Coburg

Coburg bejubelt musikalisches Weltklasse-Niveau

Der Pianist Alexander Lonquich hat der Coburger "Gesellschaft der Musikfreunde" schon viele unvergessliche Abende im Kongresshaus beschert. Sein Gastspiel mit dem Geiger Pekka Kuusisto und dem Cellisten Nicolas Altstaedt aber geriet regelrecht zur Sternstunde. Das lag nicht nur an einem ungewöhnlichen Programm von Bach bis Ravel.
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Der Geiger Pekka Kuusisto, der Pianist Alexander Lonquich und der Cellist Nicolas Altstaedt (von links) begeisterten bei ihrem Gastspiel im Kongresshaus. Foto: Jochen Berger
Der Geiger Pekka Kuusisto, der Pianist Alexander Lonquich und der Cellist Nicolas Altstaedt (von links) begeisterten bei ihrem Gastspiel im Kongresshaus. Foto: Jochen Berger
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Schubert-Trios am Anfang und Ende, dazwischen Bach und Ravel für Violine und Violoncello - an stilistischer und instrumentaler Abwechslung herrschte kein Mangel beim Auftritt von Alexander Lonquich, Pekka Kuusisto und Nicolas Altstaedt im gut besuchten Coburger Kongresshaus.


Schuberts "Notturno" zum Auftakt

Ihre Visitenkarte gaben die drei Künstler gleich zu Beginn mit dem Triosatz Es-Dur "Notturno" von Franz Schubert ab. Beseelte Piano-Kultur der beiden Streicher Pekka Kuusisto und Nicolas Altstaedt korrespondierte aufs beste mit den durchsichtigen Umspielungen des Pianisten Alexander Lonquich. Im Mittelteil der anfangs verträumten Komposition zeigten sie aber auch dramatische Forte-Ausbrüche im straff punktierten Rhythmus.

Die je 15 zwei- und dreistimmigen Inventionen von Johann Sebastian Bach sind ursprünglich für Tasteninstrumente konzipiert. Reizvoll war es deshalb, eine Auswahl der zweistimmigen nunmehr in einem ganz anderen Klanggewand, nämlich für Violine und Cello zu hören, wo die kompositorische Substanz fast noch besser als im Original zur Geltung kam. Zwischen der ersten in C-Dur bis zur letzten in h-Moll hatten Pekka Kuusisto und Nicolas Altstaedt sechs weitere ausgesucht, die sie locker und spielerisch, mit schlankem Ton und fast ohne Vibrato darboten. So virtuos, wie sie zum Beispiel die F-Dur-Invention darboten, wird man es auf dem Klavier kaum zustande bringen.

Auf die gleichen beiden Interpreten wartete noch eine weitere diffizile Aufgabe in Form der Sonate für Violine und Violoncello von Maurice Ravel. In ihrer bewundernswürdigen Wiedergabe dieses anspruchsvollen Werks zeigten sie in höchstem Maße spieltechnische Überlegenheit und gestalterische Vielfalt von zarten, ätherischen Klängen über expressive Melodik bis zu harten, martialischen Pizzikato-Schlägen bei stets tadellosem Zusammenspiel und Aufeinanderhören.


Gipfelwerk der Trioliteratur

Nach der Pause erlebte man als Höhepunkt des Konzerts die bewegende Wiedergabe eines Gipfelwerks der Trio-Literatur, Franz Schuberts Klaviertrio Es-Dur. Hier führt die "himmlische Länge" der dreiviertelstündigen Komposition nicht zur Langeweile, wenn sie so vergeistigt und gleichzeitig musikantisch dargeboten wird.

Das tieftraurige Thema des zweiten Satzes, welches auch im letzten Satz immer wieder anklingt, wurde in unvergesslich rührender Weise intoniert, aber auch das frisch musizierte kanonische Scherzo mit seinem akzentuierten Trio und das bis auf die Reminiszenzen musizierfreudige Finale wurden grandios wiedergegeben, wobei die gestochenen Läufe des Pianisten immer wieder beeindruckten.

Kein Wunder, dass nach dieser meisterhaften Wiedergabe starker, anhaltender Beifall einsetzte, für den sich die Künstler mit dem versonnenen 3. Satz aus dem Trio von Maurice Ravel bedankten.
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