Coburg
Schlachthof

Coburger Fleischskandal weitet sich aus

Nach Informationen des BR-Magazins "quer" bezeugen Mitarbeiter, dass seit mindestens einem Jahrzehnt nicht zum Verzehr geeignetes K3-Gammelfleisch systematisch wieder in den Warenverkehr gebracht wurde.
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Im Coburger Fleischskandal gibt es neue Erkenntnisse: Schlachthof-Mitarbeiter haben laut dem BR-Magazin "quer" bezeugt, dass seit mindestens einem Jahrzehnt nicht zum Verzehr geeignetes K3-Gammelfleisch systematisch wieder in den Warenverkehr gebracht wurde. Foto: Archiv
Im Coburger Fleischskandal gibt es neue Erkenntnisse: Schlachthof-Mitarbeiter haben laut dem BR-Magazin "quer" bezeugt, dass seit mindestens einem Jahrzehnt nicht zum Verzehr geeignetes K3-Gammelfleisch systematisch wieder in den Warenverkehr gebracht wurde. Foto: Archiv
Der Coburger Fleischskandal weitet sich aus. Nach Informationen des BR-Magazins "quer" bezeugen eine ganze Reihe von Mitarbeitern des städtischen Schlachthofs Coburg in eidesstattlichen Versicherungen, dass dort seit mindestens einem Jahrzehnt nicht zum Verzehr geeignetes K3-Gammelfleisch systematisch wieder in den Warenverkehr gebracht wurde.

Dellert-Fleisch im Fokus

Durch die Aussagen der Mitarbeiter, die zum Teil selbst in die illegalen Machenschaften verwickelt gewesen sein sollen, gerät der größte Fleischbetrieb am Schlachthof, die Fa. Dellert-Fleisch aus dem unterfränkischen Burgpreppach, immer mehr in den Fokus. Diese hat zwar in einer gestrigen Stellungnahme eine Verwicklung in die aktuellen Vorfälle am Coburger Schlachthof bestritten, wird aber von Zeugen und Angestellten am Schlachthof konkret beschuldigt, im Mittelpunkt des betrügerischen Netzwerks zu stehen.
Sollten diese neuen Erkenntnisse zutreffen, würde das auch ein Schlaglicht auf die Arbeit der Ermittlungsbehörden werfen: Die sahen nämlich bis gestern noch "keinen einzigen Hinweis auf Gammelfleisch" im Coburger Schlachthof. Oberstaatsanwalt Anton Lohneis: "Wir wissen noch nicht einmal, ob wirklich eine Straftat vorliegt". Lohneis, der gegenüber dem Tageblatt gestern betonte, dass es noch keine neuen Erkenntnisse gäbe (Lesen Sie dazu auch den Bericht "Spezialeinheit inspizierte den Coburger Schlachthof" auf dieser Seite).
Bisher wurde lediglich der Subunternehmer in der Kuttelei am Montag verhört und anschließend mit Hausverbot versehen. Immerhin: Heute vermeldete die Coburger Staatsanwaltschaft gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, man habe mit der Vernehmung möglicher Zeugen begonnen.
Die "quer"-Informanten berichten von einer Kultur des Wegschauens, die am Coburger Schlachthof seit langem herrsche. Und noch schlimmer: Keiner glaubt, dass Coburg ein Einzelfall ist. Der Lebensmittelexperte Prof. Manfred Gareis von der LMU München befürchtet, dass das illegale "Veredeln" von Gammelfleisch zu Verzehrfleisch verbreitet praktiziert wird.

Kein Einzelfall?

Immer wieder haben in den letzten Jahren Kontrollen an Schlachthöfen festgestellt, dass ungenießbares K3-Fleisch illegal in den Warenverkehr kam.
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