Coburg
Nachruf

Coburg trauert um Bernhard Kapp

Der erfolgreiche Unternehmer und vielsetig enaggierte Privatmann ist am vergangenen Sonntag im Alter von 93 Jahren gestorben.
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Ja, Bernhard Kapp war eine Persönlichkeit. Und er war das, was man gemeinhin als "Unternehmer vom alten Schlag" bezeichnet: solide, ehrgeizig, erfolgreich - voller Tatendrang selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten - und, wenn es sein musste, auch ganz offen und direkt. Gerade mal 29 Jahre jung war Bernhard Kapp, als er im Nachkriegsdeutschland bereits zum Geschäftsführer der Firma Waldrich aufstieg. Kurz später hatte er den Mut, seine eigene Firma zu gründen - und diese kontinuierlich bis in die Weltspitze zu führen.

Doch der aus Stuttgart stammende Bernhard Kapp wird nicht nur als ein Unternehmer in Erinnerung bleiben, der die Coburger Wirtschaft geprägt hat. Denn Bernhard war auch ein sozial engagierter Stifter sowie ein leidenschaftlicher Förderer des Nachwuchses. Die Lücke, die er hinterlässt, ist deshalb riesig - und die ersten Nachrufe, die gestern eintrafen, sind fast so bemerkenswert und beeindruckend wie das Lebenswerk von Bernhard Kapp.

Tugenden stets vorgelebt

In einer Stellungnahme der Kapp-Gruppe wird der eigene Firmengründer wie folgt charakterisiert: "mittelständischer Unternehmer aus Überzeugung, Techniker aus Leidenschaft und Streiter für den deutschen Maschinenbau mit großem Engagement". Ihm sei es auch immer wichtig gewesen, unternehmerische Tugenden im besten Sinne vorzuleben. Anlässlich eines Firmenjubiläums im Jahr 2003 habe Bernhard Kapp gesagt: "Wir lassen uns leiten von Grundsätzen, die heute leider nicht mehr Allgemeingültigkeit zu haben scheinen, wie Zuverlässigkeit, Vertragstreue, nicht mehr zu versprechen als halten zu können, Anständigkeit im gegenseitigen Umgang nicht nur den Stärkeren, sondern auch den Schwächeren gegenüber." Auch das verantwortungsvolle Miteinander im Unternehmen, das heute von seinem Sohn Martin weitergeführt wird, sei Kapp "stets Anliegen und gleichzeitig Erfolgsgarant" gewesen.

Wie Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) sagte, verliere die Stadt Coburg mit Bernhard Kapp "eine weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte, geschätzte und geachtete Unternehmerpersönlichkeit". Er habe "Akzente für die gesamte Branche" gesetzt und sein Unternehmen zu einem "Vorzeigebetrieb und wichtigen Arbeitgeber für die Stadt Coburg und die Region" entwickelt, wobei ihm die Standorttreue immer am Herzen gelegen habe. Und: "Was ihn als Mensch besonders auszeichnete, ist die Tatsache, dass Bernhard Kapp seinen unternehmerischen Erfolg immer mit der Verantwortung für das Gemeinwohl verband."

"Tief betroffen" vom Tod von Bernhard Kapp zeigte sich am Dienstag der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Coburg, Friedrich Herdan. Bernhard Kapp habe die Nachkriegsgeschichte des deutschen Maschinenbaus "maßgeblich geprägt" und der Branche zu Weltgeltung verholfen. Herdan schreibt in einem Nachruf: "Nicht nur die Kapp-Gruppe, deren Gründer er war, hat dem leidenschaftlichen Techniker Bernhard Kapp viel zu verdanken, der Ausnahme-Unternehmer hat auch für die regionale Wirtschaft und für den deutschen Maschinenbau Großes geleistet."

Den Nachwuchs gefördert

Bernhard Kapp habe zudem schon früh erkannt, welche Bedeutung nachhaltige Fachkräftesicherung für die heimische Industrie einmal gewinnen wird. Die Nachwuchsförderung lag ihm dabei besonders am Herzen. So wurden auf sein Wirken hin verschiedene Preise ins Leben gerufen, wie beispielsweise der Dr.-Kapp-Vorbildpreis, bei dem Auszubildende für ihren außergewöhnlichen Einsatz für das Allgemeinwohl prämiert werden. Die Förderung des Ingenieurnachwuchses war ihm ebenfalls ein großes Anliegen.

Anlässlich seines 70. Geburtstages hatte Bernhard Kapp von der IHK die Ehrennadel in Gold erhalten. Diese wurde bislang erst an sieben Persönlichkeiten verliehen, die sich "nachhaltig in herausragender Weise" um die Wirtschaft des Coburger Landes und das Allgemeinwohl verdient gemacht haben.

Als "Grandseigneur des deutschen Maschinenbaus" würdigte der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) den Verstorbenen. In einer Stellungnahme wird betont: "Die Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie verliert einen ihrer großen Repräsentanten." Bernhard Kapp stand von 1971 bis 1999 an der Spitze des VDW.
Bernhard Kapp hinterlasse "ein beeindruckendes Lebenswerk", wie es in dem Nachruf des Vereins weiter heißt. Sein Motto sei stets gewesen: "Nicht viel reden, sondern gute Maschinen bauen!" Bernhard Kapp habe stets "ausgesprochen weitsichtig" agiert, denn er habe sehr früh den steigenden Bedarf an Spezialmaschinen für die Metallbearbeitung erkannt.

Michael Pötzl, Präsident der Hochschule Coburg, würdigte Bernhard Kapp, der 1980 zum Ehrensenator der Hochschule ernannt worden waren, als "wichtigen Förderer der Hochschule". So sei er maßgeblich an der Gründung des Kuratoriums beteiligt gewesen und habe auf diese Weise für einen engen Kontakt der Hochschule zu den regionalen Unternehmen gesorgt. "Ihm war es immer ein Anliegen, junge Menschen an die Technik heranzuführen und er ermunterte uns, neue Studiengänge zu gründen."

Beisetzung im engsten Kreis

Bernhard Kapp ist am vergangenen Sonntag im Alter von 93 Jahren gestorben. Die Beisetzung von Bernhard Kapp wird im engsten Familienkreis stattfinden.


Aus dem Leben einer bemerkenswerten Persönlichkeit


Vita Bernhard Kapp wurde am 19. März 1921 in Stuttgart geboren. Nach einem Maschinenbau-Studium sowie fünf Jahren Kriegsdienst startete er bei der Coburger Firma Waldrich als Konstrukteur ins Berufsleben.

Laufbahn 1950 wurde er Gesellschafter und Geschäftsführer bei Waldrich. Zusammen mit seinem Schwager Otto Waldrich (Kapp hatte 1949 dessen Schwester Eva Waldrich geheiratet) führte er das Unternehmen 27 Jahre. 1953 gründete er die Werkzeugmaschinenfabrik Kapp, die heute mit rund 850 Beschäftigten (davon 600 in Coburg) in der Schleiftechnologie weltweit eine Führungsrolle einnimmt.

Innovation Ihre herausragende Weltmarktstellung zum Systemlieferanten hat die Kapp-Gruppe einer Idee des leidenschaftlichen Technikers Bernhard Kapp zu verdanken, der 1981 Unternehmertum, Erfindungsgabe und praktisches Umsetzungstalent zusammenbrachte und die erste abrichtfreie Profilschleifscheibe mit CBN-Technologie entwickeln ließ. "Möglicherweise sicherte Kapp mit dieser Innovation das Überleben der Schleifmaschinenbauer gegenüber den Hart-Zerspanern", urteilen langjährige Wegbegleiter heute.

Ratgeber Der Rat von Bernhard Kapp war auch in anderen Unternehmen gefragt. Zahlreiche nationale und internationale Firmen und Institutionen haben ihn in ihre Verwaltungs- und Aufsichtsräte berufen, so etwa Fiat, Krupp Hoesch, Iveco, Idie Fraunhofer Gesellschaft und die Hochschule Coburg.

Engagement Bernhard Kapp engagierte sich auch im sozialen Bereich und gründete 1957 den Rotary Club Coburg mit.

Ehrungen Bernhard Kapp wurde 1981 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz und 2000 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet. 2010 wurde er mit dem Ehrenring der Stadt Coburg ausgezeichnet. Dieser ist - nach der Ehrenbürgerschaft - die zweithöchste Ehrung, die die Stadt vergibt. os/ct



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