Coburg
Diskussion

Coburger "Globe": Die Kosten explodieren

Der vom Stadtrat bevorzugte Rundbau wird wohl deutlich teurer als gedacht - zumal auch noch ein Stück von der Angerhalle benötigt wird.
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Blickfang auf dem Anger: Während im runden "Globe" Theater gespielt wird, könnte die angrenzende "Rest-Halle" für Probe- und Lagerräume genutzt werden. Animation: Daberto & Kollegen
Blickfang auf dem Anger: Während im runden "Globe" Theater gespielt wird, könnte die angrenzende "Rest-Halle" für Probe- und Lagerräume genutzt werden. Animation: Daberto & Kollegen
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Vorhang auf zum nächsten Akt im Drama "Ausweichspielstätte gesucht". Nachdem sich eine Mehrheit des Coburger Stadtrats einen hölzernen Rundbau nach dem Vorbild des "Globe Theatre" in London wünscht, müssen jetzt noch Machbarkeit und Finanzierung geklärt werden - im Januar soll der Stadtrat final entscheiden. Bis dahin ist es aber noch ein steiniger Weg. Das wurde am Mittwoch im Bausenat deutlich.


7,5 Millionen reichen wohl nicht

Das Tageblatt hatte bereits vergangene Woche berichtet, dass sich auf die "Globe"-Ausschreibung mehrere Interessenten gemeldet haben. Die Machbarkeit ist somit gegeben. Doch bei den Kosten bleiben Fragezeichen. Die vom Stadtrat fixierte Obergrenze von 7,5 Millionen Euro lässt sich wohl kaum einhalten.

Im Bausenat gab Hochbauamtsleiter Peter Cosack die aktuellen Pläne lediglich "zur Kenntnis". Eine Diskussion darüber war ausdrücklich nicht vorgesehen. Es wurden auch öffentlich gar keine Zahlen genannt. Doch dann platzte es trotzdem aus Mathias Langbein von der Fraktion "Sozial und bürgernah für Coburg" heraus: "Ich bin platt. Die Kosten laufen uns davon. Da gehe ich auf keinen Fall mit." Sofort wurde er von mehreren Senatsmitgliedern in die Schranken gewiesen: Keine Diskussion in der öffentlichen Sitzung! Vielen, so scheint es, hängt das Projekt derart am Herzen, dass sie es nicht vorschnell zerreden lassen wollen. So ist für nächste Woche eine weitere Zusammenkunft der eigens gebildeten Arbeitsgruppe aus Vertretern von Stadtverwaltung, Theater und Stadtrat geplant. Dann soll - nicht öffentlich - weiter nach einer Lösung gesucht werden.

Die "Globe"-Lösung ist laut Peter Cosack auch deshalb aufwändiger als zunächst gedacht, weil das "Globe" alleine gar nicht rein. In dem Rundbau kann zwar vor gut 350 Zuschauern Theater gespielt werden, und es ist auch Platz für einige Verwaltungsräume. Doch es werden auch noch Proben- und Lagerräume benötigt. Dafür könnte ein Teil der Angersporthalle stehen bleiben und mit dem "Globe" baulich verbunden werden. An der Nahtstelle könnte ein kleiner funktionaler Neubau errichtet werden, der quasi als Hinterbühne dient.


Diskussion am Ausgangspunkt

Damit wäre auch gewährleistet, dass nicht bei jedem Bühnenumbau das "Globe" geöffnet werden muss, was alleine schon energetisch problematisch wäre.

Zusammengefasst bedeutet das: Es entstehen zunächst Kosten für den Abriss des Großteils der Angersporthalle, dann für den Bau des "Globe" sowie schließlich noch für den Umbau der Rest-Halle und den Neubau des Zwischengebäudes. Hinter vorgehaltener Hand ist von Gesamtkosten die Rede, die sich sehr schnell der Zehn-Millionen-Euro-Marke nähern könnten. Womit die Diskussion fast wieder an ihrem Ausgangspunkt angelangt ist - was ist sinnvoller: Die Angersporthalle für etwa fünf Millionen Euro zu einer nicht ganz so attraktiven Ausweichspielstätte umbauen oder für "etwas" mehr Geld einen attraktiven Ersatz wie das "Globe" schaffen? Der Freistaat Bayern hat zugesagt, sich an den Kosten zu beteiligen: 75 Prozent will er geben, wenn die Ausweichspielstätte anschließend platt gemacht wird wie im Fall der ertüchtigten Angersporthalle; nur 25 Prozent fließen, wenn die Stadt das Gebäude, wie das "Globe", hinterher weiternutzt oder weiterverkauft.

Benötigt wird die Ausweichspielstätte, weil das Landestheater ab 2019 für voraussichtlich drei Jahre saniert wird und deshalb geschlossen werden muss.
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