer Knauer im Gespräch mit Schmitz. Mehr noch: "rolly toys" sieht China nicht als Produktionsland, sondern als Verkaufsmarkt. "100 Millionen Chinesen", rechnete das "rolly-toys"-Urgestein Knauer (39 Jahre Messe-Erfahrung), "können sich unsere Artikel leisten." Auf die Frage nach dem interessantesten Markt überraschte Knauer mit einer Antwort, wie aus der Pistole geschossen: Irland. Dreieinhalb Kinder habe dort die Durchschnittsfamilie - und ein Herz für Kinder. Und, ergänzte der Exportleiter: "Sie kaufen alles, was grün ist." Grün sind bei "rolly toys" die seit 1978 in Lizenz für den Traktorenhersteller John Deere gefertigten Tretautos.


Bei Müller ist jetzt Hochsaison

Reichlich gestresst ist Susanne Müller vom gleichnamigen Neustadter Festartikel-Spezialisten. "Spielwarenmesse und dann noch eine kurze Faschingssaison - das passt nicht gut zusammen", berichtete die Geschäftsführerin. Immerhin: Die Tatsache, dass der Fasching heuer Kurz ausfällt, hat keinen allzu großen Einbruch bei den Verkaufszahlen mit sich gebracht. Allerdings macht sich Müller grundsätzliche Gedanken um den Fasching als Hochsaison für sie und ihr bis zu 35 Mann starkes Team: "Wenn man sieht, wie viele großen Faschingsveranstaltungen im Coburger Land gestorben sind, dann sieht man schon, wo der Trend hingeht."


Und irgendwie will Weichelt doch hin

Wie Susanne Müller, so ertappt sich auch Michael Weichelt vom Ahorner Ausstatter für Kindergärten und Sporthallen manchmal bei der Frage, ob sich der Stress und der hohe finanzielle Aufwand für die Spielwarenmesse lohnen. Aber letztlich sagen beide fast wortgleich: Wer nicht in Nürnberg ist, der verpasst was. Und wenn es eher unerfreuliche Nachrichten sind - wie für Weichelt die Information, dass mit der Firma Erhard Sport einer der großen Sporthallenausstatter Deutschlands wohl vor dem endgültigen Aus steht.


Zapf: "Baby Born" ist auch schon 25 Jahre alt

Ein Kind des Coburger Landes feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag: die in Rödental erfundene "Baby Born"-Puppe von Zapf Creation.
Nach reichlich Wechseln im Management scheint die Aktiengesellschaft wieder zur Ruhe gekommen zu sein. Martin Rogler, Vizepräsident und seit dem Jahr 2011 bei Zapf fürs Marketing zuständig, berichtete jedenfalls auf der Spielwarenmesse: "Wir schreiben seit Jahren wieder schwarze Zahlen." Neben dem "Baby Born"-Klassiker - der ein Facelift und sogar eine ältere Schwester bekommen hat - setzt Zapf Creation in seiner Produktpalette auf Technik im Innern der Puppen: Einige von ihnen können sogar "richtig" aufs Töpfchen gehen oder mit einer App an ein Tablet gekoppelt werden.
Produziert wird in Rödental zwar schon einige Zeit nicht mehr, aber zumindest kommen "Ideen und Design" der "Baby Born"-Serie immer noch aus dem Coburger Land. Wie Wolfgang Hoffmann am Zapf-Messestand zudem noch erklärte, sind die "Baby Born"-Puppen ein Dauerbrenner: Rund 20 Millionen Exemplare der Funktionspuppe wurden in den vergangenen 25 Jahren verkauft. Neu auf den Markt hat Zapf im Jubiläumsjahr eine Serie mit Säuglingsspielzeug - angelehnt an "Baby Born" - gebracht.

"Wir schreiben hier keine Aufträge, aber wir pflegen Kontakte, treffen vielleicht Neukunden und Lieferanten - deshalb lässt sich der Erfolg der Spielwarenmesse für uns in Zahlen nicht messen."
Susanne Müller
Müller Neustadt

"Kleinere Firmen haben weniger Entscheider als große Firmen. Das ist der Vorteil des Mittelstandes."
Heinz Dransfeld
Heunec Neustadt

"Natürlich sitzt man manchmal da und wartet. Da muss man sich sagen: Wer weiß, vielleicht kommt irgendwann mal ein Großabnehmer aus Australien vorbei."
Michael Weichelt
Weichelt Markisen Ahorn

"Wir sind Fachhandelspartner. Das Geschäft mit den Endkunden ist uns viel, viel zu schwierig."
Holger Durst
Eduplay Lautertal

"Im Sommer war das Wetter zu schön. Ich habe keine andere Erklärung, warum das Geschäft da so schlecht lief. Dafür lief es zu Weihnachten toll."
Rainer Knauer
"rolly toys" Neustadt
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