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Coburg
Mittelschulen

Coburger Schulamt geht auf M-Kurs

M-Kurse statt M-Klassen verärgern die Eltern. Die Schüler könnten am Notendurchschnitt scheitern.
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Wer einen M-Kurs besucht, bleibt an seiner Heimatschule und muss nicht mit dem Schulbus bis nach Coburg fahren.  Foto: Archiv/dpa
Wer einen M-Kurs besucht, bleibt an seiner Heimatschule und muss nicht mit dem Schulbus bis nach Coburg fahren. Foto: Archiv/dpa
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Es soll im kommenden Schuljahr keine M-Klassen mehr geben! Weder in der Stadt noch im Landkreis. Außer sich vor Wut kommt die Mutter eines betroffenen Schülers in die Redaktion. Ihr Sohn besucht die 6. Klasse einer Mittelschule im südlichen Landkreis und hat den erforderlichen Notendurchschnitt von 2,66 in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch erreicht. Damit hat er die Eintrittskarte, um seine schulische Laufbahn bis zur Mittleren Reife einzuschlagen. Doch jetzt will das Schulamt ihrem Sohn einen Strich durch die Rechnung machen. Glaubt sie.
Unsere Recherche relativiert die Einschätzung der Mutter. Schulamtsleiter Werner Löffler bestätigt zwar, dass es im Schuljahr 2017/18 keine M-Klasse im Mittelschulverband Coburg Stadt und Land geben wird, dafür aber so genannte M-Kurse in Seßlach, Untersiemau und der Stadt Coburg. Die Gründe hierfür liegen in der Zusammensetzung der Schüler.
"Nach dem Kooperationsvertrag müsste die M-Klasse in Coburg an der Heiligkreuzschule angesiedelt sein, doch die meisten Schüler kommen aus Seßlach und Untersiemau", erläutert Löffler. Zudem sei ein Rollstuhlfahrer dabei, der in Seßlach in einer barrierefreien Schule unterrichtet wird, was in Coburg nicht so einfach zu bewältigen wäre.
Aus ganz praktischen Gründen habe sich deshalb das Schulamt dazu entschlossen, M-Kurse an den Vor-Ort-Mittelschulen anzubieten. Auch in Unterfranken und in Oberbayern wird so verfahren, betont der Schulrat.
Im Unterschied zu den M-Klassen werden die Schüler in den M-Kursen in Regelklassen unterrichtet und schreiben auch die Arbeiten der Regelschüler mit. Sie müssen nicht mit dem Schulbus nach Coburg fahren und werden durch Zusatzunterrichtsstunden und durch den Klassenlehrer besonders gefördert.


Ungerecht

So weit, so gut. Aber die Kurse haben einen Haken: Da die Schüler als Regelschüler gelten, benötigen sie für den Übertritt von der 7. zur 8. Klasse (M) einen Notendurchschnitt von 2,33. Die Betroffenen und die Eltern halten das für eine große Ungerechtigkeit. Immerhin waren die Voraussetzungen am Ende der 6. Klasse bereits erfüllt. Insbesondere die 7. Klasse sei für die Jugendlichen oft schwierig, da sie sich mitten in der Pubertät befinden.
Werner Löffler kennt die Argumente der Eltern, die bei einer nicht-öffentlichen Aussprache am Dienstag in Untersiemau auch noch einmal deutlich vorgetragen wurden. Doch er kann an den Regeln nichts ändern. Der Schnitt von 2,33 nach der 7. Klasse ist bayernweit so festgelegt. Der Schulrat findet es jedoch auch vollkommen richtig so. "Wer die leichteren Regelarbeiten mitschreibt, zusätzlich gefördert wird und dann die 2,33 nicht schafft, der braucht auch keine M-Klasse besuchen", ist er überzeugt. "Wir können das Niveau doch nicht immer tiefer schrauben, schließlich wollen wir gut vorbereitete, junge Menschen fit für die Wirtschaft machen", sagt Löffler.
Die M-Kurse seien ein Kompromiss, der allen gerecht wird, ist Löffler überzeugt: Den Schülern, die die weiten Fahrten durch den Landkreis nicht auf sich nehmen müssen, insbesondere der Rollstuhlfahrer, der in "seiner" barrierefreien Schule in Seßlach bleiben kann. Auch profitierten die Siebtklässler davon in der gewohnten Umgebung bei den Lehrkräften zu bleiben, die sie kennen. Ob es auch Änderungen im Mittelschulverband "Rund um den Prälax" geben wird, wollte der Schulrat noch nicht sagen. "Wir stecken mitten drin in der Klassenfindung." In der kommenden Woche soll es eine Pressekonferenz geben, in der die Neuerungen im Mittelschulverbund detailliert erläutert werden.

Mittelschule Strukturen und Angebote
Mittelschulverbund Coburg Stadt und Land

Rückertschule Coburg , Heiligkreuzschule Coburg, Am Lauterberg, Bad Rodach, Seßlach, Untersiemau
Verbundkoordinator
Rektor Helmut Dillig, Mittelschule Seßlach

Mittelschulverbund "Rund um den Prälax"
Ebersdorf, Sonnefeld, Rödental-Oeslau, Neustadt "Am Moos"
Verbundkoordinator
Rektorin Heike Stegner-Kleinknecht, Mittelschule Neustadt "Am Moos"
Mittlere-Reife-Zug, auch M-Zug, M-Zweig oder M-Klasse, ist ein Teil des bayerischen Schulsystems. Das "M" steht für mittlere Reife. Der M-Zug wurde an vielen Hauptschulen als Alternative für die 4-stufige Realschule im Schuljahr 1999/2000 eingeführt.
Der M-Zug beginnt in der siebten (M7) und endet in der zehnten Klasse (M10). Er schließt mit der Abschlussprüfung zum mittleren Schulabschluss ab. Der Lehrplan im M-Zug entspricht bis zur Jahrgangsstufe 9 dem der Hauptschule, wird jedoch besonders in den Hauptfächern etwas intensiviert. Außerdem sollen M-Schüler dazu befähigt werden, komplexere Aufgabenstellungen selbstständig zu lösen (erhöhtes Anforderungsniveau).
Der eigentliche Realschulstoff wird ausschließlich in der zehnten Jahrgangsstufe unterrichtet, um auch Hauptschülern und Quereinsteigern, die Möglichkeit zu bieten, Anschluss zu finden. Alle Schüler des Verbunds haben das Recht, die entsprechenden Angebote an einer Schule des Verbunds,
vorrangig im bisherigen Schulsprengel, zu besuchen. Dafür gilt die Kostenfreiheit des Schulwegs.

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