LKR Coburg
Bauernverband

Coburger Bauern brauchen einen neuen Chef

Mit 65 ist Schluss für die Kreisobmänner im Bayerischen Bauerverband: Deshalb scheidet Gerhard Ehrlich in Coburg Anfang 2017 aus seinem Amt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Doppel-Spitze: Nach elf Jahren im Amt wird Gerhard Ehrlich (links) nicht mehr für das Amt des BBV-Kreisobmannes kandidieren. Bei Geschäftsführer Hans Rebelein (rechts) hat sich schon ein Bewerber für die Nachfolge gemeldet: Martin Flohrschütz aus Tremersdorf. Foto: Berthold Köhler
Doppel-Spitze: Nach elf Jahren im Amt wird Gerhard Ehrlich (links) nicht mehr für das Amt des BBV-Kreisobmannes kandidieren. Bei Geschäftsführer Hans Rebelein (rechts) hat sich schon ein Bewerber für die Nachfolge gemeldet: Martin Flohrschütz aus Tremersdorf. Foto: Berthold Köhler
+2 Bilder
Beim Blick auf die Zukunft des Kreisverbandes Coburg im Bayerischen Bauernverband (BBV) hat der scheidende Kreisobmann keine Bange. "Ich weiß, dass wir eine gute junge Generation haben", sagt Gerhard Ehrlich. Am 22. Februar wird Ehrlichs Ära an der Spitze der Coburger Landwirte enden - denn ab dem 65. Lebensjahr ist beim Bauernverband eine Kandidatur für Spitzenämter ab Kreisebene nicht mehr möglich. Deshalb scheidet Ehrlich auch ohne große Wehmut aus seinem Amt: "Ich weiß es ja schon lange genug."


Flohrschütz steht als Kandidat bereit

Wenn es um die Nachfolge des Kreisobmannes geht, muss BBV-Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein nicht in Panik verfallen. Mit Martin Flohrschütz (Tremersdorf) hat sich der Stellvertreter von Gerhard Ehrlich bereit erklärt, bei der Wahl im Gustav-Dietrich-Haus zu kandidieren. "Auf Gerhard Ehrlich zu folgen, ist eigentlich ein Grund, das Amt nicht zu übernehmen", scherzt der 44-Jährige mit Blick auf das enorme Engagement, das Ehrlich seit 1999 (erst als Stellvertreter, dann Vorsitzender) in Führungspositionen beim Bauernverband an den Tag gelegt hat. Viel mehr will Flohrschütz aber nicht zu seiner Bereitschaft für die Nachfolge sagen, denn: "Ich stelle mich zur Wahl. Der Rest ist eine demokratische Entscheidung." Ob es weitere Kandidaten für das zeitaufwendige Ehrenamt des Kreisobmanns geben wird - darüber will auch Hans Rebelein zum jetzigen Zeitpunkt nicht spekulieren: "Aus solchen Diskussionen halte ich mich heraus."

Gerhard Ehrlich hat sich jedenfalls schon Gedanken gemacht, wie er seine wiedergewonnene Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Amt nutzen könnte. Ein Versprechen gibt er dabei schon jetzt ab: "Ich werde mich anstrengen, dass ich meinem Nachfolger nicht reinreden werde." Aber wer den seit fast 50 Jahren im Bauernverband aktiven Landwirt aus Neuses an den Eichen kennt, der weiß: Er wird dem Verband verbunden bleiben.


Viele Fragen, keine Antworten

Die Zeiten für die Bauern werden ja auch nicht einfacher. Da braucht es nach Ehrlichs Überzeugung eine Berufsvertretung, die sich fachlich zu Wort meldet. Mit dem Vertrauen in die Regierenden ist es beim Coburger Kreisobmann jedenfalls nicht weit her: "Die Politiker sind nicht zuverlässiger geworden." Viel zu viel Ideologie sieht Ehrlich in der Landwirtschaftspolitik - und eine Sache, die macht ihn fast verrückt: "Wenn wir nach Diskussionen und Anfragen nicht einmal mehr eine Antwort bekommen." Er könne da guten Gewissens sagen, dass er in seinem Ehrenamt einer Frage nie eine Antwort schuldig geblieben sei, betont Ehrlich.

Eine Herausforderung, die der scheidende Kreisobmann auf die junge Generation an der Spitze des Bauernverbandes zukommen sieht, ist die zunehmende Spezialisierung in der Landwirtschaft. Früher, erinnert sich der Rinderhalter und Biogasanlagen-Betreiber, hatte jeder Landwirt ein bisschen von allem. Paar Rinder, paar Schweine, paar Hühner, dazu ein paar Felder. Heute müsse man sich auf einen Bereich konzentrieren, um erfolgreich sein - was natürlich auch unterschiedliche Interessenslagen bei den Landwirten mit sich bringt. Und der BBV-Kreisobmann steht zwischen allen, erzählt Gerhard Ehrlich: "Er muss in jeder Sparte wissen, was los ist." Deshalb rät der scheidende Kreisobmann seinem Nachfolger: "Informieren, informieren, informieren." Und das koste Zeit.

Gerhard Ehrlich will seinen kurzen Ausblick nicht beenden, ohne vorher noch einmal an die traditionelle Geschlossenheit der Bauern zu appellieren - trotz aller Spezialisierung: "Wir dürfen uns nicht auseinander dividieren lassen. Der Bauernverband muss für jedes Mitglied kämpfen.""Ich mache es gern.


Heidi Bauersachs will weitermachen

"Nur ein bisschen, erzählt Heidi Bauersachs, hat sie überlegen müssen, ob sie noch einmal fünf Jahre im Amt der Coburger Kreisbäuerin dranhängen will. Am Ende war klar: Sie kandidiert noch einmal.15 Jahre war Heidi Bauersachs stellvertretende Kreisbäuerin, seit zehn Jahren steht sie an der Spitze der Frauen im Coburger Kreisverband des Bayerischen Bauernverbandes. Ihren Spaß an der Aufgabe hat sie immer noch, versichert die 60-Jährige aus Beuerfeld: "Wir haben einen jungen und dynamischen Vorstand bei den Landfrauen." Da ist es für Heidi Bauersachs keine wirklich schwere Entscheidung gewesen, im Frühjahr noch einmal anzutreten - zumal auch ihre Stellvertreterin, Dagmar Hartleb, mit an Bord bleiben wird.

An Projekten und Ideen mangelt es der Kreisbäuerin ohnehin nicht. "Landfrauen machen Schule" - die Aktion, bei der Bäuerinnen in Schulen des Coburger Landes über gesunde Ernährung berichten - hat sich zu einem absoluten Erfolgsmodell entwickelt. Inzwischen ist das Projekt sogar schon als gemeinnütziger Verein eingetragen.

Ein bisschen offensiver könnten die Bauern dennoch sein, meint Heidi Bauersachs. Deshalb will sie - ihre Wiederwahl vorausgesetzt - künftig noch ein bisschen mehr an die Öffentlichkeit gehen: "Wir machen unser Zeug gut. Wir können was und wir leisten was. Wir müssen öfter zeigen, dass es uns gibt."


Die nächste Generation

Beim Blick in die Zukunft ist sich Heidi Bauersachs mit ihrem Männer-Kollegen, Gerhard Ehrlich, einig: Der Bauernverband im Landkreis Coburg ist gut aufgestellt, er hat viele junge Menschen, die Interesse an der Verbandsarbeit zeigen. "Ich habe keine Angst, dass es nach uns nicht mehr weiter geht", ist Heidi Bauersachs überzeugt.
Verwandte Artikel

Kommentare (1)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren