Beiersdorf bei Coburg
Prozess

Beiersdorf-Prozess: Beschuldigten droht "lebenslänglich"

Ab Donnerstag wird der gewaltsame Tod von Wolfgang R. erneut am Coburger Landgericht verhandelt.
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In seinem Wohnhaus im Beiersdorfer Eichenweg starb Wolfgang R. einen gewaltsamen Tod. Abläufe und Motive konnten im ersten Prozess am Landgericht nicht zweifelsfrei geklärt werden. Foto: CT-Archiv / Oliver Schmidt
In seinem Wohnhaus im Beiersdorfer Eichenweg starb Wolfgang R. einen gewaltsamen Tod. Abläufe und Motive konnten im ersten Prozess am Landgericht nicht zweifelsfrei geklärt werden. Foto: CT-Archiv / Oliver Schmidt
In erster Instanz war das Quartett, das für den Tod des Beiersdorfers Wolfgang R. verantwortlich ist, wegen Totschlags beziehungsweise Körperverletzung zu Haftstrafen zwischen sieben und dreizehneinhalb Jahren verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine Verurteilung wegen Mordes angestrebt. Nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil des Coburger Landgerichts im November 2015 aufgehoben hatte, wird der Fall ab Donnerstag neu verhandelt. Nun droht den drei Männern und der Lebensgefährtin des Opfers eine deutlich längere Zeit im Gefängnis.

Am Wortlaut der Anklage, die den Medien am Freitag zur Verfügung gestellt wurde, hat sich gegenüber dem Schriftsatz vom November 2014 nichts geändert. Angeklagt sind erneut die 43-jährige Lebensgefährtin des Opfers, Maria S., und deren Noch-Ehemann, Helmut S. (59). Sie sollen zwei Männer angestiftet haben, Wolfgang R. zu töten oder zumindest schwer zu verletzen: Paul K. (24) und Peter G. (47) waren dafür im Februar 2015 von der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts jeweils zu 13 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden; ihre beiden "Auftraggeber" zu je sieben Jahren.


Gericht verneinte Mordmerkmale

In ihrem Urteil hatte die Kammer unter Vorsitz von Richter Gerhard Amend seinerzeit entschieden, Wolfgang R. sei weder aus Heimtücke noch aus Habgier getötet worden, die "Mordmerkmale" seien nicht erfüllt. Die Urteile lauteten deshalb "nur" auf Totschlag beziehungsweise Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft und die Tochter des Opfers sahen das allerdings anders und legten Revision ein. Der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil im vergangenen November.

Für den neuen Prozess, der am 7. April um 9 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landgerichts beginnt, sind zunächst zehn Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht will 96 Zeugen und sieben Sachverständige hören.

Beim Prozessauftakt am 26. November 2014 machten die mutmaßlichen Täter, Peter G. aus Coburg und Paul K. aus Hildburghausen, zunächst keine Angaben zur Tat. Maria S. dagegen legte gleich am ersten Prozesstag überraschend ein Teilgeständnis ab. Die gebürtige Brasilianerin, die 2013 eine Bar in der Coburger Innenstadt betrieb, bestritt allerdings vehement, dass ihr Lebensgefährte getötet werden sollte, er habe lediglich einen "Denkzettel" erhalten sollen.

Im Laufe des Prozesses brachen Peter G. und Paul K. ihr Schweigen doch noch und belasteten plötzlich Helmut S.; sie behaupteten, nicht Maria S. habe ihnen den Auftrag erteilt, Wolfgang R. eine "Abreibung" zu verpassen, sondern Helmut S., deren Noch-Ehemann.
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