Coburg
Interview

Chaos am Theater feiert Premiere in Coburg

Mit seiner Erfolgskomödie "Der nackte Wahnsinn" treibt Michael Frayn das Spiel zum Thema "Theater auf dem Theater" auf der Spitze. Wie nahe an der Wirklichkeit das Stück ist, verrät Coburgs Schauspieldirektor Matthias Straub.
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Turbulent geht es zu in Michael Frayns "Der nackte Wahnsinn": Probenszene mit Niklaus Scheibli als Regisseur Lloyd Dallas. Foto: Andrea Kremper
Turbulent geht es zu in Michael Frayns "Der nackte Wahnsinn": Probenszene mit Niklaus Scheibli als Regisseur Lloyd Dallas. Foto: Andrea Kremper
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Am Theater herrscht pures Chaos - auf und hinter der Bühne. Nichts klappt, wie es klappen soll, das Ensemble ist verstrickt in endlose Grabenkämpfe und der Regisseur ist machtlos im Auge des Orkans. Wie soll daraus eine gelungene Premiere werden? Darum geht es in Michael Frayns "Der nackte Wahnsinn". Schauspieldirektor Matthias Straub bringt den Komödien-Hit auf die Bühne des Landestheaters. Premiere ist an diesem Samstag (19.30 Uhr) im Großen Haus.

In zwei, drei Sätzen: Wie lässt sich dieses Stück beschreiben aus der Sicht des Regisseurs?
Matthias Straub: Es ist die Mutter aller Komödien. Es ist Theater im Theater im Theater. Wir zeigen dreimal eine Boulevard-Komödie mit dem schönen Titel "Nackte Tatsachen". 1. Akt von vorne: die Generalprobe. 2. Akt auf der Hinterbühne: das stumme Chaos hinter der Bühne. 3. Akt: die allerletzte Vorstellung auf der Tournee, bei der die Grabenkämpfe sehr deutlich greifen. Wir setzen das nach Stratford upon Avon. Das ist Krieg auf der Bühne.

Was reizt Sie an diesem "Wahnsinn"?
Dieses Stück wird in regelmäßigen Abständen immer wieder gespielt, weil es für alle Theaterschaffenden wirklich ein Griff ins Leben ist. Wir zeigen, wie es wirklich zugeht - natürlich überspitzt. Aber jeder findet in dem sehr gut beobachteten Werk sich selbst wieder. Der Regisseur findet sich, der genervt, gestresst ist von Provinz-Knallchargen. Die Schauspieler finden sich wieder im Umgang mit den Requisiten, der Not, pünktlich auf die Bühne zu kommen, der Not mit den Kollegen: Zwietracht, Eifersucht, Hass. Natürlich alles überspitzt. Aber wenn man unter den Produktionsbedingungen arbeitet, die wir hier auch haben, ist das Nervenkostüm schnell sehr dünn. Da das ein britisches Stück ist, ist sehr viel schwarzer Humor drin, der mir natürlich sehr gut gefällt. Es ist ein bisschen böse - böse überspitzt.

Was war letztlich der Auslöser, dieses Stück in Coburg auf den Spielplan zu setzen?
Ich bin ja Handwerker von Beruf. Man will dieses Werk einmal im Leben gemacht haben. Es fordert alle handwerklichen Schubladen. Das hat zu tun mit Timing, mit genauem Bauen. Humor muss ja genau gebaut sein. Handwerklich ist das Stück eine extreme Herausforderung. Jeder Akt steht unter einem eigenen Titel. Der erste Akt ist eher Boulevard-Humor. Der zweite Akt geht in eine Art Pantomime. Und der dritte Akt ist Slapstick pur - mit Unfällen, Treppenstürzen, Bühnenzertrümmerung und Figurenchaos.

Nach den Erfahrungen der Probenarbeit: Wie nahe an der Wirklichkeit ist "Der nackte Wahnsinn"?
Natürlich ist es überspitzt, aber es schöpft aus der Wirklichkeit, es schöpft aus dem, was auf und hinter der Bühne stattfindet während der Proben, während der Vorstellungen. Es ist wahnsinnig gut gebaut, Michael Frayn hat da sehr genau hingeschaut. Ich glaube, er ist auch ein sehr analytischer Schreiber. Es ist fast mathematisch durchstrukturiert, gerade der zweite Akt. Und da ich Mathe-Leistungskurs hatte, habe ich Spaß daran.

"Blues Brothers", "Kohlhiesels Töchter", "Tombstone" - am Landestheater gelten Sie als der Mann für die Blockbuster. Wie schwer lastet der Erwartungsdruck auf Ihnen?
Den Druck spür' ich gar nicht so. Dieser Erfolg geht ein bisschen einher mit meinem Geschmack - und der ist Mainstream. Was mir gefällt, gefällt vielen. Das tut in der Arbeit ganz gut. Ich bin nicht avantgardistisch, ich bin nicht extrem, ich bin nicht formal, sondern ich bin in der Mitte - und das erreicht viele. Der Gedanke, es muss ein Blockbuster werden, kommt gar nicht auf bei der Probenzeit. Der Gedanke ist: Es muss gut werden. Und wenn es gut wird, wird es auch ein Erfolg.

Worauf kommt es bei der Probenarbeit besonders an?
Ziel ist, dass es Tempo hat, dass das Timing stimmt, das ist die Hauptaufgabe bei diesem Stück. Wenn das klappt, hat es auch Qualität.
Im Moment haben wir eine ganz tolle Gruppendynamik. Man fetzt sich zwar sehr bei diesem Stück auf den Proben, aber es schweißt auch extrem zusammen.

Wenn Sie Marketing-Chef des Landestheaters wären: Wie würden Sie diese Inszenierung bewerben?
Der Knaller der Saison wird's nicht werden - den haben wir schon mit "Hair" und "My Fair Lady". Sagen wir: "Der Schenkelklopfer der Saison". Die Lachmuskeln werden - hoffentlich - in hohem Maße beansprucht.

Das Gespräch führte Jochen Berger

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