Coburg
Zukunft

Coburger Abiturienten - wie geht's weiter?

Fünf Abiturienten sprechen über ihre Pläne und Ziele. Ob mit oder ohne Auszeit, das Studium hat Priorität.
Artikel drucken Artikel einbetten
Tobias und Johanna Schrimpl - ein außergewöhnliches Geschwisterpaar: Die beiden schafften das Abitur mit 1,0. Er auf dem Gymnasium Alexandrinum, sie im Albertinum. Fotos: Christiane Lehmann
Tobias und Johanna Schrimpl - ein außergewöhnliches Geschwisterpaar: Die beiden schafften das Abitur mit 1,0. Er auf dem Gymnasium Alexandrinum, sie im Albertinum. Fotos: Christiane Lehmann
+3 Bilder
Sie sind sich sicher: Was ihre Allgemeinbildung betrifft, sind sie jetzt, da sie das Abitur in der Tasche haben, auf dem Höhepunkt. "Ab jetzt geht's bergab', mutmaßt Jakob Münch und lacht. Schließlich hätten sie schon jetzt viel vergessen, was sie in den vergangenen Jahren gelernt haben.
"So ist unser Bildungssystem eben: Gelernt wird oftmals nur für die nächsten paar Arbeiten", ergänzt Johanna Schrimpl. Die beiden Einserschüler sitzen zusammen mit Sandy Easton, Moritz Regenspurger und Tobias Schrimpl im Café Sorgenfrei, um mit uns über ihre Pläne und die Zukunft zu sprechen.


Lust am Gemüse

Schnell kommt das Gespräch in Gang. Und schnell wird deutlich: Die fünf wissen, was sie wollen. Jakob möchte Staatswissenschaften in Passau studieren, Tobias Maschinenbau. Doch bevor es so weit ist, absolviert er erst noch ein achtwöchiges Grundpraktikum bei Brose, um dann vielleicht in einer Gärtnerei zu jobben. Denn Gemüseanbau interessiert ihn sehr - "auch, wenn das gar nix mit Maschinenbau zu tun hat", sagt er schmunzelnd. Später möchte er im Bereich erneuerbare Energien arbeiten.
Seine Schwester Johanna will ebenfalls ein Jahr pausieren, bevor sie in Freiburg Anglistik und Politikwissenschaften studiert. Sie möchte in der nächsten Zeit verschiedene Praktika - auch im Bereich der Rechtswissenschaft - machen und Französisch nachlernen. Im Albertinum hatte sie sich für Latein entschieden. Sie hätte auch da schon eine dritte Sprache lernen können, "aber ich wollte Latein nicht abwählen, nachdem wir in der Unterstufe so viele Vokabeln gepaukt hatten".
Auch Moritz Regenspurger will sein Französisch auffrischen und Spanisch lernen. Der ehrgeizige junge Mann sieht sich später mal im Auswärtigen Amt. Politisch interessiert und engagiert ist er seit seinem 14. Lebensjahr. Zurzeit ist er stellvertretender Vorsitzender der JU und der CSU Bad Rodach sowie im JU-Kreisverband Coburg-Land. Schule und Politik unter einen Hut zu bringen, war für ihn kein Problem, sagt er. Für andere Hobbys hatte er halt weniger Zeit. Studieren möchte er internationale Politik und transatlantische Beziehungen.
Die Jüngste am Tisch ist Sandy Easton mit ihren 17 Jahren. Genau wie Tobias und Johanna Schrimpl hat sie das Abitur mit 1,0 bestanden. Sie hat keine Zeit verloren und schon in den Pfingstferien ein Schnupperstudium in Würzburg besucht, hat an den Tandemtagen teilgenommen und sich den Campus angeguckt. Sandy wird im Herbst in die Männer-WG ihrer beiden Brüder einziehen und Wirtschaftsmathematik studieren. Auch Jura interessiert sie. Sie will etwas machen, was gebraucht und nachgefragt wird, deshalb möchte sie über den Tellerrand hinausschauen und fächerübergreifend Disziplinen miteinander verbinden. In ihrer Freizeit singt Sandy im Chor Cappella Casimiriana, gehört zu den Verkehrskadetten und sucht im bayernweiten Matheverein QED nach Lösungen.


Aus rationaler Sicht

An Kinder und Familie denken die Fünf noch nicht wirklich. Doch darauf angesprochen, sind sie sich recht klar darüber, dass sie später einmal eine Familie und auch Kinder möchten. Lediglich Sandy zögert: "Grundsätzlich hätte ich schon gerne Kinder, aber man muss die Weltlage beobachten." Auch der technische Fortschritt macht sie nicht glücklich. Es hänge davon ab, wie die Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer künftig auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie reagieren. "Aber interessant wäre es schon, alles aus der Elternperspektive zu sehen", sagt sie und gibt zu, dass sie hier aus ihrer rationalen Sichtweise heraus geantwortet habe.


Vorbereitung aufs Leben

Fühlen sich die Abiturienten gut aufs Leben vorbereitet?
Tobias und Jakob rutschen etwas nervös auf ihren Stühlen hin und her. Sie möchten ehrlich sein, aber die Schule auch nicht schlecht reden. Was die Studien- und Berufsberatung angehe, sei es eher schwierig gewesen, "nicht unbedingt zielführend", sagt schließlich Tobias. Seine Schwester konkretisiert: "Wer noch nicht wusste, was er später machen will, der läuft bei den Messen an den vielen Ständen vorbei und bleibt schließlich bei der Bundeswehr hängen, weil es dort die besten Gummibärchen gibt." Alle lachen und bestätigen, dass man sich schon selbst kümmern muss. Wirklich geholfen werde einem dabei nicht.
Ins kalte Wasser werden sie wohl auch springen müssen, wenn es darum geht, Versicherungsverträge abzuschließen, BAföG zu beantragen oder einen Mietvertrag zu unterschreiben. "So etwas lernt man in der Schule nicht. Da haben wir keinen Plan", gibt Jakob zu. Sandy sagt, sie sei familienversichert und mache sich da auch erst mal keinen Kopf.
Weg von diesen bürokratischen Hürden. Haben die fünf Träume, die sie sich gerne erfüllen würden? Jakob und Moritz fällt nichts ein, Sandy dagegen möchte unbedingt Zeit in den USA verbringen. Sie möchte ihre Verwandten im Ausland besuchen. Da lässt sie sich auch nicht von Tobias beirren, der die schwierige politische Lage in Amerika anprangert. Nichts dagegen hat er, dass seine Schwester einmal in den Orient reisen möchte. Er selbst träumt von einem großen Garten, in dem er sein eigenes Gemüse anbauen kann.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren