Coburg
Umschlagplatz Coburg

Coburg: Nach dieser Kunst kräht der Hahn

Auch die zweite Kunstmesse in den Alten Pakethallen stieß bei Künstlern aus der ganzen Bundesrepublik und Besuchern auf beachtliche Resonanz.
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Bunte Coburger Kunstmesse mit über 50 ausstellenden Künstlern. Der Seßlacher Bildhauer Wolfgang Schott zeigte sich abends auch noch als Musiker.  Fotos: Carolin Herrmann
Bunte Coburger Kunstmesse mit über 50 ausstellenden Künstlern. Der Seßlacher Bildhauer Wolfgang Schott zeigte sich abends auch noch als Musiker. Fotos: Carolin Herrmann
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Wüst und wild, brav oder provozierend, entspannende Landschaft, konkret oder abstrakt, Ernsthaftes und vieles auch zum Schmunzeln: Was hätten Sie denn gern? Die jetzt zum zweiten Mal hauruck von Heiko Bayerlieb eingerichtete Coburger Kunstmesse - dem umtriebigen Veranstalter aller Art, jetzt eben auch von ART - rief auch heuer:Tut nicht lang rum und "Kauft Kunst", worin der ganze Charme liegt. Der "Umschlagplatz Coburg", früher für Pakete, heute für Kunst aller Art, an einem sehr schön und interessant sich entwickelnden, neuen öffentlichen Raum in Coburg, in den Alten Pakethallen südlich der Frankenbrücke, wo durch die Designtage so reizvolles Ambiente geschaffen wurde, zog etwa 2000 Besucher an.
Etwa 50 Künstler aus der ganzen Republik waren dem Aufruf gefolgt und richteten sich von Samstagnachmittag bis Sonntagabend in ihren Kojen ein. Die Besucher schlenderten vorbei, etwa an den wunderbaren Leuchtobjekten aus Papier von Philine Görnandt aus Jena. Ach du Schreck, Papier? Ja, in 40 einzelnen Schichten aus dem Leim gezogen, bis ein plastischer Stoff entstanden ist, der gefältelt und geformt werden kann zu traumhaften, sanft transparenten Gestaltungen. (Putzen? Kein Problem, sagt die Künstlerin. Die Staubsaugerdüse darf ran. Da sind wir aber beruhigt.)
Wie kam denn dieser Jouri Jarkikh (Jarki) hierher? Ein aus der UdSSR Vertriebener, wie er selbst sagt, der heute in Frankreich lebt und technisch perfekt gemalte Monstergeburten in Farbe bindet. Und daneben dann die "Spitzenbilder" von Jürgen Weinig aus Kißlegg, schräg gezeichnete Weiblein, die in winzige Fleckchen aus textiler Spitze gekleidet sind. Oder wieder aus ganz anderer Welt, die gläsernen Skulpturen von Susanne und Ulrich Precht aus Lauscha. Auch Bildhauerisches gab es viel Reizvolles zu entdecken.
Derweil sitzt der Seßlacher Bildhauer Wolfgang Schott zwischen seinem aufmüpfigem Hahn aus Holz, sonstigem Geflügelten und monumentalen Köpfen, als könne er gar nicht anders. Kann er aber sehr wohl, wie er am Samstag Abend mit seiner Band bewies.
Vertraute Vertreter der Region wie Vera Schnitzer mit ihren Schriftbildern, Peter Schnellhardts (Bad Rodach) witzige Kätzchen, dann die überrealistisch wirkenden "schwarzgemalten" Menschenbilder von Mario Wolf und noch zu entdeckende junge Künstler der Region wie Marina Abramova aus Untersiemau.
Sehr still saß der japanische, in Halle lebende Maler Masaki Hagino mit seinen luziden, nur aus leichten weißlichen und blauen Tönen in Parafinwachs schwimmenden Gemälden im heiteren Trubel der Unterhaltungen.
Doch alle Beschreibung dieser doch witzigen Coburger Kunstmesse ist ja ungerecht. Welchen der tatsächlich zahlreichen hochkarätigen Künstler greift man heraus? Besser, das tut jeder für sich - beim nächsten Mal, denn Heiko Bayerlieb macht weiter. Er ist auch mit der zweiten Auflage seiner Kunstmesse sehr zufrieden: Die Stimmung, die Künstler untereinander, die vielen interessierten Besucher, die vielen schönen Gespräche, "da müssen wir einfach weitermachen", versichert Bayerlieb. "Die Künstler haben viel verkauft, die sind happy. Außerdem ist mir der Sprung nach Thüringen gelungen. Von dort kamen in diesem Jahr viele erstklassige Künstler. Das ist toll."
Für Coburg ist dieser "Umschlagplatz" ein locker-leichtes, dabei sehr anregendes und kunstvolles Sommervergnügen.
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