Coburg
Diskussion

Coburger FDP weist "Unterstellungen" zurück

Die Liberalen ärgern sich über Darstellungen, nach denen sich in der Vestestadt "ein von Nazi-Ideologie geprägter Stadtrat sich in einer immer noch ,braun gefärbten' Stadt nunmehr vom wirtschaftlich mächtigen Enkel Michael Stoschek" erpressen lasse.
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Archivbild: dpa
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Die Coburger FDP hat eine Stellungnahme zur Diskussion um Max Brose abgegeben. Sie hat folgenden Wortlaut:

"Die FDP in Coburg hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, welche Entscheidung sie und ihr Stadtrat Dr. Eidt befürworten sollten.

Wenn auch Ehrungen welcher Art auch immer nichts sind, was eingefordert werden kann, ist dies nach der fehlenden Entscheidung des Stadtrates im Jahre 2004 verständlich. Damals wurde, wie sich nun in der verschärften Diskussion, zumindest der Eindruck erweckt, als sei Max Brose ein aktiver Nazi gewesen. Nun wird in der öffentlichen Diskussion noch gravierender unterstellt, dass ein von Nazi-Ideologie geprägter Stadtrat sich in einer immer noch "braun gefärbten" Stadt nunmehr vom wirtschaftlich mächtigen Enkel Michael Stoschek erpressen lässt.

Die FDP weist diese unterschwelligen Unterstellungen scharf zurück.

Max Brose war kein Held, aber sicher auch kein
ideologisierter Nazi. Die Frage stellt sich, ob die Nachkommen, die die Diktatur nie erlebt haben, berechtigt sind, heldenhaften Widerstand von den Bürgern in diesem Staat zu fordern. Aus den von Herrn Stoschek vorgelegten Dokumenten ergibt sich eine Verurteilung als Mitläufer. Nach der fünfstufigen Nomenklatur des Gesetzes ist jedoch ein "Mitläufer" kein Befürworter des Regimes, sondern ein Parteimitglied, das auch seine Beiträge zahlte, im Übrigen sich aber zurück hielt, eventuell sogar ihm zugeteilte Kriegsgefangene schützte.

Max Brose ging den Schritt zur Partei letztlich, um seine Firma für seine Arbeiter zu erhalten und mit seiner Familie die Diktatur der Nazis ungeschoren zu überleben. Wer von sich behaupten will, dass er in Zeiten der Repression anders gehandelt hätte, ja sich sogar als Held des Widerstandes gezeigt hätte, werfe den ersten Stein. Jeder aber, der sich diese Frage ehrlich beantwortet, wird zugeben müssen, dass er etwa als Jugendlicher, der Sport treiben oder studieren wollte, zur Hitlerjugend oder der FDJ gegangen wäre, ohne deswegen wie offenbar eine große Mehrheit der Coburger Bürger die nationalsozialistische Ideologie übernommen zu haben.
Was hat Max Brose für Coburg getan? Er hat seine Firma zu Beginn des letzten Jahrhunderts nach Coburg verlegt, wo sie den Grundstock für das weltweit tätige Unternehmen seines Enkels bildete. Diesem Unternehmen verdankt Coburg viel: Arbeitsplätze für mehrere tausend Mitarbeiter, Steuereinnahmen und nicht zuletzt eine große Zahl von Initiativen zugunsten der Stadtentwicklung und großzügige Spenden, die den Sport und die Kultur gefördert haben.

Dafür ist es gerechtfertigt, dem Gründer des weltweit tätigen Coburger Unternehmens ein Gedenken zu widmen.
Vielleicht kann die teilweise sehr emotional bis diffamierend geführte Diskussion sogar den Anstoß dafür geben, dass Coburg spät, aber wohl noch nicht zu spät die historische Aufarbeitung seiner jüngeren Geschichte betreibt. Es wäre wichtig, dass man sich der Frage stellt, wieso gerade die Gesellschaft einer Kleinstadt mit ihrer gutbürgerlichen "Residenzler"-Mentalität als eine der ersten in Deutschland dieses brutale System annehmen konnte. Es ist sicher ein großer brauner Fleck auf Coburgs weißer Weste, wenn Hitler in "Mein Kampf" geschrieben hat: "Mit Koburg habe ich Geschichte gemacht!"

Das Angebot des Herrn Stoschek, eine solche geschichtliche Aufarbeitung sicher finanziell zu fördern, sollte nicht überhört werden."
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