Coburg
Reformationsjubiläum

Bezaubernde Lebensweisheiten

Als Fee vermittelt Nora Meixner Kindern im Naturkundemuseum Fabeln des griechischen Dichters Äsop, die Luther 1530 ins Frühneuhochdeutsche übersetzte.
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Daumen hoch für Äsops Fabeln: Nora Meixners Kinder, die neunjährige Beatrix und der 13-jährige Justus, waren die ersten, die den Geschichten ihrer Mutter über den listigen Fuchs und die wohlgenährte Stadtmaus lauschen durften. Foto: Katja Nauer
Daumen hoch für Äsops Fabeln: Nora Meixners Kinder, die neunjährige Beatrix und der 13-jährige Justus, waren die ersten, die den Geschichten ihrer Mutter über den listigen Fuchs und die wohlgenährte Stadtmaus lauschen durften. Foto: Katja Nauer
"Das ist der Fuchs, und hier ist die Stadtmaus", sagt Nora Meixner und hebt zwei Handpuppen in die Höhe. Reineke Fuchs und das Mäuschen sind zwei von sechs verschiedenen Exemplaren, mit denen die Museumsführerin ab April Kinder im Naturkundemuseum begeistern und nebenbei spielerisch noch Wissenswertes über Martin Luther und den griechischen Dichter Äsop vermitteln will. "Ich spiele mit den Puppen mehrere Fabeln nach", erklärt die sympathische Wienerin, "diese beiden Tiere finde ich persönlich am herzigsten."
Wer kennt sie nicht, die Fabel vom listigen Fuchs, der dem gefräßigen Raben oben auf dem Baum mit falschen Komplimenten den saftigen Käse abluchst? "Er schmeichelt dem Raben und lobt seine schöne Stimme, bis dieser endlich den Schnabel öffnet, um ein Lied zum Besten zu geben", erzählt die Museumsführerin. Und schwupps - schon fällt der Käse dem listigen Fuchs vor die Pfoten! "Der macht sich flugs damit aus dem Staub."
Und was lernt man aus der Geschichte? Der Rabe zum Beispiel sollte doch wohl etwas selbstkritischer sein. Haben Raben eine schöne Stimme? Eher nicht. Überschwänglichen Komplimenten ist folglich nicht zu trauen!
Ein anderes Beispiel ist das Gleichnis von der dicken, wohlgenährten Stadtmaus, die vor der armen Landmaus mit ihren gut gefüllten Vorratskammern prahlt. Als sich jedoch ein menschlicher Aufpasser nähert, rennen die beiden Mäuse um ihr Leben und entkommen nur knapp dem Tod. Die arme Landmaus kehrt dann doch lieber wieder in ihr karges, aber friedliches Landleben zurück.


Aufruf zur Bescheidenheit

"Das ist ein Aufruf zur Bescheidenheit", sagt Nora Meixner. "Denn lieber bescheide ich mich mit weniger, als in ständigem Überfluss, dafür aber in steter Gefahr zu leben."
"Diese bildhaften Fabeln stammen aus der Feder des Äsop, eines griechischen Sklaven, über den nur sehr wenig überliefert ist", erklärt die Museumsführerin. Als Martin Luther im Jahr 1530 auf der Veste Coburg weilte, übersetzte er 13 dieser Fabeln aus dem Griechischen ins Frühneuhochdeutsche. "Luther war sehr modern, ihm war Bildung sowohl für Buben als auch für Mädchen sehr wichtig."
Luther habe Fabeln als geeignetes und unterhaltsames Medium betrachtet, um Kindern, aber auch dem einfachen Volk, Lebensweisheiten zu vermitteln, und wie man ein gutes und friedfertiges Leben führen könne. "In den Fabeln übernehmen Tier-Charaktere menschliche Züge", sagt Nora Meixner.
So schrieb Äsop beispielsweise über menschliche Schwächen wie Neid, Dummheit, Geiz oder Eitelkeit. Luther hatte die Geschichten in der Schule kennen gelernt und fand "außer der Heiligen Schrift nicht viele Bücher, die diesem überlegen sein sollten". So zitiert der Leiter des Naturkundemuseums, Carsten Ritzau, den Reformator.


Eigenen Ansatz gefunden

Um Martin Luther und die Reformation kommt man im Jahr 2017 nicht herum. Mit der Verknüpfung von Natur und Tierwelt fand Ritzau einen ganz eigenen Ansatz des Naturkundemuseums zum Reformationsjubiläum. Und was lag da näher, als eine studierte Biologin, die gleichzeitig auch erfahrene Museumsführerin ist, für die neu konzipierte Familienführung zu gewinnen?
Die Österreicherin mit dem Wiener "Schmäh", die "der Lockruf" eines Coburgers in die Vestestadt verschlagen hat, schlüpft als Fabel(hafte)-Fee Nora in ein rotes, mit grünen Efeublättern bekränztes Feen-Kostüm. "Ich möchte eine ganz besondere Stimmung und auch Achtsamkeit entstehen lassen", betont sie.
Meixner konzipiert ihre Führungen stets eigenständig. Die Familienführung durch die Sonderausstellung unter dem Motto "Fabelhaft! Tiere, Natur und Schöpfung bei Martin Luther", die am 9. April ihre Pforten öffnet, ist bereits ihre dritte im Naturkundemuseum. "Mir ist wichtig, mit Figuren zu arbeiten, die ansprechend sind", sagt Meixner. "Obwohl der Fuchs in der Fabel oft listig und verschlagen ist, soll er den Kindern keine Furcht machen, sondern zum Nachdenken anregen."


Für wen sind die Führungen?

Geeignet sind die halbstündigen Führungen, die außerhalb der Ferien an allen Sonntagen, jeweils ab 15 Uhr, stattfinden, für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. "Die Kinder dürfen mit den Handpuppen eine Fabel selbst nachspielen. Außerdem basteln wir einen Origami-Wolf", erzählt die Biologin. Zudem können die kleinen Gäste in ein echtes Wolfs- oder Schaffell schlüpfen.
Meixner ist eine erfahrene Museumsführerin, arbeitet als Stadtführerin, führt auch durch das Museum für modernes Glas in Rödental und durch die Kunstsammlungen der Veste Coburg. Was ist ihre Intention? "Ich möchte die Kinder verzaubern", sagt sie, "sie sollen sich wohlfühlen im Museum. Denn wo man sich als Kind wohlgefühlt hat, da geht man auch als Erwachsener hin."
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