Coburg
Bäckerkette

Bernards Bäck: Rätselraten um Betriebsschließung

Seit Dienstag sind die Verkaufsstellen und Cafés von "Bernards Bäck" geschlossen. Doch das Vorgehen wirft einige Fragen auf.
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Seit Dienstag öd und leer: das "Bäckercafé" am Marktplatz in CoburgFoto: Simone Bastian
Seit Dienstag öd und leer: das "Bäckercafé" am Marktplatz in CoburgFoto: Simone Bastian
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Nicht nur die Kunden standen unversehens vor verschlossenen Türen - auch die Mitarbeiter, die eigentlich am Dienstag wie gewohnt Brot, Brötchen, Plunder und Hörnchen verkaufen wollten. Die Filialen der Kette Bernard's Bäck sind seit Dienstag geschlossen.


Plakate an den Schaufenstern

Als Begründung hängen gelbe Plakate an den Fenstern: "Wegen schwerer gesundheitlicher Probleme muss ich meinen Betrieb ab dem 27. 12. 2016 schließen." Darunter steht der Name Helmut Bernard.


Vor gut 20 Jahren Schlagzeilen gemacht

Der hatte vor gut 20 Jahren schon einmal Schlagzeilen gemacht: Ende Juli 1995 öffnete Bernard entgegen dem damaligen Ladenschlussgesetz am Sonntagvormittag seine Bäckerei und seine Verkaufsstellen - in Coburg am Albertsplatz und im Steinweg - um frische Brötchen zu verkaufen. Sein Argument: Tankstellen und Bahnhofsverkaufsstellen dürften ja auch morgens Brötchen anbieten.


"Brötchen-Rebell"

Doch Bernard hatte durchaus Gegner unter seinen Innungskollegen. 25 von ihnen taten sich zusammen und klagten gegen ihn; unabhängig davon hatte die Polizei Bernards Sonntagsverkaufsaktionen jedesmal schon nach kurzer Zeit unterbunden - beim ersten Mal ließ sie sich noch über eine Stunde Zeit, am Ende dauerte es bis zur Einstellung des Verkaufs nur noch 25 Minuten. Auch juristische Winkelzüge, wie die Gründung eines "Vereins der Freunde des Sonntagsfrühstücks" oder der Straßenverkauf aus einem Hotel, das ohnehin seine Gäste bewirtete, halfen nichts.


Bußgeldzahlung drohte

Am Ende drohte Bernard eine Bußgeldzahlung von 45000 Mark. Der damals 33-Jährige, der erst einige Jahre zuvor den Betrieb von Bad Rodach nach Adelshausen (Thüringen) verlagert hatte, hielt aber nicht unbedingt still: Anfang Februar 1996 gab er gemeinsam mit einem baden-württembergischen Kollegen ein Pressefrühstück im Stuttgarter Landtag.


Am Ende hatte der Gesetzgeber ein Einsehen: Bäckereien dürfen seit 1996 sonntags Brötchen anbieten. Nur der "Bäckerrebell", wie Bernard damals tituliert wurde, verkauft nun keine mehr.


"Er war immer so zuverlässig"


Vollkommen überrascht von der Schließungs-Meldung wurde am Mittwoch Nicole Eick von der Autorengruppe "Schreibsand". Die Gruppe hatte mehrere Lesungen im Bäckereicafé am Coburger Marktplatz organisiert, am 14. Januar sollte die nächste stattfinden. "Er war immer so zuverlässig und hat uns unterstützt!", sagt die Coburger Autorin über den Firmenchef Helmut Bernard.


Dass "schwere gesundheitliche Probleme" des Chefs dazu führen, dass ein großer Handwerksbetrieb von heute auf morgen schließen muss, halten viele für seltsam. Das geht aus den Posts auf der Tageblatt-Facebookseite hervor, wo die Meldung vom Mittwoch eifrig diskutiert wurde.


Meldung beim Arbeitsamt

Am Firmensitz in Adelhausen war das Telefon bereits am Dienstag und auch am Mittwoch dauerbesetzt; die ersten Mitarbeiter haben sich Tageblatt-Informationen zufolge schon am Dienstag arbeitslos gemeldet. Selbst ehemalige Mitarbeiter wissen nicht, wer im Falle einer Verhinderung Bernards für den Betrieb zuständig gewesen wäre. Am Mittwoch sollen aber die ersten Kündigungen vorgelegen haben. Einige Mitarbeiter haben das Unternehmen aber schon vorher verlassen: Es sollen zumindest in zwei Fällen schon seit einigen Monaten keine Löhne mehr gezahlt worden sein.


Die Coburger Sonntagsbrötchen-Lösung

Beginn Helmut Bernard legte sich im Sommer 1995 mit seinen eigenen Innungskollegen an, als er eine Aufhebung des Sonntagsbackverbots forderte. Deren Argument: Kleine Bäckereien können eine Sieben-Tage-Woche nicht leisten; die Sonntagsöffnung nutze nur den Großbetrieben.

Umdenken Doch im Frühjahr 1996 schwenkte auch die bayerische Bäckerinnung um und forderte eine Aufhebung des Sonntagsbackverbots. Zu diesem Zeitpunkt boten bereits viele Tankstellen und Bahnhofs-Verkaufsstellen frische Brötchen an.

Coburger Lösung Ab Herbst 1996 war es dann auch den Bäckern erlaubt, sonntags drei Stunden lang Gebäck zu verkaufen. Die Öffnungszeiten mussten die Kommunen festlegen. In Coburg einigten sich die Betriebe der Bäckerinnung auf einen gemeinsamen Verkaufswagen für den Marktplatz. Doch einige Betriebe - darunter auch Bernard - verkauften auch alleine.
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