LKR Coburg
Lebensräume

Coburger Maschen im BayernNetzNatur

Seit 30 Jahren fördert der Freistaat gezielt Projekte für einen landesweiten Biotopverbund. Eine ganze Reihe finden sich im Coburger Land.
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Frank Reißenweber zeigt auf die Heiligenleite, eines der fünf großen BNN-Projekte im Coburger Land. Foto: Rainer Lutz
Frank Reißenweber zeigt auf die Heiligenleite, eines der fünf großen BNN-Projekte im Coburger Land. Foto: Rainer Lutz
Im Jahr 1986 hat das Bayerische Umweltministerium am Sallingbach im Landkreis Kelheim das erste Projekt zur Realisierung eines bayernweiten Biotopverbunds gestartet. Es war die Geburtsstunde von BayernNetzNatur (BNN). Zum Jubiläum brachte das Umweltministerium, eine Broschüre mit ausgewählten Naturschutzprojekten aus 30 Jahren BayernNetzNatur heraus. Unsere Region spielt für den Biotopverbund eine gar nicht so kleine Rolle.
Hinter BayernNetzNatur steckt eine so einfache wie wirkungsvolle Grundidee. Durch die engmaschige Verknüpfung der Biotope in ganz Bayern soll der Austausch der Tiere und Pflanzen gefördert und damit die biologische und genetische Vielfalt gesichert werden.
Im Landkreis Coburg sind es bisher fünf größere und zwei kleinere Projekte, die mit Unterstützung zahlreicher Akteure umgesetzt wurden. Bayernweit betrachtet ist mittlerweile sogar ein Biotopverbundnetz aus über
400 BayernNetzNatur-Projekten geknüpft.
Die Projekte kümmern sich um artenreiche Moore im Alpenvorland ebenso wie um die kargen Trockenrasen der Fränkischen Alb oder die blumenbunten Bergwiesen der Rhön. Vielfältig sind auch die Akteure: Es sind vor allem Naturschutz- und Landschaftspflegeverbände sowie Landkreise, Städte und Gemeinden vor Ort, die die Projekte mit Leben füllen. Beteiligt sind darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Institutionen und
Gruppierungen, wie etwa Vertreter von Land- und Forstwirtschaft.


Produktive Projekte

Viele Lebensräume sind auf eine Bewirtschaftung angewiesen, damit der Artenreichtum erhalten bleibt. Als positiver Nebeneffekt wird in den BayernNetzNatur-Projekten ein breites Sortiment an hochwertigen Produkten erwirtschaftet: etwa "Karpfen pur Natur" aus dem Aischgrund und Weiderind aus dem Günztal oder "Schlaraffenburger Apfelsaft" von den Aschaffenburger Streuobstwiesen und Emmerprodukte von den Langen Bergen im Coburger Land.
Die Naturschätze und BayernNetzNatur-Projekte im Landkreis Coburg, das Rodachtal, die
Langen Berge und das Steinachtal werden im gleichnamigen 8207 Hektar großen Naturschutzgroßprojekt am Grünen Band fortgeführt. Auf einer Länge von 126 Kilometern wird der ehemalige Todesstreifen als Rückzugsort und gleichzeitig als Verbundachse für seltene Tiere und Pflanzen gesichert und entwickelt. Diese langfristige Aufgabe übernimmt der eigens hierfür gegründete Zweckverband.
Ein weiteres bedeutendes BayernNetzNatur-Projekt betreuen der Landkreis und die Stadt Coburg gemeinsam: Die "Wiesenbrüterlebensräume westlich Coburg bis zur Landesgrenze", mit dem Naturschutzgebiet "Vogelfreistätte Glender Wiesen mit Goldbergsee bei Coburg" als Kerngebiet, gelten als das beste Wiesenbrütergebiet Oberfrankens.
Frank Reißenweber, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Coburger Land, erinnert an die beiden bereits aus der ersten Phase von BayernNetzNatur stammenden Projekte am Biberbach bei Sonnefeld und Weidhausen. Der Landschaftspflegeverband kümmert sich unter anderem auch um die Pflege von BNN-Projektflächen. Dabei wird im Rahmen der Landschaftspflegerichtlinie des Freistaates auch der Gedanke an eine Vernetzung von geeigneten Flächen verfolgt, wo immer das verträglich möglich wird.
Darum bemüht sich auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) ständig, wie Geschäftsführer Alexander Ulmer bestätigt. Wenn es darum geht, Gebiete zu vernetzen oder zu vergrößern, setzt der LBV vor allem auf staatliche Flächen. "Wir arbeiten relativ viel mit dem Forstbetrieb Coburg der Bayerischen Staatsforsten zusammen", erklärt er. Aber auch andere Naturschutzverbände bringen Flächen ein, etwa die Wildland-Stiftung, die dem Landesjagdverband nahe steht.


Freiwilligkeit und Kooperation

Bei aller Vielfalt basieren die Projekte auf zwei gemeinsamen Grundprinzipien, die für den Erfolg ganz wesentlich sind: Freiwilligkeit und Kooperation.
"Freiwilligkeit" bedeutet, dass auf hoheitliche Maßnahmen wie die Ausweisung von Schutzgebieten verzichtet wird. Der Freistaat Bayern unterstützt BayernNetzNatur vielmehr im Rahmen verschiedener Förderprogramme, zum Beispiel des Vertragsnaturschutzprogramms oder der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien. Auch Gelder des Bayerischen Naturschutzfonds stehen für die Umsetzung von BayernNetzNatur zur Verfügung.
"Kooperation" steht für die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure vor Ort. Dazu gehören Landnutzer, Grundeigentümer, Kommunen, Verbände und Behörden, aber auch interessierte Bürger. Dahinter steht die Überzeugung, dass sich Naturschutzprojekte nur dann erfolgreich umsetzen lassen, wenn alle relevanten Institutionen "an einem Strang ziehen".
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