Coburg
Gastspiel

Coburger Industrie-Symphonie beeindruckt mit Gästen aus Bamberg

Coburg erlebt die Premiere eines spannenden neuen Konzertformats der Bamberger Symphoniker. "Industrie Symphonie" lautet das Motto des Abends. Der Erlös geht an den Spendenverein "Franken helfen Franken".
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Als Finale musizierten die Mitglieder der Bamberger Symphonie das Streichoktett Es-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy. Foto: Barbara Herbst
Als Finale musizierten die Mitglieder der Bamberger Symphonie das Streichoktett Es-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy. Foto: Barbara Herbst
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Dieser Abend wird zum schönen Kompliment für die Kulturstadt Coburg. Die Bamberger Symphoniker erproben ein innovatives neues Konzertformat - freilich nicht in der heimischen Domstadt, sondern 50 Kilometer weiter nördlich in der Vestestadt. "Industrie Symphonie steht in kantigen grauen Lettern ganz oben auf dem Programmzettel - und der Abend bietet dann genau das, was dieses Etikett verspricht: Musik im Industrie-Ambiente.


Spannendes Programm

"Das soll der Auftakt für ein neues Format werden", sagt Symphoniker-Intendant Marcus Rudolf Axt am Rande des Premieren-Abends bei Brose. Musik dorthin bringen, wo sie eigentlich gar nicht daheim ist - das ist das Konzept der neuen Reihe, das in Zusammenarbeit mit der Mediengruppe Oberfranken (MGO) entwickelt wurde.
"So etwas haben Sie noch nicht erlebt" verspricht denn auch die Ankündigung auf dem Programm. Barock und Moderne, Bach und Ligeti an einem Abend ist sicher nicht die Norm im Konzertleben. Der entscheidende Faktor aber ist der Raum. In diesem Fall: das Foyer des Gebäudes 25 von Brose, das sich für diese "Industrie Symphonie" in einen Konzertsaal verwandelt, der sich zudem noch überraschend variabel bespielen lässt.

Auf dem Podium im Parkett sowie auf den Galerien im ersten und zweiten Stockwerk musizieren Mitglieder der Bamberger Symphoniker in wechselnder Besetzung ein kontrastreiches, ebenso spannendes wie klangvolles Programm.

Zum Auftakt: ein Frühwerk des ungarischen Avantgardisten György Ligeti. Seine "Sechs Bagatellen für Bläserquintett" aus dem Jahr 1953 sind ein schönes Beispiel dafür, wie spielfreudig und virtuos moderne Musik klingen kann. Schon hier beweisen die Mitglieder Bamberger Symphoniker, dass sie auch in kammermusikalischer Besetzung dem internationalen Renommee ihres Orchesters gerecht werden.

Drei Fugen aus Bachs "Kunst der Fuge" und der (ursprünglich nicht zur Sammlung gehörige) Choral schweben beinahe schwerelos und in Streichquartett-Besetzung wunderbar transparent gespielt von der ersten Etage herab ins Foyer. Dazwischen wird eines der bekanntesten Werke des amerikanischen Musik-Pioniers Charles Ives regelrecht zum Licht- und Klangereignis: "The Unanswered Question". Hannes Krämer dirigiert die drei Instrumentengruppen, die - wie vom Komponisten gewünscht - in diesem Fall tatsächlich räumlich voneinander getrennt musizieren: Streicher, Holzbläser und die einsame Solotrompete, die ihre unbeantwortete Frage von der zweiten Etage herab erklingen lässt.


Zauberhafte Romantik

György Ligetis "Poème Symphonique für 100 Metronome" eröffnet dann mit hundertstimmigem Ticken den zweiten Teil. Das Skandal-Potenzial dieses "Poèmes" ist längst Geschichte - geblieben ist die Faszination des oszillierenden Klangteppichs der 100 gleichzeitig tickenden Metronome, die nach und nach verstummen.
Vor und nach Ligetis Metronomen ist freilich Platz für üppigen Streichersound. Zunächst für Giacomo Puccinis "Crisantemi". Ein Quartett um Konzertmeister Bart Vandenbogaerde musiziert dieses Stück als verführerisch wohlklingenden Klagegesang.

Zauberhafte Romantik dann zum Ausklang - das Streichoktett Es-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy aus dem Jahr 1825. Die Mitglieder der Bamberger Symphoniker spielen dieses Meisterwerk des damals 16-jährigen Mendelssohn genau so, wie sich das Komponist dies gewünscht hat - "im Style eines symphonischen Orchesters".

Mit Klangfülle und Klangsinnlichkeit wird das Oktett zum perfekten Finale eines außergewöhnlichen Konzerts. Und das Konzert selbst zum Auftakt einer ambitionierten neuen Reihe, die voraussichtlich im Frühjahr in Bamberg fortgesetzt werden soll. Der Auftakt in Coburg jedenfalls endet mit begeistert ausdauerndem Applaus.



Die Industrie Symphonie und ihre Interpreten


Industrie-Symphonie Der Auftritt der Bamberger Symphoniker unter dem Motto Industrie-Symphonie war ein Benefiz-Konzert, dessen Erlös für Franken helfen Franken, den Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken, bestimmt ist. Für Februar oder März 2016 ist eine Fortsetzung der "Industrie-Symphonie in Planung.

Mitwirkende Mitglieder der Bamberger Symphoniker
Ursula Haeggblom (Flöte), Marcos Fregnani-Martins (Flöte), Johanna Stier (Oboe), Christoph Müller (Klarinette), Yuka Sukeno (Fagott), Miriam Zimmermann (Horn), Markus Mester (Trompete), Bart Vandenbogaerde (Violine), Melina Kim-Guez (Violine), Aki Sunahara (Violine), Quinten de Roos (Violine), Lois Landsverk (Viola), Yumi Nishimura (Viola), Matthias Ranft (Violoncello), Katja Kuen (Violoncello), Georg Kekeisen (Kontrabass), Hannes Krämer (Dirigent)


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