Coburg
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Coburger Klassik-Open-Air verzaubert das Publikum

Zwischen bangen Blicken zum Himmel und traumhaft schönen Melodien - so erleben Tausende von Musikfans bei freiem Eintritt das Klassik-Open-Air im Coburger Rosengarten. "Gershwin and Friends" lautet das Motto des Abends.
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Opern-Traumpaar: Betsy Horn als Mimi und José Manuel als Rodolfo begeisterten das Coburger Publikum mit Ausschnitten aus Puccinis "La Bohème". Fotos: Albert Höchstädter
Opern-Traumpaar: Betsy Horn als Mimi und José Manuel als Rodolfo begeisterten das Coburger Publikum mit Ausschnitten aus Puccinis "La Bohème". Fotos: Albert Höchstädter
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Manche Geschichten erzählen sich vom Ende her scheinbar ganz einfach - und stecken doch am Anfang voller Fragezeichen. "Unter Donner und Blitz" - diese Strauß-Polka als obligatorische Zugabe klang schon bei manchem Klassik-Open-Air-Konzert des Landestheaters im Coburger Rosengarten wie eine kurze Zusammenfassung des Wetterberichts. In diesem Jahr aber wurde "Unter Donner und Blitz" zum heiteren Kommentar zu einem Ereignis, das zum Glück dann doch nicht eingetreten war.

Damit der Regen keine Chance hat

"Hält das Wetter" - noch eine halbe Stunde vor Beginn des Konzerts blickten Intendant Bodo Busse und Oberbürgermeister Norbert Tessmer gemeinsam mit leichter Sorge in den aufklarenden Himmel. Drei Stunden später war das Wetter ein Thema, über das man schon wieder erleichtert schmunzeln konnte.
So, als hätte Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig tatsächlich Recht mit seiner These: "Wir hatten uns heute vorgenommen, Gershwins ,Kubanische Ouvertüre' so feurig zu spielen, dass der Regen keine Chance hat."


Kluttigs Hymne auf die Macht der Musik - sie ließe sich an diesem Abend freilich auch noch in ganz anderer Weise interpretieren. Zum Beispiel als Macht, Tausende von Zuhörern von den ersten Takten an regelrecht in Bann zu ziehen. Open-Air-Konzerte haben bekanntlich ihre ganz eigenen Regeln - von der Kleidung bis zur Programmauswahl. Viele Besucher hatten sich vorsorglich wetterfest ausgestattet und im Zweifelsfall lieber einen Klappstuhl als eine Picknick-Matte eingepackt.


Unter dem Motto "Gershwin and Friends" hatte Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig ein kurzweiliges Programm zusammengestellt, das dem Anlass entsprechend bunt und populär war, gleichwohl aber auch thematische Zusammenhänge und Anknüpfungspunkte bot.


Die "Kubanische Ouvertüre" von George Gershwin bildete den flotten Auftakt des Abends. Schon hier bewies das Philharmonische Orchester seine Stilsicherheit, die sich dann bei der Tondichtung "Ein Amerikaner in Paris" ebenso bewährte wie bei dem populären Walzer aus der 2. Jazz-Suite von Dmitri Schostakowitsch.


Wer ein Open-Air-Konzert besucht, sollte gewiss keine perfekte Konzertsaal-Akustik erwarten. Dennoch überzeugte die Beschallung des Rosengartens über gut verteilte Lautsprecher-Batterien durch eine weitgehend ausgewogene Klangverstärkung. Neben den gut präsenten Blechbläsern waren auch die Holzbläser sowie die Streicher auf den meisten Plätzen gut abgestimmt zu hören.


Dafür sorgte aber nicht zuletzt auch Roland Kluttig am Dirigentenpult. Unter seiner Leitung agierte das Philharmonische Orchester bei Gershwins Orchesterstücken ebenso musizierfreudig wie bei der fünfteiligen Suite "Maskerade" aus der Feder von Aram Chatschaturian. Beste Werbung für die gelungene Neuinszenierung von Giacomo Puccinis Oper "La Bohème" machten die Sopranistin Betsy Horne als Mimi und der Tenor José Manuel als Rodolfo mit ihren Arien und dem Duett aus dem ersten Akt, die ebenso schwelgerisch wie ausdrucksvoll gerieten.

Strauß zum Abschluss

Im zweiten Teil faszinierte Betsy Horne dann mit ihrer Deutung von Gershwins Evergreen "Summertime". Und der Bassist Michael Lion erntete reichlich Applaus mit "I got plenty o' nuttin'" und Jerome Kerns Hit "Ol' man river" aus dem Musical "Showboat".


Der perfekte "Rausschmeißer" war dann die "Rumänische Rhapsodie" aus der Feder von George Enescu. "Das Orchester wird sich jetzt in eine riesige Balkan-Pop-Kapelle verwandeln", versprach Roland Kluttig - und das Orchester hielt Wort.
Ganz zum Schluss nutzten Kluttig und das Philharmonische Orchester die Gelegenheit, mit zwei der drei Zugaben Werbung in eigener Sache zu machen.
Die Strauß-Polka "Unter Donner und Blitz" und der fast schon obligatorische Radetzky-Marsch dienten als klingende Vorschau auf das Neujahrskonzert, das in Coburg traditionell am 6. Januar stattfindet und im nächsten Jahr erstmals vom Philharmonischen Orchester des Landestheaters gestaltet wird.

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