Buscheller
Interessenkonflikt

Biber machen bei Buscheller massive Probleme

Weil ein Wasserdurchlass unter der Autobahn geflutet ist und rostet, droht eine teure Reparatur. 250.000 Euro würde der Austausch kosten. Deshalb überlegt die Naturschutzbehörde, die Nager zu vertreiben.
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Neben dem rostenden Wasserdurchlass durch den Straßendamm der Autobahn, hat der Bibersee bei Buscheller auch der Kläranlage in Meschenbach Probleme bereitet. Denn mitten durch die aufgestaute etwa zwei Hektar große Wasserfläche führt die Abwasserleitung zur Kläranlage. Christoph Winter
Neben dem rostenden Wasserdurchlass durch den Straßendamm der Autobahn, hat der Bibersee bei Buscheller auch der Kläranlage in Meschenbach Probleme bereitet. Denn mitten durch die aufgestaute etwa zwei Hektar große Wasserfläche führt die Abwasserleitung zur Kläranlage. Christoph Winter
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Seit etwa vier Jahren staut ein Biber den Füllbach nahe des Gruber Ortsteiles Buscheller auf. Für die Straßenbauer der Autobahndirektion Nordbayern droht daraus ein Schaden von einer Viertelmillion Euro zu erwachsen. Denn durch das rege Staudammbauen des Bibers steht ein Wasserdurchlass unter der Autobahn oft unter Wasser. Das zwei Meter mächtige Rohr aus Wellstahl soll bei starkem Regen die Friesendorfer auf der anderen Seite der Autobahn vor nassen Füßen bewahren.

Ansonsten sollte in dem Rohr eigentlich kein Wasser stehen. So hat Bauoberrat und Dipl.-Ingenieur Michael Probst von der Autobahndirektion Nordbayern im Sommer vergangenen Jahres bei einer Ortsbesichtigung erklärt. Der Stahl der Röhre hat angefangen zu rosten.
Das würde in den nächsten Jahren unweigerlich die Tragfähigkeit zerstören.


Sanierung würde eine Viertelmillion Euro kosten

In den zurückliegenden Monaten hat die Autobahndirektion Nordbayern bei der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Oberfranken in Bayreuth eine Expertise über die Sanierung des Wasserdurchlasses abgegeben. Ergebnis sind die immens hohen Kosten. Für den Artenschutzreferenten der Bezirksregierung, Manfred Scheidler, gibt es mehrere Alternativen: Entweder der Wasserdurchlass werde so erneuert und umgebaut, dass er nicht ständig Wasser führt, der Staupegel des Bibersees werde dauerhaft abgesenkt, das Tier müsse vertrieben oder erlegt werden.

Nach den Worten von Scheidler lasse sich ein derart großer Aufwand von 250.000 Euro wegen eines Tieres kaum rechtfertigen. Immerhin würden jedes Jahr in Bayern rund 1000 der Nagetiere geschossen, "denn mittlerweile entwickelt sich die Biberpopulation mancherorts schon zu einem Problem", räumt der Artenschutzreferent ein.

Gleichwohl steht der Nager unter strengem Naturschutz. War die Art in Deutschland vollständig ausgerottet, schreibt der Biber seit seiner Wiederansiedlung in Deutschland in den 1970er-Jahren eine Erfolgsgeschichte. Ein natürlicher Feind des Bibers ist der Fischotter, "der ein Jungtier erlegen kann".


Die Tiere werden sich wohl weiter ausbreiten

Der Freistaat sei mittlerweile flächig von Bibern besiedelt "und das wird sich weiter ausbreiten", stellt Manfred Scheidler fest. Deshalb müsse bei Konflikten mit Bibern oder ihren Staudämmen kontinuierlich gehandelt werden. "Wird ein Biber vertrieben, dauert es meist nicht lange, bis ein anderes Tier das Revier besiedelt", erklärt Scheidler.

In den vergangenen Monaten hat sich der Nager, vielleicht handelt es sich auch um eine Biberfamilie, im Füllbach auch schon bachaufwärts vorgearbeitet. Ein zweiter Damm ist entstanden, jede Menge Bäume und Bäumchen sind etwa 30 Zentimeter über dem Boden angenagt oder und umgeworfen worden.

Bäume ließ auch die Autobahndirektion fällen: Einige mannstarke Exemplare waren angenagt und hätten wegen ihrer Höhe auf die A 73 stürzen können.


Problem auch bei der Kläranlage

Ein weiteres Problem ist der Bibersee für die Kläranlage in Meschenbach. Denn mitten durch die aufgestaute etwa zwei Hektar große Wasserfläche führt die Abwasserleitung zur Kläranlage. Drei Revisionsschächte sind mittlerweile nur mit Wathose oder Boot zu erreichen.

Bislang ergießt sich der Füllbach in die Schächte. Zuviel Fremdwasser kann die biologische Klärstufe zum Umkippen bringen. Um hier Vorsorge zu treffen, entfernen Mitarbeiter der Gemeindehöfe immer wieder Teile des Dammes aus Ästen und Zweigen, damit der Wasserpegel stets unter der Oberkante der Revisionsschächte bleibt.

Frühestens im Sommer würden die beiden Dämme entfernt werden, so Evelyn Pilz von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Coburg. Ein Elektrozaun könne verhindern, dass sich wieder ein Biber dort ansiedle. Wenige hundert Meter bachabwärts auf der anderen Seite der Bahnlinie Coburg-Lichtenfels hat das Landratsamt eine Ausgleichsfläche für den Naturschutz erworben. Dort könnte ein Biber konfliktfreier nagen und bauen.




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