Coburg
Serie

Coburg wird juristisch und kirchlich zu einem herausragenden Ort

Der erste autonom regierende Coburger Landesherr, Herzog Casimir, wurde vor 450 Jahren geboren. Das Tageblatt veröffentlicht dazu eine Beitragsreihe, die in erster Linie auf den Einschätzungen des Historikers Gert Melville, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Coburg beruht.
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Herzog Johann Casimir
Herzog Johann Casimir


Casimirs Rechtswesen

Die Einrichtung beziehungsweise die Reform des Gerichtswesens war wesentlich komplizierter als die Schaffung einer funktionierenden Landesregierung. Zum einen gehörte das casimirsche Territorium zwei Rechtskreisen, dem fränkischen und dem sächsischen, an. Zum anderen waren die wichtigsten Einrichtungen in Jena verblieben, als man 1572 die ernestinischen Länder zwischen den Geschwistern Casimir und Ernst einerseits und deren Onkel Friedrich Wilhelm in Weimar residierend aufgeteilt hatte. Dazu gehörten das Hofgericht, das Appella tionsgericht und der Schöppenstuhl, ein regionales, nicht unbedingt auf eine Landesherrschaft beschränktes Obergericht, das auch rechtsgutachtlich tätig war.


Da Jena auf Weimarer Gebiet lag, versteht es sich im Grunde von selbst, dass es dem dortigen Hof ein Leichtes war, den gebührenden Einfluss Casimirs und seines Bruders auf jene Institutionen zurückzudrängen.
Der Teilungsvertrag erlaubte indes eine Kündigung. Sie wurde mit teilweiser Unterstützung des landsässigen Adels tatsächlich auch 1597/98 vollzogen. Die drei richterlichen Organe, besetzt mit professionellen Juristen, nahmen als landesherrliche Instanzen des Gebietes Sachsen-Coburg-Eisenach Sitz in Coburg und machten somit diese Stadt auch zu einem besonderen Ort der Praktizierung von gelehrtem Recht.


Der Sitz der obersten Kirchenbehörde - des Konsistoriums - war nach dem Vertrag von 1572 ebenfalls in Jena verblieben. In einem langwierigen Prozess sonderte sich ein eigenes Coburger Konsistorium ab, das unter der Leitung des Kanzlers stand und erst 1626 eine eigene Kirchenordnung erhielt (Dazu ausführlicher Folge 4 dieser Reihe vom 15. März). Die hatte der berühmte Theologe und Superintendent Johann Gerhard, einer der bedeutendsten Vertreter der lutherischen Orthodoxie, verfasst. Die sogenannte "Casimiriana" behielt Geltung bis ins 20. Jahrhundert. Coburg ist also auch in kirchlich-theologischer Hinsicht damals zu einem herausragenden Ort geworden.

Casimir greift persönlich ein

Fürstliche Politik machte man jedoch nicht allein durch Schaffung von Institutionen, verlangt war auch persönliches Eingreifen, Lenkung und Dirigierung durch Verabschiedung von Gesetzen und Mandaten. Dies geschah auf einem legislativen und exekutiven Instanzenweg über die Vertretung der Landstände und die Ausfertigungskompetenz der Kanzlei. In weiten Bereichen agierte der Monarch aber auch ganz unmittelbar, der aus seinem patriarchalischen Selbstverständnis heraus sich einer Sorgfalts- und Schutzpflicht gegenüber seinen Untertanen schuldig fühlend.


Bei Casimir war dies allem Augenschein nach stark ausgeprägt. Das weite Spektrum seiner Mandate umfasste im Laufe seiner Regierungszeit etwa Maßnahmen gegen Wucher, preistreibende Zwischenhändler oder die Bestechlichkeit von Beamten.


Ein beliebtes Mittel im Sinne des Merkantilismus des frühmodernen Staates waren hoheitliche Taxordnungen zur Eindämmung von bedrohlicher Inflation bei Getreide, Fleisch, Wein, Bier, Butter, Käse, Wirtshausessen und allen handwerklichen Dienstleistungen. So hieß es zum Beispiel sehr plastisch: "Nachdem [...] gnugsam bekant vnd offenbahr, was für leidige Vnruhe und Kriegsempörungen etliche Jahr hero in- vnd ausserhalb Reichs entstanden, darbey das Münzwesen in eine merkliche Zerrüttung vnd übeln hochschädlichen Zustand kommen, deme übermessige vnd fast vnerhörte Steigerung der Wahren vnd Victualien gefolget, das alles gegen dem alten vnd vorigen Werth dry- oder vierfacht auch wohl darüber mit wehmütige Klagen seuffzen und schreyen des Armuts vnd eusserste Benachteiligung des Nechsten, sonderlich derjenigen, welche keine Handtierung vnd Gewerbe treiben, erhöhet."
Eine der praktischen Maßnahmen, die vollzogen werden sollten, war das Exportverbot und lautete: "Insonderheit aber bevehlen Wir allen vnd jeden vnsern Vnterthanen, daß sie ihr Getreide, Wollen, Viehe, Futter, Fisch und was sie mehr zu verkauffen nicht vmb eines schöden Vortheils vnd Gewins willen ausserhalb vnsrers Fürstenthumbs, darinnen es erworben, erzeugt vnd erlangt, heimlich oder öffentlich verkauffen, verhandlen oder verschleiffen,.."


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