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Coburg
Betrug

Coburger Modell: Alarm, wenn jemand ums Haus schleicht

Einem besonders perfiden Trick ist ein Senior in Coburg zum Opfer gefallen. Weil er Teilnehmer am Hausnotruf-System des ASB ist, hat der Wohlfahrtsverband nun beschlossen, eine Kooperation mit der Kriminalpolizei einzugehen.
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Vorsicht, wenn Unbekannte Zutritt zur Wohnung wünschen! Eine Sperrkette kann hilfreich sein.  Foto: edbockstock/fotolia.com
Vorsicht, wenn Unbekannte Zutritt zur Wohnung wünschen! Eine Sperrkette kann hilfreich sein. Foto: edbockstock/fotolia.com
Alexandra Müller vom ASB kann es noch immer nicht fassen: Ein Senior, der am Handgelenk den Notrufknopf trägt, wurde Opfer zweier Betrüger. Ihm entstand dabei ein Schaden in Höhe von mehreren tausend Euro. Hätte der Mann rechtzeitig erkannt, dass er von Kriminellen übers Ohr gehauen werden soll, dann wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, per Notruf den Arbeiter-Samariter-Bund zu alarmieren und - neuerdings - über den ASB die Kriminalpolizei.

Was genau passiert ist, erzählt Eugen Hügle von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle. "Einer der Betrüger hatte bei dem 87 Jahre alten Mann geklingelt und ihn nach Altmetall und nicht mehr funktionstüchtigen Elektrogeräten gefragt, die er angeblich kaufen wollte." Der Senior erinnerte sich, dass im Keller noch ein alter Gefrierschrank stand. Also gingen die beiden dorthin. Zuvor hatte der Unbekannte noch seinem Komplizen unbemerkt den Zugang zur Wohnung des alten Mannes ermöglicht, damit er in aller Ruhe nach Geld oder Wertsachen suchen kann. "Schließlich hat er Schmuck im Wert von 3000 Euro gestohlen", sagt Eugen Hügle.

Der Mann im Keller wollte den Gefrierschrank, der 50 Euro kosten sollte, angeblich mit einem 500-Euro-Schein bezahlen. Der 87-Jährige konnte auf eine so große Summe jedoch nicht herausgeben. Unter dem Vorwand, den großen Schein wechseln zu wollen, verschwand der Betrüger.

Das Schlimmste an der Sache sei gewesen, ergänzt Alexandra Müller, dass es sich um den Schmuck der verstorbenen Frau des alten Mannes handelte. "Er hatte danach einen großen Gesprächsbedarf." Deshalb kam die ASB-Mitarbeiterin auf die Idee, mit der Polizei zusammenzuarbeiten - über den Hausnotruf. Zwar habe der Notruf dem 87-Jährigen nichts genützt, weil er den Betrug erst gar hinterher bemerkt hat. Aber es gebe andere Situationen, wo der kleine Knopf am Handgelenk oder an der Kette um den Hals gute Dienste leisten könne - nicht nur bei gesundheitlichen Problemen.

Notruf auch bei Bedrohung

"Zum Beispiel, wenn ein Unbekannter ums Haus schleicht oder klingelt, um Einlass bittet und sich verdächtig verhält. Wenn man nicht sprechen kann, reicht es auch schon, nur einen Notruf abzusetzen, dann kommt jemand von uns vorbei", sagt Alexandra Müller. Im Falle einer Bedrohung kann die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter beim ASB sofort die Polizei informieren.

Neu ist, dass Arbeiter-Samariter-Bund und Kriminalpolizei nun eine Informationskarte für die Teilnehmer am Notrufsystem erarbeiten. "Damit wollen wir Senioren über die Maschen der Täter aufklären - auch darüber, was gerade aktuell ist", erläutert Alexandra Müller. Außerdem gebe es Aufkleber mit der Aufschrift "Meine Wohnung ist Hausnotruf-gesichert" - quasi zur Abschreckung. Eugen Hügle rät darüber hinaus, niemand Fremdes in die Wohnung zu lassen. "Sinnvoll ist es auch, eine Sperrkette an der Tür anzubringen." Stehen vermeintliche Polizeibeamte davor, dann sollte man sich stets den Dienstausweis zeigen lassen und ihn in Ruhe anschauen. "Es kann auch etwas nützen, nach der Dienststelle zu fragen und dort anzurufen."

Wer Fragen habe oder etwas mitteilen möchte - zum Beispiel über einen neuen Trick -, der kann sich an Eugen Hügle unter Telefon 09561/645424, Fax 645428, E-Mail: eugen.huegle@polizei.bayern.de wenden oder einfach im Büro, Allee 3, vorbeikommen.

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