Ahorn
Gespräch

Bewahrerin eines reichen Schatzes

Seit Oktober 2014 leitet Jana Buhrow das Gerätemuseum Ahorn. Sie stellt in ihrer Arbeit und im Kontakt zu den Besuchern fest, dass viele sich wieder auf alte Bräuche und regionale Produkte zurückbesinnen.
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Jana Buhrow am Handwaschgerät. Diese Waschhilfe wurde in einen mit Lauge gefüllten Waschzuber gestellt und die Wäsche zwischen den Holzleisten des feststehenden und des beweglichen Teils bewegt. Der Waschvorgang entspricht dem Vorgang beim Waschen mit der Wäscherumpel.  Foto: Steffi Karl
Jana Buhrow am Handwaschgerät. Diese Waschhilfe wurde in einen mit Lauge gefüllten Waschzuber gestellt und die Wäsche zwischen den Holzleisten des feststehenden und des beweglichen Teils bewegt. Der Waschvorgang entspricht dem Vorgang beim Waschen mit der Wäscherumpel. Foto: Steffi Karl
Ahorn — Wer in diesen Tagen die Alte Schäferei in Ahorn besucht, fühlt sich um gut zwei Jahrhunderte in der Zeit zurückversetzt: Die Gebäude liegen vor dem dichten Wald noch im morgendlichen Nebel, das Gelände ist wegen der Winterschließzeiten menschenleer und lediglich die feine Rauchsäule aus dem Schornstein des ehemaligen Schäferhauses verrät, dass sich dort irgendwo Menschen aufhalten. Diese altehrwürdige Idylle ist der neue Arbeitsplatz von Jana Buhrow. Die 41-jährige gebürtige Duisburgerin leitet seit Oktober 2014 das Gerätemuseum und freut sich über ihren "beruflichen Erstkontakt" mit der Bildungsregion Coburg.

Aus dem Ruhrgebiet nach Franken - Wie kam es zum Brückenschlag gerade nach Coburg?
Jana Buhrow: Ich habe in Trier Kunstgeschichte studiert und in Selb mein zweijähriges Volontariat absolviert.
Dabei hatte ich schon immer das Ziel, in den Museumsbereich zu gehen, auch wenn man als Kunsthistoriker natürlich auch bei Auktionshäusern oder aber Zeitschriften arbeiten kann. Nach dem Studium habe ich dann freiberuflich unterschiedliche Museumsprojekte betreut, unter anderem für das Stadthistorische Museum in Luxemburg. Als ich die Ausschreibung für die Stelle hier in Ahorn gesehen habe, hat mich vor allem die Leitungsfunktion gereizt. Coburg selbst ist allerdings Neuland für mich. Ich kenne zwar die Sehenswürdigkeiten von persönlichen Ausflügen, beruflich jedoch ist es der erste Kontakt.

Ohne eine gewisse Leidenschaft geht es in diesem Beruf nicht. Was bedeutet "Museum" für Sie im Allgemeinen und Gerätemuseum Ahorn im Besonderen für die gesamte Coburger Region?
Das Museum ist das Gedächtnis einer Region. Und im Gegenzug beispielsweise zur Veste Coburg mit den herzoglichen Sammlungen stellt das Gerätemuseum das Leben und Arbeiten auf dem Land dar, beschäftigt sich mit der bäuerlichen Lebenskultur und den jahreszeitlichen Arbeiten des Bauern. Insgesamt gibt es hier mehr als 30 000 gesammelte Objekte und eben diese Sammlung bildet das Rückgrat, die Arbeitsgrundlage und den Schatz eines Museums. Die Schäferei selbst bietet dann gleichsam die "Hülle" für all das.

Stichwort: Tradition. Wie ist Ihre persönliche Einstellung zu Brauchtum und Tradition? Und inwiefern ist diese "alte Schule" in unserer schnelllebigen Zeit vielleicht sogar besonders wichtig?
Ich habe schon das Gefühl, dass sich ein gewisser Trend entwickelt: "Back to the roots!" Vielleicht sind es die Menschen ja wirklich leid, dass sie derart von der Industrie abhängig sind - früher verfügte ein Bauer immerhin über ein sehr eigenständiges, autarkes Wirtschaftsgebilde. Und jetzt achten die Leute wieder mehr darauf, regionale und natürliche Produkte zu kaufen. Sie beschäftigen sich mit Naturheilkunde, es gibt wieder Spinnstuben und junge Frauen kochen auch wieder selbst Marmelade, recht pfiffig und mit neuen Gewürzen. Es gibt also in jedem Fall Tendenzen in die Richtung, alte Bräuche wieder aufzugreifen.

Nach einer ersten Zeit der Akklimatisierung: Was gefällt Ihnen besonders gut an Franken?
Jede kleine Ortschaft hier in Franken feiert Kirchweih! Das ist auch eine Tradition, die über Jahrhunderte und Generationen hinweg überliefert wurde. Mündliche, schriftliche und auch dingliche Überlieferung, das alles ist Brauchtumspflege. Und diese Feste verbinden Generationen. Außerdem gefällt mir die gesamte Landschaft und Coburg hat noch dazu einiges im kulturellen Bereich zu bieten - es gibt hier sehr viele Schlösser in der Umgebung, das ist ein reicher Schatz, da gibt es jede Menge zu entdecken.

Haben Sie eine "Lieblingsecke" hier im Gerätemuseum?
Die aktuelle Sonderausstellung "Sauerkraut und Ketchup - Ein Streifzug durch drei Jahrhunderte Vorratshaltung", deren Laufzeit bis Ende Oktober 2015 verlängert wird, gefällt mir sehr gut. Früher war eine entsprechende Haushaltsplanung lebensnotwendig, Supermarkt und Kühlschrank gab es ja nicht. Hier kann man viel lernen und vielleicht auch mal darüber nachdenken, wie heutzutage Lebensmittel haltbar gemacht werden - zum Teil geht das nur durch Konservierungsstoffe.

Ein Blick in die Zukunft: Was ist wichtig für das Gerätemuseum? Wo werden Schwerpunkte gesetzt?
Coburg ist Bildungsregion und auch die Alte Schäferei wird als Bildungseinrichtung gewertet. Wir haben daher einen wichtigen Bildungsauftrag in der Region: Wir sprechen viele Schulklassen an, wir haben engen Kontakt zu bestimmten Schulen. Das Museum soll ein lebendiger Treffpunkt sein, für alle Altersstufen und Gruppen. Zukünftig wollen wir unsere Zusammenarbeit mit anderen Bildungseinrichtungen wie beispielsweise der Volkshochschule noch verstärken und weiter ausbauen und darüber hinaus auch weitere lokale Akteure einbinden. Durch all dies wird das Profil des Museums geschärft und erweitere Mitmach-Programme sollen dabei helfen, die Menschen in der Region für die Inhalte des Gerätemuseums zu begeistern.
Das Gespräch führte unsere Mitarbeiterin Stefanie Karl

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