Coburg
Pulverfund

Coburg ermittelt für Deutschland

Wer verschickte in der zweiten Januarwoche Umschläge mit weißem Pulver an Justizbehörden? Das soll jetzt die Staatsanwaltschaft Coburg herausfinden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Verstörendes Bild vom 11. Januar: Ein Feuerwehrmann schält sich mit Hilfe eines Kollegen aus einem Schutzanzug. Die Feuerwehr musste unter diesen Sicherheitsvorkehrungen im Coburger Justizgebäude den Umschlag bergen, der weißes Pulver enthielt.  Foto: Simone Bastian/CT-Archiv
Verstörendes Bild vom 11. Januar: Ein Feuerwehrmann schält sich mit Hilfe eines Kollegen aus einem Schutzanzug. Die Feuerwehr musste unter diesen Sicherheitsvorkehrungen im Coburger Justizgebäude den Umschlag bergen, der weißes Pulver enthielt. Foto: Simone Bastian/CT-Archiv
So viel kann Christian Pfab, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Coburg, schon sagen: Insgesamt 37 Briefe mit verdächtigem weißen Pulver wurden im Januar in Justizbehörden oder auf dem Postweg sichergestellt. Die Sendungen erreichten Justizgebäude quer durch die Republik, von Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) bis München und Karlsruhe (Baden-Württemberg). Auch in Coburg war ein solcher Brief in der Poststelle des Justizgebäudes geöffnet worden.

In allen Fällen hat sich das weiße Pulver als harmlos erwiesen. Was genau im Coburger Justizgebäude eintraf, kann noch niemand sagen. Fest steht nur: Es handelte sich weder um Gift noch um Krankheitserreger, Sprengstoff oder sonst eine gefährliche Substanz. In anderen Orten wurde frühzeitig festgestellt, dass es sich um Zucker oder Puderzucker handelte - unter anderem in Eisleben (Sachsen-Anhalt) und Wolfratshausen (Oberbayern). Schon damals war vermutet worden, dass die Häufung der Sendungen kein Zufall war.

Allein 25 Postsendungen erreichten am 11. Januar oder "im zeitlichen Umgriff" (Pfab) dieses Datums verschiedene Justizgebäude in ganz Deutschland, darunter auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Zwölf weitere Sendungen wurden noch auf dem Postweg aufgehalten. Mehr wolle und könne er derzeit zu den laufenden Ermittlungen nicht sagen, so Pfab.

Dass die relativ kleine Staatsanwaltschaft Coburg das Sammelverfahren übernimmt, habe sich in Gesprächen der Generalstaatsanwaltschaften entschieden, sagt Leitender Oberstaatsanwalt Bernhard Lieb, Chef der Coburger Behörde. Zunächst sei geplant gewesen, die drei bayerischen Verfahren in Coburg zusammenzuführen. Doch weil es ja bundesweit diese hohe Zahl gleichartiger Fälle gab, habe der zuständige Generalstaatsanwalt in Bamberg das Sammelverfahren nun bundesweit ausgerufen.

Die bislang zuständigen Staatsanwaltschaften an den verschiedenen Orten werden nun die Akten mit ihren Verfahrensergebnissen nach Coburg schicken. Oberstaatsanwalt Martin Dippold werde das weitere Verfahren führen, kündigt Leitender Oberstaatsanwalt Lieb an. Es gehe darum, mögliche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Taten festzustellen. "Da ist es wenig produktiv, wenn jede Staatsanwaltschaft von sich aus in verschiedene Richtungen ermittelt."

Die Ermittlungen werden Lieb zufolge dann auch von der Kriminalpolizei in Coburg geführt. Dass in Coburg überregionale Verfahren laufen, kam in der Vergangenheit schon öfter vor, zum Beispiel bei Drogendelikten oder Betrug.


Rückblick: Die Pulverfunde vom 11. Januar

Vorfälle In mehreren Justizgebäuden in Deutschland werden Umschläge mit weißem Pulver entdeckt. Betroffen sind neben Coburg unter anderem Wolfratshausen, München, Eisleben, Karlsruhe und Chemnitz.

Sicherheit In allen Fällen wird Alarm ausgelöst. In Coburg rücken Feuerwehr und Rettungsdienste an. Das Pulver wird sichergestellt und zur Untersuchung in ein Labor nach Oberschleißheim gebracht. Die Poststelle wird versiegelt und bleibt unzugänglich, bis das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Gesundheit zwei Tage darauf Entwarnung gibt.

Straftat Auch, wenn sich das Pulver als harmlos erwiesen hat: Schon das Vortäuschen einer Straftat oder die Störung des öffentlichen Friedens könnten strafbar sein, sagte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Christian Pfab, damals.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren