Coburg
Wettbewerb

Coburg wird "Digitale Einkaufsstadt"

Coburg ist einer von insgesamt drei Preisträgern des Wettbewerbs "Digitale Einkaufsstadt Bayern", den das Bayerische Wirtschaftsministerium ausgeschrieben hatte. Für den mittelständischen Einzelhandel geht es dabei vor allem um die effiziente Verknüpfung von stationärem und Online-Handel.
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Ab Januar 2016 werden die drei Sieger-Städte, darunter Coburg, hinsichtlich der optimalen Nutzung digitaler Innovationen gecoacht.  Foto: Oliver Schmidt / CT-Archiv
Ab Januar 2016 werden die drei Sieger-Städte, darunter Coburg, hinsichtlich der optimalen Nutzung digitaler Innovationen gecoacht. Foto: Oliver Schmidt / CT-Archiv
Noch vor zehn Jahren war die "grüne Wiese" der Hauptkonkurrent des innerstädtischen Handels, heute ist es das Internet. Denn wer einkaufen geht, tut das in vielen Fällen online und spart sich einfach den Weg in die Stadt. Das geht immer mehr zu Lasten des innerstädtischen Handels, schlimmstenfalls müssen Geschäfte mangels Kundschaft sogar schließen. In Coburg hat man dieses Problem längst erkannt und Maßnahmen ergriffen, um nicht vom Trend zum Online-Shopping "überrollt" zu werden, wie es Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) formulierte. Dieses Engagement wurde jetzt belohnt: Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner kürte Coburg zu einem von drei Gewinnern im Wettbewerb "Digitale Einkaufsstadt Bayern". Teilgenommen hatten 36 Kommunen.
Im Rathaus sorgte die Nachricht am Freitag für große Freude. "Wir haben seit Mai 2014 Gespräche geführt, es gab viele Zusammenkünfte, jetzt können endlich Taten folgen", kündigte Tessmer begeistert an. Konkret bedeutet der Sieg, dass Coburg und seine Einzelhändler in den nächsten zwei Jahren vom Wirtschaftsministerium auf dem Weg zur digitalen Einkaufsstadt unterstützt werden.


Bewerbung auf die Schnelle

Die Stadt habe erst spät, im September, von diesem Wettbewerb erfahren, sagte Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU). Innerhalb von knapp 14 Tagen habe ihr Referat, in dem auch das Citymanagement angesiedelt ist, eine "hochqualifizierte Bewerbung" erstellt und damit die Jury überzeugt.
Grundsätzlich gehe es nun darum, innovative digitale Anwendungen für den Einzelhandel zu entwickeln, wie Ilse Aigner in ihrer Mitteilung schreibt. Von den Erfahrungen und Erfolgen der Modellkommunen könnten später auch andere Städte und Gemeinden profitieren. Über die Fortschritte der drei Modellkommunen wolle sie sich auf jeden Fall im kommenden Jahr persönlich vor Ort informieren, so die Ministerin.
Jörg Hormann, seit kurzem neuer Citymanager in Coburg, sieht in dem Gewinn einen "Riesenvorteil" für den örtlichen Handel und die Kunden gleichermaßen. Schließlich biete das Modellprojekt Coburg die einmalige Chance, mit der Hilfe von echten Profis maßgeschneiderte Lösungen zu erarbeiten.
Die Ausgangssituation in Coburg beurteilen sowohl Jörg Hormann als auch Karin Engelhardt, Leiterin der Stabsstelle E-Government der Stadt Coburg, als sehr gut. "Wir haben auf dem Gebiet schon viel Erfahrung", betonte Karin Engelhardt. Coburg habe beispielsweise schon früh mit dem "Erlebnis Innenstadt" begonnen, biete einen Mittagspausenführer und die "Coburg-App" an und sei auf Facebook vertreten. Im vergangenen Jahr wurde Coburg sogar als eine von zehn deutschen Städten mit dem E-Town-Award ausgezeichnet. Der Preis wird an Städte verliehen, in denen die Unternehmen ihre Geschäfts-, Vertriebs- und Marketingaktivitäten schneller und umfassender ins Internet verlagern als anderswo. Der "gute Boden" sei also schon vorhanden, so Engelhardt.
Ähnlich sieht es Jörg Hormann. Er habe in Coburg Strukturen vorgefunden, die "bereits gelebt werden", sprich, es gibt bereits konkrete Projekte. Andererseits stehe Coburg digital zum Teil noch etwas auf schwachen Füßen. "Da gibt es einige Händler, die in dem Thema noch nicht so fit sind." Die gelte es nun zu überzeugen. Dass das nicht bei allen gelingen wird, ist Karin Engelhardt klar: "Es wird auch welche geben, die das nicht wollen." Dennoch müsse man jede Chance nutzen, dass am Ende jeder Einzelhändler seinen Weg, seine Strategie findet, um den digitalen Wandel mitgehen zu können.
Im nächsten Schritt soll mit professioneller Unterstützung eine Bedarfsanalyse erstellt werden. Zudem müsse man verschiedene Ansatzpunkte mit den Händlern diskutieren. "350 Coburger Einzelhändler holt man allerdings nicht einfach so zusammen", das ist dem Citymanager wohl bewusst. Seine Strategie: "Abklappern und informieren."
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