Coburg
Lebensmittel-Skandal

Coburger Schlachthof: Bewährung für die Angeklagten?

Vor dem Landgericht hat am Montag der Prozess um die dunklen Machenschaften am mittlerweile geschlossenen Coburger Schlachthof begonnen.
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Symbolbild Foto: Dagmar Besand
Symbolbild Foto: Dagmar Besand
Vorsitzender Richter Gerhard Amend bemüht sich um eine sachlich-entspannte Verhandlungsatmosphäre. Bevor es in die Befragung der Angeklagten geht, werden die persönlichen Verhältnisse geklärt.

Ludwig Dellert, geboren 1962, Fleischgroßhändler, Michael Klein, geboren 1952 in Arnstein, Tierarzt und zuletzt Betriebsleiter im Coburger Schlachthof, Heike Klein, geboren 1958 in Bremen, als Amtstierärztin tätig am Schlachthof.

Gut eine Dreiviertel Stunde lang verliest Staatsanwalt Gruppenleiter Christian Pfab zu Beginn die Anklage: Betrug in 17.208 Fällen wird Ludwig Dellert vorgeworfen, ein Schaden von knapp 940.00 Euro - aber die Zahlen sind geschätzt. Sie zu beweisen, dürfte schwierig werden. Das ist auch der Staatsanwaltschaft bewusst. Ein Gutachter soll am vierten oder fünften Prozesstag gehört werden, um genauere Werte zu bringen. Die beiden Tierärzte Klein sollen Beihilfe zum Betrug geleistet haben. Betrogen wurden der Anklage zufolge Kunden und Lieferanten von Ludwig Dellert. Den Kunden wurde Fleisch verkauft, dass nicht als "genusstauglich" gekennzeichnet war, den Lieferanten wurde zuwenig Gewicht von ihren Schlachttieren berechnet, so heißt es in der Anklageschrift.

Zwei Gespräche zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung hat es im Vorfeld gegeben. Dabei wurde natürlich auch besprochen, was die Angeklagten erwarten können, wenn sie ein Geständnis ablegen. Zwei Jahre auf Bewährung für Ludwig Dellert, ein Jahr auf Bewährung für Michael Klein, eine Geldstrafe für Heike Klein seien für die Staatsanwaltschaft tragbar, berichtet Vorsitzender Richter Gerhard Amend.

Der Grund: "Die Behörden haben in erheblichem Rahmen Kontrollmaßnahmen unterlassen", sagt Amend. Nur einmal habe die Landesanstalt für Landwirtschaft ein Zwangsgeld angedroht, weil Dellert zu viel Fleisch vorm Wiegen wegschneiden ließ. Dass dem so war, hätte die Landesanstalt gewusst - "wir haben hier einen Karton voller Protokolle". Die Prüfer vom Fleischprüfring hätten regelmäßig vermerkt, dass zu viel weggeschnitten wurde. Damit sollen die Rinderlieferanten um insgesamt über 700.000 Euro geschädigt worden sein.

Von weitaus größerem Interesse dürfte für die zahlreichen Zuhörer sein, an wen denn das Fleisch ging, dass Dellert nach der Fleischbeschau gar nicht mehr hätte verkaufen dürfen. "Elf gutgläubige Abnehmer" habe es gegeben, führt der Staatsanwalt aus. Er nennt aber lediglich die Namen der Abnehmer, die Orte dazu nicht. Betroffen waren Fleischereien, Gaststätten und Imbissbetriebe in Thüringen und Franken.

Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass das fragliche Fleisch "genussuntauglich" war, betont Richter Amend, bevor er in den eigentlichen Prozess einsteigt. Es hatte lediglich nicht den Stempel "verkehrsfähig". Dellert hatte Keulen, die als "genussuntauglich" gekennzeichnet waren, trotzdem noch auslösen lassen - zumindest die Fleischteile, die erkennbar nicht beschädigt waren. Das Fleisch verkaufte er zum regulären Preis; die meisten seiner Abnehmer wussten nichts davon. Daneben gab es noch fünf Kunden, die wussten, dass das Fleisch aus nicht freigegebenen Keulen stammte. Gegen diese Kunden wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft ebenfalls ermittelt.

Die Ermittlungen gegen Dellert waren im Juni 2013 ins Rollen gekommen, nachdem das Magazin "Quer" über die Praxis hatte, dass bei Dellert ausgesonderte Keulen noch verarbeitet wurden. Aus der zunächst verfügten Schließung des Coburger Schlachthofs wurde eine dauerhafte.
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