Coburg
Technikgeschichte

Coburg: Marke "Flocken" steht zum Verkauf

Andreas Flocken baute 1888 eins der ersten Elektroautos der Welt in Coburg. Mit Flockens Namen möchte nun ein Marktoberdorfer ein Geschäft machen - nicht unbedingt zur Freude von Flockens Nachfahren.
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Andreas Flocken in seinem Elektromobil. Fast alle Flocken-Nachfahren haben ein Exemplar dieser Aufnahme, die in Coburg entstand. Laut Lieselotte Specht, einer in Köln lebenden Flocken-Enkelin, ist auf ihrer vermerkt "Ernstplatz 1892". Es dürfte daher das erste Flocken-Fahrzeug sein. Es gibt weitere Fotos mit verbesserten Fahrzeugen in den Folgejahren, das letzte von 1903. Foto: CT-Archiv
Andreas Flocken in seinem Elektromobil. Fast alle Flocken-Nachfahren haben ein Exemplar dieser Aufnahme, die in Coburg entstand. Laut Lieselotte Specht, einer in Köln lebenden Flocken-Enkelin, ist auf ihrer vermerkt "Ernstplatz 1892". Es dürfte daher das erste Flocken-Fahrzeug sein. Es gibt weitere Fotos mit verbesserten Fahrzeugen in den Folgejahren, das letzte von 1903. Foto: CT-Archiv
Es gibt kaum ein Ereignis in Coburg, bei dem in letzter Zeit nicht Andreas Flocken erwähnt wird. Auch beim Neujahrsempfang am Samstag wurde der Unternehmer genannt, der Ende des 19. Jahrhunderts eine Fabrik für Landmaschinen und ein kleines Elektrizitätswerk (ein Wasserkraftwerk) in Coburg betrieb.

Im September 1888 vermeldete die Coburger Zeitung, dass bei Flocken eine neuartige "Dampf-Chaise" in Arbeit sei. "Dampf-Chaise" führt in die Irre: Zu vermuten ist, dass Flocken an einem batteriegetriebenen Fahrzeug werkelte - einem der frühesten vierrädrigen Elektrowagen der Welt.

Der erste und einzige war Flocken nicht: "Derzeit gelten der Franzose Gustave Trouvé und die Britischen Professoren Ayrton und Perry als die ersten, die 1881 entsprechende Versuchswagen vorführten", sagte Bettina Grundler, die Leiterin des Verkehrszentrums am Deutschen Museum in München, schon im Oktober 2013 dem Tageblatt.

Flocken könnte immer noch einer der ersten in Deutschland gewesen sein, der mit der neuen Technik experimentierte. Wiederentdeckt haben ihn in den vergangenen Jahren nicht nur Coburger Historiker und Grußredner, sondern auch Autofans wie der Marktoberdorfer Kfz-Sachverständige Franz Haag. Er versuchte sich nicht nur an einem Nachbau von Flockens Elektrowagen, sondern ließ sich im Oktober 2012 auch die Marke Flocken rechtlich schützen.


Nachbau passt nicht

Parallel zu Haag befasste sich der Karlsruher Hans Roth mit Andreas Flocken. Der Ingenieur ist ein Urenkel des Coburger Unternehmers, der 1913 starb. Roth stammt von Flockens Tochter Margarete ab, die in Karlsruhe verheiratet war. Im Nachlass seiner Großmutter fand Roth die Fotografien von den Elektroautos, und er machte sich daran, die Geschichte zu erforschen. Schließlich beschäftigen sich Roth und seine Söhne selbst mit Stromerzeugung - wie Andreas Flocken produzieren sie Wasserturbinen.

Viel ist über Flockens Elektrowagen nicht überliefert. Doch als Roth 2011 das erste Mal Franz Haags Rekonstruktionsieht, ist er entsetzt: Haag hat eine "Doktorskutsche" verwendet, deren Hinterräder höher sind als die Vorderräder. Die alten Fotos von Flockens Fahrzeugen zeigen ausnahmslos Wagen mit gleich großen Rädern und einer Achsschenkellenkung. Haags Nachbau hat eine Mittelbolzenlenkung, für deren Bedienung der Fahrer viel mehr Kraft braucht.


Markenrechte gesichert

"Alles falsch", meint daher Hans Roth. Doch was ihn noch mehr ärgert, ist, dass Franz Haag sich den Namen "Flocken" als Marke hat schützen lassen und damit ins Elektro-Mobilgeschäft einsteigen wollte. "Flocken urbano" hieß eine der Studien, die Haag auf seiner Website präsentierte, ein elektrisch betriebener Flitzer für kurze Wege in den Innenstädten. Aus dem "Flocken urbano" sei inzwischen der "E-Go" des gleichnamigen Unternehmensin Aachen geworden, teilt der 66-Jährige per E-Mail mit. "Ich möchte mich auf mein ,Berufshobby‘, dem Erarbeiten von Produkt-Visionen im Bereich e-Mobilität konzentrieren."

Deshalb will er nun die Marke Flocken verkaufen. "Da ich mittlerweile im Rentenalter und gesundheitlich stark angeschlagen bin, werde ich die Marke selbst nicht mehr geschäftlich verwerten", schreibt Haag. "Mir liegt es sehr am Herzen, dass unter dieser Marke nur Elektrofahrzeuge gebaut und vertrieben werden, die der Flocken-Philosophie entsprechen."

Deshalb habe er auch seine Ansprechpartner in Coburg über den geplanten Verkauf informiert, "falls sich in Ihren Reihen (Nachkommen von Flocken, Stadt Coburg, Firmen in Coburg und Umgebung, ...) doch eventuell ein Interessent befindet."


Preis: Eine Million

Auch Hans Roth in Karlsruhe hat die E-Mail erhalten, sich aber noch nicht damit befassen können, wie er sagt. Er will nun noch einmal einen Anwalt prüfen lassen, ob die Flocken-Nachfahren nicht Anspruch auf die Marke erheben können. Haag glaubt das nicht. Eine Million Euro hat er als Wunschpreis für die Marke Flocken auf dem einschlägigen Portal www.marken-boerse.com eingetragen. Ob er wirklich diese Summe will, darüber schweigt Haag sich aus. "Der Verkauf eilt nicht und ist für mich auch erst ab einer gewissen Summe interessant."


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