Coburg
Diskussion

CC: "Wir sind das Bollwerk gegen die Glatzen!"

Auf den Appell der Grünen, der Coburger Convent (CC) möge ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen und dem Bündnis "Coburg ist bunt" beitreten, antwortet der Pressesprecher des CC, Frank Klauss, mit einer langen Stellungnahme.
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CC-Pfingsttreffen 2014 Foto: Albert Höchstädter
CC-Pfingsttreffen 2014 Foto: Albert Höchstädter
Unter anderem heißt es darin: "Wir als Coburger Convent stehen, wie die Stadt Coburg und die Coburger, weiterhin gegen Extremismus. Bunt waren wir schon immer. Und das wird auch immer so sein. Dafür müssen wir uns nicht in ein Bündnis zwingen lassen, um das zu beweisen."

Und: "Wir, der Coburger Convent, sind die bürgerliche Mitte, sind das Bollwerk gegen die Glatzen und die leeren Köpfe des Faschismus und gegen jede andere Form des Extremismus."

Auslöser der aktuellen Diskussion war der Antrag der Grünen, dass die Stadt künftig nicht mehr den Fackelzug beim CC-Pfingsttreffen genehmigt. Begründung: Diese Veranstaltung ziehe auch viele "ewig Gestrige" an, von denen sich der CC aber doch distanzieren müsste. Der CC, betont Klauss, habe sich schon immer von Extremismus losgesagt und abgegrenzt. Den bloßen Beitritt in ein Aktionsbündnis würde Frank Klauss eher als ein "Lippenbekenntniss" werten.

Hier der Brief, der eine Antwort auf den Offenen Brief von martina Benzel-Weyh (Grüne) ist, im kompletten Wortlaut:

"Wir, der Coburger Convent, leben schon lange das Prinzip der Toleranz. Wir haben Liberale, Christ- und Sozialdemokraten in unseren Reihen, der ein oder andere Grüne soll es auch sein. Wir haben schon immer die Menschen nach ihrer Persönlichkeit und nicht nach ihrer Herkunft beurteilt. Das kann Ihnen unser von uns allen gewählter AHCC-Vorsitzer Dr. Ali Mahdi bestätigen.

Wir waren schon basisdemokratisch, da gab es Ihre Partei noch gar nicht. Und vor allem sind wir schon immer bunt gewesen, worauf wir stolz sind.

Wir haben uns schon immer von Extremismus losgesagt und abgegrenzt. Wir sind selbst verfolgt worden. Nicht nur in der NS-Zeit. Nein, auch heute noch. Wir werden jedes Jahr in Coburg bepöbelt, bespuckt, beraubt und körperlich angegriffen. Meist feige und von hinten. Es vergeht kein Jahr ohne dass Farbbeutel gegen unsere Häuser geschleudert werden, kein Semester ohne Diffamierungen. Selbst das Leben ist nicht sicher: 1998 wurde auf das Haus meiner lieben Turnerschaft Munichia in Bayreuth ein Brandanschlag verübt. Nur durch Glück konnte verhindert werden, dass Menschen zu Schaden kamen. Weniger Glück hatte mein Bundesbruder Ernst Zimmermann. Er wurde am 1. Februar 1985 feige vor den Augen seiner Ehefrau von der RAF ermordet. Die Tat wurde nie aufgeklärt.

Noch vor zwei Jahren wollten Sie uns aus der Stadt werfen lassen. Sie forderten vom damaligen OB Kastner einen Platzverweis uns gegenüber. Sie hätten uns satt, würden sich schämen. Sie sind nicht in der Lage zu differenzieren und verdrehen Dinge, wie die Anordnung der Farben der damaligen Präsidierenden Landsmannschaft Troglodytia von rot-weiß-schwarz in die Reichsflagge. Meine Turnerschaft Munichia hat die gleichen Farben wie Troglodytia; werden Sie also 2015 wieder behaupten, da hinge die Reichsflagge und wir hätten eine Hang zum Rechtsextremen?

Wo ist die Toleranz uns gegenüber?

Wir machen jedes Jahr Coburg bunt.

Wir bekennen uns jedes Jahr zu unseren Werten Freiheit, Ehre, Vaterland, Freundschaft - und Toleranz. Jedes Jahr sehen Sie die jungen Gesichter der Verbandsbrüder, Gesichter aus Europa, aus Afrika, aus Asien. Fröhliche Gesichter. Und Menschen ohne Toleranz schreien ihnen "Faschist" oder "Nazi" ins Gesicht.

Sie sagen: das wird alles gut, wenn wir dem Aktionsbündnis beitreten würden.
Ich sage, das sind Lippenbekenntnisse. Damit kriegen wir nicht einen Neonazi aus Coburg, aus Deutschland vertrieben. Haben Sie keine anderen Ideen, wie man denen entgegentreten kann?
Ich schon.
Seien Sie tolerant! Nicht den Nazis gegenüber, sondern uns. Erkennen Sie die Realität an: wir sind keine Nazis. Machen Sie das nicht von irgendwelchen Lippenbekenntnissen abhängig! Hier sprechen unsere gelebten Werte für uns!
Wir, der Coburger Convent, sind die bürgerliche Mitte, sind das Bollwerk gegen die Glatzen und die leeren Köpfe des Faschismus und gegen jede andere Form des Extremismus.
Das ist und war schon immer unser Bekenntnis. Bekennen Sie sich zu uns - zur Toleranz, zur Demokratie und zur Freiheit!

Und, liebe Frau Benzel-Weyh, bekennen Sie sich doch bitte einmal zu Ihrer Stadt Coburg, zu ihrer Bevölkerung. Die Coburger waren uns immer hervorragende Gastgeber. Sie haben es nicht verdient, von Ihnen belehrt zu werden, an der Kippe zum Nationalsozialismus zu stehen, nur weil sie sich zum Coburger Convent bekennen und zum Fackelzug gehen.

Wir als Coburger Convent stehen, wie die Stadt Coburg und die Coburger, weiterhin gegen Extremismus. Bunt waren wir schon immer. Und das wird auch immer so sein. Dafür müssen wir uns nicht in ein Bündnis zwingen lassen, um das zu beweisen.

Im übrigen sind Sie als Coburger Partei der Grünen selbst nicht Mitglied im Aktionsbündnis "Coburg ist bunt". Wie mir mitgeteilt wurde, denken Sie über einen Beitritt nach, haben aber noch nicht darüber abgestimmt. Darüber soll nach meinem Kenntnisstand erst im Dezember abgestimmt werden. Wie kommen Sie dann bitte dazu, uns dies dringend zu empfehlen, wenn Sie diesen Schritt selbst noch nicht getan haben?

Daher fordere ich Sie auf, wenn sie am 9. Dezember darüber abstimmen, stehen Sie auf gegen jeglichen Extremismus in Coburg. Zeigen sie Toleranz zu anderen Lebensweisen und Lebenssichten aus der demokratischen Mitte!"


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