Berlin
Festival

Berlinale: Zwischen Konversations-Komödie und klassischem Abenteuerkino

Neben den Wettbewerbsfilmen bietet die Reihe "Berlinale Special" Raum für interessante cineastische Entdeckungen.
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"The Lost City of Z": Charlie Hunnam und Tom Holland Foto: Aidan Monaghan
"The Lost City of Z": Charlie Hunnam und Tom Holland Foto: Aidan Monaghan
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Manchmal braucht man bei einem Filmfestival ein bisschen Ausdauer. Aber irgendwann kommt dann im dick bepackten Programm voller Tragik und Anstrengungen ein leichter Film daher, bei dem das Publikum ein bisschen durchschnaufen, schmunzeln und lachen kann.

Mit "The Party" hat die britische Regisseurin Sally Potter ("Orlando") den 67. internationalen Filmfestspielen einen solchen Film geschenkt. Ein Kandidat für den Goldenen Bären mag die Schwarz-Weiß-Produktion vielleicht nicht sein, das Zeug zum Liebling des Publikums hat sie allemal.


Spurloses Verschwinden

Dabei wird in "The Party" geschwafelt ohne Ende: Janet (Kristin Scott Thomas) ist frisch zur Ministerin eines englischen Schattenkabinetts der Linken ernannt worden und lädt deshalb ihren Freundeskreis zu einer kleinen Party ein. Was sich mit Politik-Smalltalk und ein paar freundschaftlichen Bosheiten wie eine typische Runde der intellektuellen Upperclass anlässt, entwickelt sich allerdings rasend schnell zum totalen Desaster für die schlaubürgerliche Spießigkeit. Denn Janets Ehemann sprengt die Runde mit zwei völlig unerwarteten Enthüllungen, in die alle Partygäste verwickelt sind.

Es geht hin und her in "The Party". Freilich wird ein bisschen politisiert (aber nicht zu viel), aber auch gnadenlos unterhaltsam mit der halt nur scheinbar heilen Welt der britischen Oberschicht abgerechnet. Potters Film lebt von vielen herausragenden Schauspielern - darunter Bruno Ganz als blödsinnig schlau daher labernder deutscher Esoteriker - und seinem Tempo. Das ist derart hoch, dass die Geschichte (unsinniger Weise in Schwarz-Weiß) schon in 71 Minuten durchgepeitscht ist.

Das ist für einen Festival-Wettbewerb, bei dem etwa Thomas Arslan mit "Helle Nächte" die Langsamkeit bis zum Exzess auslebt, eine willkommene Abwechslung - für den Weg ins kommerzielle Kino hingegen wohl eher hinderlich. Schade, denn "The Party" hat was für große Publikum.

Schon deutlich kommerzieller war da am Dienstagabend "The Lost City of Z". Der Film über den britischen Südamerika-Forscher Percy Fawcett wurde bei einer großen Gala in Deutschlands schönstem Kino, dem "Zoo-Palst" unweit der Gedächtniskirche, gefeiert. Mit den Jungstars Charlie Hunnam ("Unterwegs nach Cold Mountain") und Robert Pattinson ("Twilight") schildert Regisseur James Gray die Anfänge der Amazonas-Forschung in der Zeit kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs. "The Lost City of Z" ist ein klassischer Abenteurerfilm, dem zwar ein bisschen das Monumentale fehlt - aber spannend ist er allemal.

Insbesondere deshalb, weil wahre Geschichten einfach immer noch einmal ein bisschen interessanter als Fiktion sind und sich um das spurlose Verschwinden Fawcetts während seiner letzten Forschungsreise noch heute wilde Spekulationen ranken. "The Lost City of Z" kommt voraussichtlich Ende März in die deutschen Kinos.


Wunderbare Liebesgeschichte

Mit der Weltpremiere von Volker Schlöndorffs "Return to Montauk" neigt sich der mit 18 Filmen besetzte Wettbewerb um den Goldenen Bären für den besten Film langsam dem Ende entgegen.

Einen klaren Liebling haben die Kritiker bislang noch nicht gefunden, höchstens in der ungarischen Produktion "On Body and Soul", einer wunderbar leisen Liebesgeschichte, die sich mitten in einem Schlachthof entwickelt. Das mag in seiner Kurzfassung ein bisschen verrückt klingen - aber wenn etwas verrückt ist, dann ist das doch das wahre Leben.

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